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Behörden zum Fall Lübcke: Tatverdächtiger hatte "rechtsextremistische Karriere" - Tatwaffe noch nicht gefunden

Stephan E., der Tatverdächtige im Fall des erschossenen Politikers Walter Lübcke, hatte eine "rechtsextremistische Karriere". Allerdings sei er zuletzt "eher in den Hintergrund der Beobachtung" getreten.

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang

Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang

DPA

Der Bundesinnenminister Horst Seehofer sowie die Spitzen des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) und des Bundeskriminalamts (BKA) haben am Dienstagmittag zum Mordfall Walter Lübcke Stellung genommen.

Demnach ermitteln die Behörden nach Angaben des Innenministers in alle Richtungen. Die Hintergründe seien noch nicht vollends aufgeklärt, sagte Seehofer in Berlin. 

Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege die Biografie des Verdächtigen nahe, sagte Seehofer. Als Tatmotiv könne derzeit nichts ausgeschlossen werden. "Ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar."

Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Er soll Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet haben. Die Generalbundesanwaltschaft sieht einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat und hat die Ermittlungen übernommen.

Tatverdächtiger im Fall Walter Lübcke zuletzt "eher in den Hintergrund der Beobachtung getreten"

Seehofer nannte den Anschlag "abscheulich" und "widerwärtig". "Ein rechtsextremer Anschlag auf einen führenden Repräsentanten unseres Landes ist ein Alarmsignal und richtet sich gegen uns alle." Dies sei "ein weiterer Beleg für die Verrohung unserer Gesellschaft" und ein Anzeichen für den "schleichenden Verfall der guten Sitten und der menschlichen Moral", fügte Seehofer hinzu

Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz ist der Tatverdächtige in den vergangenen Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten. Der Mann habe eine Art rechtsextremistische Karriere vor allem in den 1980er und 1990er Jahren begonnen, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang am Dienstag in Berlin. Seit dieser Zeit sei er auch auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen. Zuletzt sei er aber "eher in den Hintergrund der Beobachtung getreten".

Die Tatwaffe im Fall des erschossenen Regierungspräsidenten ist nach Angaben von BKA-Präsident Holger Münch bislang noch nicht gefunden worden. Der Verdächtige sei Mitglied in einem Schützenverein, habe aber keine waffenrechtliche Erlaubnis gehabt, sagte Münch in Berlin. Die Ermittlungen liefen mit Hochdruck weiter. "Es gibt eine Menge, Menge aufzuklären.

fs / DPA