Terrorprozess "Mord in 3066 Fällen"


Fast zwei Jahre nach den Terroranschlägen in den USA steht in Hamburg erneut ein mutmaßlicher Helfer der Todespiloten vor Gericht. Dem 30-jährigen Marokkaner Abdelghani Mzoudi wirft die Anklage unter anderem Beihilfe zum Mord in 3066 Fällen vor.

Im zweiten Hamburger Terrorprozess um die Anschläge von 11. September 2001 hat die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Marokkaner Abdelghani Mzoudi Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Der 30 Jahre alte Marokkaner habe von Anfang an der Terrorzelle um den Todespiloten Mohammed Atta angehört.

Zum Prozessauftakt vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht am Donnerstag sagte der Staatsanwalt des Bundesgerichtshofes, Matthias Krauß, Mzoudi habe bei Abwesenheit der Terrorpiloten als Statthalter fungiert. Er habe auch zur Vorbereitung der Anschläge vom 11. September beigetragen. Mzoudi habe den Terrorpiloten "vorsätzlich Beihilfe geleistet, heimtückisch und mit gefährlichen Mitteln 3066 Menschen zu töten", sagte Krauß.

Angeklagter will schweigen

Mzoudi hatte angekündigt, im dem Prozess zur Sache zu schweigen. Er berichtete aber von seiner Kindheit in Marokko, wo er mit drei Schwestern und zwei Brüdern aufgewachsen sei. Im Alter von fünf Jahren habe er begonnen, aus dem Koran zu lernen, mit sieben Jahren habe ihn sein Vater erstmals mit in eine Moschee genommen. "Meine Mutter hat versucht, mir die islamischen Werte zu vermitteln wie Ehrlichkeit, nicht zu stehlen und nicht zu töten, die guten Werte des Islam", sagte er.

Mzoudis Verteidigerin Gül Pinar hielt der Anklage "Lebensfremdheit" vor. Mit dem Vorwurf, Mzoudi habe als Statthalter der Terroristen fungiert, werfe man ihm "das tägliche Geben und Nehmen" vor, sagte sie. "Die Marienstraße 54 ist eine Wohngemeinschaft, wie es sie in Hamburg tausendfach gibt." Bundesanwalt Walter Hemberger erwiderte, "der Würfel hat sicher nicht darüber entschieden, wer hier angeklagt wird und wer nicht".

Für den Prozessauftakt waren scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden, die Polizei hatte das Gerichtsgebäude abgesperrt. Rund 50 Medienvertreter beobachteten die Verhandlung. Im ersten Prozess hatte das Gericht im Februar in erster Instanz den Marokkaner Mounir El Motassadeq zur Höchststrafe von 15 Jahren Haft verurteilt.

Der Mann, der Attas Testament unterschrieb

Abdelghani Mzoudi soll Unterstützer der "Hamburger Terrorzelle" um Mohammed Atta gewesen sein, der wahrscheinlich einer der Todespiloten des 11. September 2001 war. Der in Marokko geborene 30-Jährige wurde am 10. Oktober 2002 in Hamburg wegen des dringenden Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung verhaftet. Mzoudi wohnte in der Harburger Marienstraße 54, der zentralen Anlaufstelle der Hamburger Zelle. Ein anderer Treffpunkt war die Al-Kuds-Moschee. Mzoudi unterschrieb Attas Testament.

Mzoudi kam nach eigenen Angaben 1993 nach Deutschland. In Bochum erlernte er die deutsche Sprache. Seit September 1995 studierte er Elektrotechnik und Mathematik an der TU-Harburg. Er habe bereits im Alter von fünf Jahren begonnen, den Koran zu studieren, mit sieben Jahren habe sein Vater ihn erstmals mit in die Moschee genommen. Mzoudi wuchs mit drei Schwestern und zwei Brüdern auf.


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