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Abreise: Mzoudi verlässt Deutschland

Aus Mangel an Beweisen haben die Gerichte den terrorverdächtigen Abdelghani Mzoudi freisprechen müssen. Jetzt hat der Marokkaner Deutschland verlassen - Zweifel an seiner Unschuld bleiben dennoch.

Ihm waren die Beihilfe zum Mord in über 3000 Fällen und die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Doch weder das Hanseatische Oberlandesgericht noch der Bundesgerichtshof hatte die Beweislage gegen den Marokkaner Abdelghani Mzoudi als ausreichend befunden und ihn freigesprochen. Nach dem Freispruch hat der Marokkaner Deutschland am Morgen endgültig verlassen.

Der Bundesgrenzschutz (BGS) am Flughafen Hannover bestätigte, dass Mzoudi Deutschland mit dem Flugzeug verlassen habe. "Ich kann bestätigen, dass er ausgereist ist", sagte ein Sprecher des Bundesgrenzschutzes am Dienstag in Hannover. Weitere Details wollte er zunächst nicht nennen. Mzoudi hatte aber bereits angekündigt, direkt nach Marrakesch zu seiner Familie fliegen zu wollen. Mit der Abreise wollte er der drohenden Abschiebung durch die Hamburger Innenbehörde zuvorkommen. Nach Einschätzung seiner Anwältin wird er in Marokko weiter von den Behörden vernommen werden.

Aus Mangel an Beweisen

Mzoudi war 1993 zur Ausbildung nach Deutschland gekommen. In Hamburg studierte er Elektrotechnik und wurde Mitglied im Gebetskreis islamistischer Studenten um den späteren Todespiloten Mohammed Atta. 2003 klagt ihn die Bundesanwaltschaft 3 unter anderem wegen Beihilfe zum Mord im Zusammenhang mit den Attentaten vom 11. September 2001 an. Der Vorwurf: Mzoudi habe die Gruppe um Atta bei der Abwicklung von Geldgeschäften unterstützt. Außerdem habe er die berüchtigte Wohnung in der Hamburger Marienstraße von Atta übernommen, besuchte ein Terrorcamp in Afghanistan und unterschrieb Attas Testament. Die Hamburger Richter hatten den Marokkaner jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Ein Urteil, das Anfang Juni durch den Bundesgerichthof bestätigt wurde. Vergangene Woche hatte Mzoudi dann die Aussage im Prozess gegen seinen Landsmann Mounir el Motassadeq verweigert. Das Verfahren gegen der gegen Motassadeq basiere auf den gleichen Vorwürfe und sei so eng mit seinem eigenen verknüpft, dass "nichts übrig bleibt, was ich ohne Gefahr der Wiederaufnahme zu meinen Ungunsten bezeugen könnte", hatte Mzoudi erklären lassen.

Mzoudis Landsmann Motassadeq war 2003 in Hamburg wegen Beteiligung an den Anschlägen des 11. September zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof ordnete später aber eine erneute Verhandlung an, weil möglicherweise entlastende Zeugenaussagen aus den USA nicht berücksichtigt wurden. Bei den Anschlägen mit entführten Passagiermaschinen waren in den USA rund 3000 Menschen getötet worden.

DPA/Reuters / DPA / Reuters