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Studie des Umweltbundesamtes: Erneuerbare Energien können Strombedarf der Zukunft decken

Bis zum Jahr 2050 lässt sich die deutsche Stromversorgung nach einer Studie des Umweltbundesamtes (UBA) vollständig auf erneuerbare Energien umstellen.

Eine Stromversorgung durch ausschließlich erneuerbare Energien ist laut Umweltbundesamt (UBA) bis 2050 in ganz Deutschland möglich. Eine Verlängerung der Laufzeiten von Kernkraftwerken ist dafür nicht nötig, wie aus einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie hervorgeht. Politische Weichenstellung sei gefordert: "Je früher und entschlossener wir handeln, desto mehr Zeit bleibt und für die notwendigen technischen und gesellschaftlichen Anpassungen", sagte Präsident Jochen Flasbarth.

Die vorgelegte UBA-Studie untersuchte ein Szenario, in dem alle Regionen Deutschlands ihre Potenziale für erneuerbare Energien ausschöpfen und ein deutschlandweiter Stromaustausch stattfindet. Dafür berücksichtigten die vom Bundesamt beauftragten Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) Erfahrungswerte extremer Wetterbedingungen.

"Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Stromversorgung bis 2050 vollständig auf erneuerbaren Energien basieren und die Versorgungssicherheit jederzeit gewährleistet werden kann", sagte Flasbarth. Eine Verlängerung der Laufzeiten liefere in der Studie keinen Beitrag zur Erreichung des Ziels, sie sei weder förderlich noch hilfreich.

Voraussetzung sei aber, dass der Strom effizient genutzt und erzeugt werde, sagte Flasbarth. Um die Stromversorgung umgestalten zu können ist es laut UBA notwendig, die erneuerbaren Energien, die Netze und die Speichersysteme deutlich auszubauen. Möglichkeiten, Strom einzusparen, müssten ausgeschöpft werden - etwa durch eine verbesserte Gebäudedämmung. Auch Lastmanagment und Speichermöglichkeiten müssten weiterentwickelt werden.

Um dies bis zu 2050 zu erreichen, plädierte das Umweltbundesamt für frühzeitige politische Weichenstellungen. Der Leiter der Nachhaltigkeitsstrategien des UBA, Harry Lehmann, erklärte, die jetzigen Klimaziele der Bundesregierung seien "als erster Schritt ausreichend". Man müsse aber "im nächsten Jahrzehnt die nächsten Schritte machen, um zu 100 Prozent zu kommen".

Ein Zusammenschluss aus mehr als 100 Umwelt- und Verbraucherschützern sowie Entwicklungshilfsorganisationen forderte die Bundesregierung auf, "endlich auf die unzähligen Studien und Gutachten der Experten zu hören, statt eine Interessenpolitik für EnBW, Eon, RWE und Vattenfall zu betreiben".

Vor dem Umweltbundesamt hätten bereits die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages sowie der Sachverständigenrat der Bundesregierung eine Vollversorgung Deutschlands auf der Basis sauberer heimischer Energieträger für möglich erklärt, meinte Jürgen Maier von der Klima-Allianz. Die schwarz-gelbe Koalition behaupte dennoch seit Monaten, man brauche Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke und neue Kohlekraftwerke.

Nach der regionalen Untersuchung will das UBA der Politik in einer Folgestudie zwei mögliche Alternativszenarien, das Szenario "Großtechnologie" und das Szenario "Autarkie", aufzeigen.

Young-Sim Song, APN (mit DPA)