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SPD-Chef Beck: "Ich stehe, ich bleibe"

SPD-Chef Kurt Beck will sich frühestens im Herbst zum nächsten Kanzlerkandidaten der SPD äußern - weiß aber schon jetzt, was er vorschlagen will. Im Streit im Umgang mit der Linken will sich Beck "nicht unterkriegen lassen" - wirklich Spaß macht ihm das Amt des Parteivorsitzenden aber nicht mehr.

SPD-Chef Kurt Beck hat seinen Zeitplan für die Bekanntgabe der Kanzlerkandidatur der Sozialdemokraten bekräftigt. Bei der Aufzeichnung der ARD-Talk-Sendung "Beckmann" unterstrich Beck am Sonntagabend in Hamburg, er wolle frühestens im Herbst sagen, ob er antrete: "Ich weiß, was ich will und was ich vorschlagen werde." Am Wochenende hatte SPD-Fraktionschef Peter Struck Außenminister Frank-Walter Steinmeier als "geeigneten" Kanzlerkandidaten ins Gespräch gebracht - falls Beck nicht antreten wolle.

Beck startet heute in Schleswig-Holstein eine bundesweite Kampagne unter dem Motto "Deutschland-Dialog: Nah bei den Menschen". Bis in den Spätherbst sind über 45 Veranstaltungen in allen Ländern mit Beck und seinen drei Stellvertretern vorgesehen. Dabei sollen die Beschlüsse des Bundesparteitages in Hamburg dargestellt und die Grundlagen für ein Wahl- und Regierungsprogramm für den Bundestagswahlkampf 2009 diskutiert werden. Beck nimmt am Vormittag in Plön an einer SPD-Funktionärskonferenz teil. Anschließend besucht er Schleswig-Holsteins Polizeischule in Eutin. Am Abend steht eine Diskussionsveranstaltung in Rendsburg auf dem Programm.

"Es gibt eine Bringschuld"

Beck sagte bei "Beckmann", die heftige Kritik wegen seiner Äußerungen zum Umgang mit der Linken lasse ihn natürlich nicht kalt. Aber "davon lasse ich mich nicht unterkriegen", betonte er. "Ich stehe, ich bleibe." Das Vorsitzendenamt werde er auf jeden Fall weiter ausüben. "Es gibt auch eine Bringschuld, die werde ich gerne einlösen." Auf die Frage, ob das Amt noch Spaß mache, sagte Beck, Spaß sei nicht gerade das passende Wort. Aber es gebe ihm eine "gewisse Zufriedenheit", etwas für die Menschen bewegen zu können.

Struck bekräftigte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", der Parteivorsitzende sei der natürliche Kanzlerkandidat. Beck werde seine Entscheidung davon abhängig machen, "mit wem die SPD zu diesem Zeitpunkt die größten Chancen hat". Nach Steinmeier zählt Struck Finanzminister Peer Steinbrück zu den möglichen Kandidaten. Beck habe beide nicht ohne Grund zu Stellvertretern gemacht. Auf die Frage, ob er Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit versehentlich unerwähnt gelassen habe, sagte Struck: "Nein. Nicht aus Versehen."

Der frühere SPD-Chef Franz Müntefering übte nach einem "Spiegel"- Bericht in einem internen Papier Kritik an Becks Kurs. Zur Frage des Kanzlerkandidaten schreibe er, die SPD sollte für die Bundestagswahl 2009 eine Zusammenarbeit mit der Linken ausschließen. "Das muss sich auch in den Personalentscheidungen der SPD klar abzeichnen."

Kritik auch von Links

Auch bei den Linken innerhalb der SPD erntete Beck Kritik, allerdings für seine Absage an ein Bündnis mit der Linken auf Bundesebene über 2009 hinaus. Eine langfristige Festlegung auf Jahreszahlen halte er nicht für sinnvoll, sagte Ottmar Schreiner der "Welt am Sonntag". "Jede Ausgrenzung der Linkspartei ist auf Dauer nicht durchhaltbar."

Der frühere SPD-Sozialexperte Rudolf Dreßler forderte in der "Passauer Neuen Presse" seine Partei auf, eine Kooperation mit der Linkspartei nicht länger auszuschließen. "Die SPD hat beim Umgang mit der Linkspartei lange genug herumgeeiert."

DPA/Reuters / DPA / Reuters