stern-Umfrage SPD stürzt auf 20 Prozent


Die SPD steckt im Rekordtief: Nur noch 20 Prozent der Bürger würden die Partei wählen, unter den Männern sind es gar nur 17 Prozent. Das zeigt die jüngste Forsa-Umfrage des stern. "Das hätte ich nicht für möglich gehalten", sagt Parteienforscher Lösche.
Von Matthias Weber, Lutz Kinkel und Hans Peter Schütz

Die Umfragewerte der SPD haben einen neuen historischen Tiefpunkt erreicht. Nach den jüngsten Daten des Meinungsforschungsinstitutes Forsa, die für den stern und RTL erhoben wurden, verliert die Partei nochmals drei Prozent und käme nun nur noch auf 20 Prozent der Wählerstimmen. Damit nähert sie sich dem Niveau der kleineren Parteien. Die Linke könnte 15 Prozent für sich verbuchen, die FDP 13 Prozent und die Grünen 12 Prozent. Die CDU würde 36 Prozent erreichen. "Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Man muss schon bis in die fünfziger Jahre zurückgehen, bis zum damaligen Parteivorsitzenden Erich Ollenhauer, der vielleicht eine gewisse Ähnlichkeit mit Kurt Beck hat, um auf diese 20 Prozent zu kommen", sagte Parteienforscher Peter Lösche stern.de. Forsa-Chef Manfred Güllner bezeichnete den SPD-Wert als einen "bis jetzt nicht für möglich gehaltenen Tiefpunkt".

Noch dramatischer sind die Zahlen für einzelne Wählergruppen. Unter den männlichen Erwachsenen sagen nur noch 17 Prozent, sie wollten die SPD wählen. Die Linkspartei kommt bei den Männern ebenfalls auf 17 Prozent, die FDP auf 16 Prozent. Dass die SPD bei weiblichen Wählerschaft eher punkten kann, hat nach Ansicht des Politikwissenschaftlers Lösche vornehmlich historische Gründe. "Frauen wählen relativ stärker SPD, weil Gerhard Schröder als Kanzler und damaliger SPD-Vorsitzender die Bundesrepublik aus dem Irak Krieg herausgehalten hat. Das sind sozusagen die Nachwehen dieser Entscheidung." Einige Umfragen würden auch darauf hindeuten, dass Frauen das Thema soziale Gerechtigkeit eher der SPD zuschreiben.

"Elendsland der SPD"

Noch nicht ganz klar ist, welchen Effekt die Nominierung von Gesine Schwan zur Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten hat. Forsa-Chef Güllner glaubt, dass dies der SPD geschadet habe: "Viele Wähler fürchten, dass entgegen allen Beteuerungen von Parteichef Kurt Beck mit ihrer Kandidatur ein Signal für ein bundesweites Zusammengehen mit der Linkspartei gegeben wird." Auch Parteienforscher Lösche sagt, dass die Nominierung Schwans das Glaubwürdigkeitsproblem der SPD wieder ins Spiel gebracht hätte. Er glaubt allerdings, dass sich die Situation noch drehen könnte.

"Sie wirkt innerparteilich wie eine Vitaminspritze", sagt Lösche über Schwan. "Zum anderen bleibt abzuwarten, ob die SPD sich nicht doch in einigen Monaten erholt, nach Außen ein besseres Bild abgibt und Führungskraft zeigt, nicht zuletzt durch Gesine Schwan." Selbst wenn es so wäre, kommt dieser Effekt für anstehenden Landtagswahlen in Bayern möglicherweise zu spät. Dort würden derzeit nicht einmal 20 Prozent die SPD wählen. "Die SPD könnte auf 18 oder 17 Prozent kommen", schätzt Lösche. "Man muss aber auch fairer Weise sagen, dass Bayern immer immer die Diaspora, das Elendsland, für die SPD gewesen ist."

Wie führungsstark ist Merkel?

Die persönlichen Werte des SPD-Parteivorsitzenden Kurt Beck zeigen ebenfalls weiter nach unten. Gäbe es eine Direktwahl des Kanzlers, würden nur 11 Prozent der Wähler für Beck stimmen, 60 Prozent hingegen für Merkel. Besonders peinlich für Beck: Selbst SPD-Parteimitglieder geben Merkel den Vorzug. 27 Prozent würden für Merkel votieren, 19 Prozent für Beck und 54 Prozent für keinen von beiden. Ist Merkel so stark, weil Beck so schwach ist? "Es ist ein Grund", sagt Lösche. "Aber es ist nicht wirklich Stärke. Frau Merkel weiß es, sich glänzend zu inszenieren, gerade auf internationaler Ebene. Aber ob Sie wirklich zu führen vermag in einer harten kritischen Situation, das können erst die Historiker beurteilen."

Am schlechtesten sehen Becks persönliche Werte in ausgesuchten Wählergruppen aus - bei den Bayern, bei Senioren, Beamten und Selbständigen hat Beck derzeit keine Chance. In jeder dieser Gruppe liegt die Zustimmung für ihn unter zehn Prozent. Die Option, stattdessen schnell Außenminister Frank Walter Steinmeier zum Kanzlerkandidaten zu ernennen, würde der SPD nach Ansicht Lösches allerdings auch nicht weiterhelfen. "Würde sie jetzt ihren Kanzlerkandidaten nominieren, wer auch immer es werden würde, würde der Kanzlerkandidat aufgerieben, kaputt gemacht. Das ist das Johannes-Rau-Syndrom von 1987", sagt der Parteienforscher. Er empfiehlt den Sozialdemokraten, bis Anfang kommenden Jahres zu warten.

Bürgerliches Lager vorn

Während in den vergangenen Wochen die beiden Lager - SPD/Grüne/Linke und CDU/FDP - Kopf an Kopf in der Wählergunst lagen, hat das bürgerliche Lager nun eine Regierungsmehrheit. Gemeinsam kämen CDU und FDP auf 49 Prozent, SPD, Grüne und Linke auf 47 Prozent.


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