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Terrorangst in Deutschland: Wer schickte die Bombenattrappe auf Reisen?

Waren es Terroristen? Oder doch die CIA? Innenminister Thomas de Maizière will noch nicht einmal ausschließen, dass die in Namibia gefundene Bombenattrappe ein Test deutscher Sicherheitsbehörden war. Während der Minister vor Hysterie warnt, geht in Deutschland die Terrorangst um.

Die Angst vor einem Terroranschlag in Deutschland bleibt - auch wenn die jüngste Bombenwarnung bei einem deutschen Flug aus Namibia ein Fehlalarm war. Das verdächtige Gepäckstück war eine Test-Attrappe, gab Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) bekannt. In dem Koffer sei kein Sprengstoff gewesen - die Flugpassagiere seien nicht in Gefahr gewesen. Unklar blieb, wer den "Realtest-Koffer" einer kleinen Firma aus Kalifornien in Windhuk platzierte.

Spekulationen gibt es reichlich. Zu den Verdächtigen zählen Terroristen ebenso wie Geheimnisse. De Maizière schließt sogar nicht aus, dass die Bombenattrappe möglicherweise sogar ein von deutschen Sicherheitsbehörden initiierter Test war. "Ich halte das für sehr unwahrscheinlich", sagte der Minister. Aber auch das werde "selbstverständlich" Gegenstand der Ermittlungen sein.

"Realtests" auch in Deutschland?

Das Gepäckstück war am Mittwoch in einer Flughafenhalle in Windhuk gefunden worden, in der zuvor das für den Air-Berlin-Flug nach München bestimmte Gepäck gelagert war. Es war nicht ausdrücklich an Deutschland adressiert, weil es keinen Ziel-Aufkleber gehabt habe. De Maizière ging davon aus, dass es für den Air Berlin Flug bestimmt war. Offen blieb am Freitag zunächst, ob es "Realtests" auch in Deutschland gibt. Die deutschen Behörden äußerten sich dazu nicht.

Die Fluggesellschaft Air Berlin erklärte, nichts von dem Dummy gewusst zu haben. "Die Herkunft des Koffers ist Air Berlin nicht bekannt", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. Auch das Bundeskriminalamt war nach eigenen Angaben nicht über den Test informiert. Tatsächlich hätten erst die nach Windhuk geschickten Mitarbeiter die Attrappe als solche entlarvt und dann den Innenminister informiert. Für den Einsatz sogenannter Realtest-Koffer sei die Behörde nicht zuständig.

Die fragliche US-Firma - nach Angaben der Polizei in Namibia das Unternehmen Larry Copello aus Kalifornien - stellt Alarm- und Erkennungssysteme und Bombensimulatoren her. Nach Angaben von de Maizière wird nun geprüft, ob, wann und an wen der Koffer verkauft worden sei. Die Behörden in Windhuk erklärten, auch sie wüssten nicht, wer das Gepäckstück auf dem Flughafen abgestellt habe. Namibias Polizeichef Sebastian Haitota Ndeitunga sagte, hätte die Laptop-Tasche echten Sprengstoff enthalten, wäre die Wirkung bei einer Zündung verheerend gewesen.

Terrorangst in Deutschland

Die Innenminister der Länder pochten am Freitag bei ihrer Konferenz in Hamburg darauf, angesichts der Terrorgefahr die umstrittene Vorratsspeicherung von Telefon- und Internetdaten wieder einzuführen. Polizeigewerkschaften befürchten eine Überlastung der Beamten und Personalmangel. Am Freitag sorgten zudem herrenlose Gepäckstücke für Aufregung: So wurden etwa der Hauptbahnhof Hannover wegen eines Alarms teils gesperrt und ein ICE in Düsseldorf gestoppt.

Die Innenminister von Bund und Ländern wollen Telefon- und Internetdaten wieder für mindestens sechs Monate speichern. Die Ressortchefs forderten Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) auf ihrer Konferenz auf, zügig eine Neuregelung vorzulegen. "Wir müssen sehr schnell zu einer gesetzgeberischen Lösung kommen", sagte Hamburgs Innensenator Heino Vahldieck (CDU). Das Bundesverfassungsgericht hatte die Vorratsdatenspeicherung im März gekippt. Seitdem dürfen Telefon- und Internetdaten nicht mehr ohne Anlass für sechs Monate gespeichert werden.

Im Hauptbahnhof Hannover sorgte am Freitag eine verdächtige Tüte für Aufregung. Weil Sprengstoffexperten die Gefahr nicht abschätzen konnten, zerschossen sie per Roboter die Tüte mit einem Wasserstrahl. Den zerstörten Inhalt wollten die Experten näher untersuchen. Im Düsseldorfer Hauptbahnhof mussten ICE-Reisende in der Nacht zum Freitag eine zweieinhalbstündige Zwangspause einlegen. Bombenentschärfer gaben nach Untersuchung eines verdächtigen Gepäckstücks Entwarnung. Einige Innenministerien registrierten vermehrt Anrufe besorgter Bürger. Aber: "Es ist keine Hysterie ausgebrochen", sagte eine Sprecher in Berlin.

be/DPA / DPA