VG-Wort Pixel

Gestiegene Wahlbeteiligung Kommunalwahl 2020 in Bayern: Gewinner und Verlierer

Kommunalwahl in Bayern
Der Kommunalwahlsonntag in Bayern bleibt aufgrund der Corona-Krise womöglich unvergessen
© Sven Hoppe / Picture Alliance
Am Sonntag haben Bürgerinnen und Bürger aus Bayern die Kommunalparlamente, Landräte und Bürgermeister ihrer Städte und Gemeinden gewählt. Die Auszählung läuft und erste Ergebnisse werden veröffentlicht. 

Es ist überraschend: Trotz der Corona-Krise steigt die Wahlbeteiligung am Kommunalwahlsonntag in Bayern von rund 55 Prozent (2014) auf rund 58,5 Prozent, so der Bayrische Rundfunk. Die Auszählungen haben begonnen. 

In der Landeshauptstadt München - so muss man es angesichts der Dauerkrise der SPD feststellen - gelingt Oberbürgermeister Dieter Reiter ein durchaus bemerkenswertes Ergebnis: Trotz zwei starker Gegenkandidatinnen von CSU (Kristina Frank) und den Grünen (Katrin Habenschaden) schafft der 61-Jährige beinahe seine direkte Wiederwahl ohne Stichwahl, verglichen mit der Wahl 2014 konnte Reiter gar ein deutliches Plus verzeichnen. Damit hatte auch in der Partei wohl kaum wer gerechnet. Reiter ist seit 2014 Rathauschef in München. 

Dagegen müssen die mit besonders guten Umfragewerten auf Bundes- und Landesebene in den Wahlkampf gestarteten Grünen in München eine herbe Pleite verkraften. In einem knappen Rennen landet Habenschaden nur auf dem dritten Rang und wird damit die Stichwahl in 14 Tagen nur als Zaungast erleben. "Woran es gelegen hat, wissen wir derzeit noch nicht", sagt sie in einer ersten Reaktion noch vor der letzten ausgezählten Stimme und müht sich, das generelle Ergebnis zu loben: "Wir haben sechs Prozent zugelegt, das freut uns wirklich sehr."

Die Grünen treffen Nerv bei Kommunalwahl

Stattdessen konnte die CSU, Koalitionspartner der SPD im Rathaus, mit dem klar gegen die Grünen gerichteten Wahlkampf punkten. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Grünen-Themen Verkehr und Umweltschutz offenkundig eher den Münchner Nerv getroffen haben als die Spitzenkandidatin - erstmals stellt die Partei aller Voraussicht nach die stärkste Fraktion im Stadtrat. Und auch aus dem unterfränkischen Landkreis Miltenberg erreichen die Parteizentrale gute Nachrichten: Landrat Jens Marco Scherf verteidigte sein Amt mit klarer Mehrheit. 

Dagegen gibt es am Sonntag auch in Würzburg und im Landkreis Miesbach lange Gesichter bei den Grünen: Der grüne Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak muss gegen seinen stärkeren CSU-Herausforderer Olaf von Löwis in die Stichwahl. In Würzburg - auch hier rechneten sich viele Grüne Chancen auf den Sieg bei der OB-Wahl aus - schafft CDU-Amtsinhaber Christian Schuchardt den direkten Sieg. Ex-Grünen-Landeschefin Sigi Hagl gelingt in Landshut immerhin der Gang in die Stichwahl. Der Parteivorsitzende Eike Hallitzky müht sich um ein positives Fazit: "Wir wissen, dass unsere langjährige Arbeit Früchte trägt." 

CSU hat Probleme in Großstädten

Und die CSU? Schon beinahe traditionell haben die Christsozialen ja Probleme in den Großstädten, doch zumindest in Augsburg scheinen die Zeichen weiter gut für einen schwarzen Oberbürgermeister zu stehen. Nach dem Verzicht von OB Kurt Gribl kann die CSU-Kandidatin Eva Weber offenkundig gut die sich auftuende Lücke für sich nutzen und schafft mit großer Mehrheit den Sprung in die Stichwahl. 

Für etwas Freude bei CSU-Chef Markus Söder dürfte inmitten des ganzen Coronavirus-Chaos auch das Abschneiden des CSU-Kandidaten Marcus König in Bayerns zweitgrößter Stadt Nürnberg sorgen: Er zwingt im Kampf um die Nachfolge von Ulrich Maly dessen SPD-Parteifreund Thorsten Brehm in die Stichwahl. Und auch in Regensburg schafft es die CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein in die Stichwahl gegen Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). Der einstige Rathauschef Joachim Wolbergs kommt immerhin auf Rang drei. Söder bilanziert, wenn die Lage schwer sei, setzten die Bürger "zurecht auf Stabilität".

"Die grüne Welle ist gebrochen, gerade auch in den Städten", fasst CSU-Generalsekretär Markus Blume am Abend die Wahl aus seiner Sicht zusammen. Ob die CSU am Ende aber von einer erfolgreichen Wahl sprechen kann, muss sich erst noch zeigen. Viele Wahlergebnisse werden erst Anfang der Woche ausgewertet sein. Und während sich die Partei in den Ballungszentren meist mit SPD und Grünen auseinandersetzen muss, ist die Konkurrenz auf dem Land eine andere: Freie Wähler und AfD heißen hier die politischen Gegner. 

Und auch hier können die Grünen noch auf viele Erfolgserlebnisse hoffen - immerhin konnte die Partei in den vergangenen Monaten dank vieler Tausend neuer Mitglieder auch ihre Ausdehnung im Land deutlich vergrößern. Erkennbar ist dies etwa an den zahlreichen Stichwahlen, denen sich Grüne-Kandidaten in 14 Tagen stellen werden. Wer zuletzt lacht, ist also noch nicht entschieden.

deb DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker