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Tod nach langer Krankheit: Trauer um Carl Friedrich von Weizsäcker

Er war der wohl letzte deutsche Universalgelehrte, Physiker und Philosoph, die Verhütung von Kriegen sein zentrales Ziel. Nun ist Carl Friedrich von Weizsäcker, der ältere Bruder des ehemaligen Bundespräsidenten, im Alter von 94 Jahren gestorben.

Der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker ist tot. Er starb nach Angaben seiner Familie im Alter von 94 Jahren in seinem Haus bei Starnberg (Bayern). Der mit Auszeichnungen und Ehrungen überhäufte Kieler Diplomatensohn galt als der wohl letzte deutsche Universalgelehrte. In den Zeiten der Ost-West-Konfrontation wurde die Kriegsverhütung zu seinem zentralen Engagement.

Vordenker und Mahner der "Weltinnenpolitik"

Der jüngere Bruder von Weizsäckers, Richard, war zehn Jahre lang bis 1994 Bundespräsident. Carl Friedrich von Weizsäcker lehnte eine von der SPD und der FDP angetragene Kandidatur für das Amt ab. Doch wohl kein anderer Wissenschaftler hat sich als Zeit-Diagnostiker, Mahner und Vordenker der "Weltinnenpolitik" durch Jahrzehnte im öffentlichen Leben der Bundesrepublik vergleichbare Autorität erworben.

Vor dem Hintergrund der Entdeckung der Uranspaltung und der damit verbundenen Möglichkeit, Atombomben zu bauen, lautete das Leitmotiv des Physikers: Die Wissenschaft trägt Verantwortung für die eigenen Ergebnisse - auch wenn deren Folgen nicht gewollt und nicht einmal absehbar sind. 1992 legte Carl Friedrich von Weizsäcker unter dem Titel "Zeit und Wissen" sein zweibändiges Alterswerk vor, das ein bewegtes Jahrhundert des allgemeinen Umbruchs auf vielen Ebenen widerspiegelt, wie es der Physiker und Träger des Alternativen Nobelpreises, Hans-Peter Dürr, formulierte.

Schüler von Werner Heisenberg

Weizsäcker wurde am 28. Juni 1912 in Kiel geboren. In der Physik hatte der brillante junge Schüler des späteren Nobelpreisträgers Werner Heisenberg seine wissenschaftlichen Lorbeeren errungen. Von 1970 bis zu seiner Pensionierung 1980 leitete er zusammen mit Jürgen Habermas das in Starnberg angesiedelte Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt.

DPA / DPA