Tag der Entscheidung Wahlbeteiligung könnte SPD nutzen


Bei der Wahlbeteiligung zur Bundestagswahl zeichnet sich kein einheitliches Bild ab. In Hessen und Berlin liegt sie höher als vor drei Jahren, in Bayern niedriger. Vor allem die SPD könnte von diesem Trend profitieren.

Bei der Bundestagswahl hat sich bis zum frühen Sonntagnachmittag in einigen Ländern eine höhere Wahlbeteiligung als 2002 abgezeichnet. Ein bundesweit eindeutiger Trend war aber noch nicht zu belegen. Bei meist sonnigem Herbstwetter berichteten die Wahlleiter von unterschiedlich starkem Andrang in den einzelnen Bundesländern. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.

Die Landeswahlleiter in Berlin und Hessen meldeten am Sonntagnachmittag eine höhere Wahlbeteiligung. In Hessen wurde bis 14.00 Uhr eine Beteiligung von 48,8 Prozent registriert, 1,9 Prozentpunkte mehr als im gleichen Zeitraum 2002, wie Landeswahlleiter Wolfgang Hannappel sagte. In der Hauptstadt hatten nach Angaben des Landeswahlleiters bis 12.00 Uhr 32,2 Prozent der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht. Damit lag die Wahlbeteiligung um 1,7 Prozentpunkte höher als 2002.

In Bayern blieb bis zum Mittag in einigen Städten die Wahlbeteiligung um vier bis fünf Prozentpunkte hinter dem Stand bei der Bundestagswahl 2002 zurück. Auch in Hamburg und Hessen lag die Beteiligung zunächst unter dem Wert von 2002. Dagegen zeichnete sich in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt eine hohe Beteiligung ab. Ein höheres Interesse als 2002 meldeten auch Berlin, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz. In Baden-Württemberg und Sachsen lag die Wahlbeteiligung ebenso hoch oder leicht höher als vor drei Jahren.

SPD könnte von Wahlbeteiligung profitieren

Verstärkt sich dieser Trend, käme eine höhere Wahlbeteiligung nach Meinung von Wahlforschern vor allem der SPD zu Gute. Nachdem die beiden Lager in den Umfragen nur wenige Prozentpunkte auseinanderliegen, erwarten Experten einen langen Wahlabend, bis das Ergebnis feststeht. Die so genannten Überhangmandate, die erst bei Vorliegen der Wahlergebnisse in den Bundesländern errechnet werden können, könnten die Feststellung des Wahlergebnisses weiter verzögern. Das endgültige Ergebnis der Wahl wird allerdings erst nach der Nachwahl in Dresden am 2. Oktober feststehen. Nur bei einem sehr knappen Wahlausgang wird die Nachwahl dort allerdings auch über die Zusammensetzung der nächsten Regierung entscheiden.

Spitzenkandidaten gaben Stimme ab

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gab am Vormittag in Hannover seine Stimme ab, CSU-Chef Edmund Stoiber im oberbayerischen Wolfratshausen. In Berlin gingen Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel (CDU), Außenminister Joschka Fischer (Grüne), Grünen-Chef Reinhard Bütikofer und Linkspartei-Spitzenkandidat Gregor Gysi zur Wahl. FDP-Chef Guido Westerwelle wählte in seiner Heimatstadt Bonn.

Rund 62 Millionen Bundesbürger sind aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die Wahllokale schließen um 18.00 Uhr. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik entscheiden die Wähler auch darüber, ob eine Frau oder ein Mann Bundeskanzler wird. Letzte Umfragen sahen weder für eine Koalition aus Union und FDP noch für die amtierende rot-grüne Bundesregierung eine klare Mehrheit. Das Ergebnis für die Linkspartei könnte eine wesentliche Rolle dabei spielen, welche Koalition möglich wird.

Um die 598 Sitze im Bundestag bewerben sich 3648 Kandidaten. Auf den Landeslisten stehen 25 Parteien zur Wahl. Wenn in der Nacht zum Montag das vorläufige amtliche Endergebnis verkündet wird, fehlen die 219 000 Stimmen aus dem Wahlkreis Dresden I. Dort wird erst am 2. Oktober gewählt, weil eine Direktkandidatin starb.

Dresden muss nachwählen

An diesem Sonntag wird nicht im ganzen Bundesgebiet gewählt. Rund 220.000 Stimmberechtigte im Wahlkreis Dresden I stimmen erst am 2. Oktober ab. In dem Wahlkreis mussten wegen des Todes einer NPD-Direktkandidatin unter anderem Stimmzettel neu gedruckt und Fristen wieder gesetzt werden.

DPA, Reuters DPA Reuters

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