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TV-Duell: Wetten, dass ... Raab brav bleibt?

Mit gefletschter Kauleiste und markigen Sprüchen stieg Stefan Raab in die Pressekonferenz zum TV-Duell ein. Danach ging er es bedächtiger an. Der arme Kerl. Er kann bei diesem Job nur verlieren.

Von Lutz Kinkel

So kennt man ihn. Hellblaues Hemd, weißes T-Shirt, schwarzes Sakko. Normalerweise trägt er Jeans dazu, diesmal - Obacht: ein erstes Zugeständnis - ist es die schwarze Anzughose. Aber er grinst. Wie üblich. Und hat diese Komm-doch-wenn-Du-was-willst-Körperhaltung. Raab ist Raab ist Raab - und kann es diesmal doch nicht sein. Denn er moderiert ausnahmsweise nicht seinen Fernsehsandkasten bei ProSieben, sondern das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück. Die wichtigste politische Sendung des Jahres.

Natürlich geht eine der ersten Fragen auf der Pressekonferenz im Studio in Berlin-Adlershof am Freitagvormittag an ihn. Wie er sich das denn vorstelle, seine Rolle, die Sendung und so? Raab sagt, er hoffe, "dass das befürchtete Larifari von Herrn Kloeppel außen vor bleibt" - und lacht seinen Kollegen Peter Kloeppel an, Co-Moderator und RTL-Chefredakteur, der nur ein paar Meter neben ihm steht. Im übrigen, sagt Raab, sei er ein emotionaler Mensch. "Es könnte sein, dass mir mal die Pferde durchgehen." Pause. "Was ich nicht hoffe". Grinsen.

Ein Einstand nach Maß

Es ist ein Einstand nach Maß, in klassischer Raab-Manier: Erstmal einen raushauen, provozieren und dann triumphierend über den Scherbenhaufen stapfen. Aber schon nach zwei Schritten hält er inne. Korrigiert sich. Sagt, dass natürlich nicht das Larifari "von" Herrn Kloeppel gemeint sei. Sondern das allgemeine Larifari, über das Kloeppel in einem Interview gesprochen habe. Das Originalzitat lautet: "Was wir aber nicht wollen, ist ein buntes Larifari. Es muss ganz klar sein: Es geht hier um ernsthafte Politik." Das hatte Kloeppel offenbar in Richtung Raab gesagt, ohne ihn direkt beim Namen zu nennen. Ebenso verfuhr ZDF-Chefredakteur Peter Frey, der gemahnt hatte, die Moderatoren dürften sich keine "Mätzchen" erlauben. Raab will in Adlershof also signalisieren, dass die Botschaft bei ihm angekommen ist - und nicht auf Kloeppel herumhacken. Vielleicht will er auch beides. So ein bisschen.

Stefan Raab ist für das TV-Duell nicht gebucht worden, weil er als profunder Politikjournalist gilt. Er ist gebucht worden, weil er das junge Publikum ziehen soll. Ob das funktioniert, ist für die Quotenfetischisten der Sender eine der wichtigsten Fragen. Bislang sieht es ganz gut aus: Nach ersten Erhebungen interessieren sich mehr als die Hälfte der Deutschen für das Duell. Schauen sie tatsächlich zu, wäre die Quote des vergangenen Duells getoppt. Einer der Köder ist, zweifellos: Raab.

Angst vor der One-Man-Show

Andererseits fürchten die Öffentlich-Rechtlichen und Raabs Co-Moderatoren Kloeppel (RTL), Maybrit Illner (ZDF) und Anne Will (ARD) offenbar nichts mehr, als dass sich Raab daneben benehmen könnte. Die Sendung zu einer One-Man-Show umfunktioniert. Einen Skandal provoziert, der das gesamte Duell überlagert. Deswegen die strengen Zurechtweisungen im Vorfeld. Und Raab, der Erschaffer von "Wadde hadde Dude da" und "Gebt das Hanf frei", lässt in Adlershof noch mehrfach wissen, dass er das kapiert hat. Er wolle die Sendung "nicht sprengen", sagt er. Er habe keine eigene Strategie. Oder auch: "Ich bin das vierte Rad am Wagen. Und bitte zitieren Sie mich nicht falsch: Das vierte Rad." Einer, der einfach mitlaufen will. Raab lässt es auf Nachfrage gar offen, ob er eine Krawatte tragen wird. Es wäre das Symbol seiner Entraabisierung.

Das streng durchregulierte Konzept der Sendung lässt ihm ohnehin wenig Spielraum für Soli. Es werde fünf Themenblöcke geben, sagt Kloeppel. Sie beginnen jeweils mit einer gleichen Frage an beide Kandidaten. Die Antworten sollen nicht länger als 90 Sekunden dauern, wer danach wann und was fragt, legen die Moderatorenpaare Will/Raab und Illner/Kloeppel zuvor fest. Spontanität ist nicht eingeplant. Selbst für den Fall, dass die USA am Sonntag Syrien angreifen und das Thema deswegen aktuell breiter berücksichtigt werden muss, bereiten sich die Moderatoren vor.

Einstieg in den Ausstieg?

Also, was soll Raab tun? Pflegt er weiter sein Image als Vorsitzender der Spaßguerilla, ist er ein für alle mal gestrichen für Jobs dieser Art. Er darf es maximal im Nebensatz aufblitzen lassen, um sein Publikum nicht zu sehr zu enttäuschen. Andererseits: Tritt er zu seriös auf, weiß am Ende des Sonntags niemand mehr, wieso ProSieben und Sat.1 einen Moderator mit politischem Halbwissen in das Duell schickt und nicht gleich einen Vollprofi. Raab kann eigentlich nur verlieren. Eine schwierige Lage. Er lächelt so etwas mit dem Satz "Ich probiere gerne mal was aus" beiseite.

Stefan Raab wird im Oktober 47 Jahre alt. Sein Haar ist schon etwas licht geworden, ewig kann er die Rolle des Berufsjugendlichen ohnehin nicht durchhalten. Vielleicht ist das TV-Duell auch sein persönlicher Einstieg in eine neue berufliche Etappe, das Herübergleiten von U auf E, das Herantasten an eine Alterskarriere, die ihm nicht abnötigt, ständig der Zampano sein zu müssen. Darauf angesprochen wird Raab etwas leiser als sonst. Und sagt: Das TV-Duell werde wohl nur eine "Episode" für ihn bleiben. Vielleicht hat er mehr Zweifel an sich selbst, als sich von Außen erahnen lässt.