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Übersicht: Offenbar verheerende Anschläge vereitelt

Beamte der Polizei-Sondereinsatzgruppe GSG 9 haben in Nordrheinwestfalen drei Terrorverdächtige festgenommen. Offenbar planten sie mehrere Anschläge in Deutschland. Hier lesen Sie eine Zusammenfassung der Ereignisse.

Die drei am Dienstag festgenommenen Terrorverdächtigen haben nach Angaben der Ermittlungsbehörden massive Bombenanschläge mit vielen Toten auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant. Es sei gelungen, eine der bisher "schwerwiegendsten Terrorplanungen in Deutschland" rechtzeitig zu erkennen, sagte Generalbundesanwältin Monika Harms am Mittwoch in Karlsruhe. Mittlerweile wurde gegen alle drei Männer Haftbefehl erlassen.

Bei den Terrorverdächtigen soll es sich um Fritz G. (28), einem gebürtigen Münchner der im Raum Ulm wohnte, Daniel Martin S. (22) aus dem Saarland und Adem Y handeln. (29). Dies erfuhr stern.de aus Sicherheitskreisen. Demnach sind Fritz G. und Daniel Martin S. deutsche Staatsbürger, die zum Islam konvertiert sind. Über Adem Y. hieß es, er stamme aus der Türkei. Anhand ihrer Reisebewegungen gehen die Ermittler davon aus, dass die drei Männer im vergangenen Jahr in Pakistan ausgebildet worden seien. Der Ulmer Fritz G. gilt als Rädelsführer der möglichen Terrorzelle. Er sei seit längerer Zeit in islamistischen Kreisen im sogenannten Islamischen Informationszentrum in Ulm aktiv und zeitweise auch offizielles Mitglied des Zentrums gewesen. Die Tatverdächtigen sind Mitglieder einer deutschen Zelle der terroristischen islamischen Dschihad-Union.

Ins Visier der Fahnder geriet einer der Verhafteten bereits in der Silvesternacht 2006. Damals hatte er mit Komplizen zwei US-Kasernengebäude in Hanau als potenzielle Anschlagsziele ausgespäht, gab aber an, lediglich das Feuerwerk auf dem Stützpunkt bewundern zu wollen. Seitdem wurde er observiert.

12 Fässer mit Chemikalien

Zwischen Februar und August 2007 habe der Rädelsführer dann nach und nach zwölf Fässer mit insgesamt 730 Kilogramm 35-prozentiger Wasserstoffperoxidlösung im Raum Hannover beschafft und diese Fässer im Raum Freudenstadt in Baden-Württemberg in einer Garage zwischengelagert. Am 17. August hätten die Verdächtigen ein Ferienhaus im Sauerland angemietet. Dort wollten die potenziellen Attentäter mit der Chemikalie experimentieren und dann mit dem Bombenbau beginnen.

Für die Bevölkerung hätte dennoch zu keiner Zeit eine Gefährdung bestanden, weil es der Polizei gelungen war, das Wasserstoffperoxid mit einer niedriger konzentrierten Lösung auszutauschen - ohne dass die Verdächtigen es bemerkten. Aus der Menge Wasserstoffperoxid hätten Bomben gebaut werden können, die den Effekt von 550 Kilogramm TNT gehabt hätten, so Harms. Den Ermittlern zufolge wurde ähnlicher Sprengstoff auch bei den Anschlägen in London im Jahr 2005 verwendet.

Schießerei bei Festnahme

Der Zugriff durch die Spezialeinheit GSG9 erfolgte dann, nachdem die Männer begannen die Chemikalien aus dem Lager im Schwarzwald zur Wohnung im Sauerland zu verlagern. Außerdem hatten sie sich Zünder und andere elektrische Bauteile wie Kabel besorgt. Offenbar sollte schon dienstags mit dem Bau des Sprengsatzes begonnen werden. Bei der Festnahme in Medebach-Oberschledorn im Hochsauerland kam es dann zu einer Panne.

Einer der Männer habe einem Beamten des Bundeskriminalamtes eine Waffe aus dem Holster ziehen können, bestätigte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke. Aus der Waffe habe sich ein Schuss gelöst. Der Verdächtige und der Polizist seien leicht verletzt worden. Laut Ziercke wurden zwei Männer durch GSG 9-Beamte festgenommen, der dritte konnte durch ein Fenster flüchten und wurde nach 300 Metern gestoppt. Über den genauen Ablauf des Kampfes gebe es widersprüchliche Aussagen, sagte der Behördenpräsident. Nach Angaben von Bundesanwalt Rainer Griesbaum gingen die drei Tatverdächtigen zuletzt keiner geregelten Arbeit nach. Sie hätten lediglich Aushilfstätigkeiten gemacht oder Arbeitslosengeld II bezogen.

Bundesweite Durchsuchungen

Nach den Festnahmen seien insgesamt 41 Objekte in mehreren Bundesländern - unter anderem Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Niedersachsen - durchsucht worden, so Ziercke. Dabei seien Unterlagen, Computer und Bargeld sichergestellt worden. Er sprach in diesem Zusammenhang, der in dieser Dimension in der Geschichte des Bundeskriminalamtes noch nicht stattgefunden habe. Fast 300 Beamte seien über sechs Monate Tag und Nacht im Einsatz gewesen. Das Bundeskriminalamt hatte monatelang mit mehreren Landeskriminalämtern und der Bundesanwaltschaft ermittelt.

Nach Angaben der Ermittler hat die Dschihad-Union enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Kaida. Eine Verbindung zu den am Dienstag im Großraum Kopenhagen festgenommenen Terrorverdächtigen liege nicht vor.

stern.de mit AP/DPA/Reuters / DPA / Reuters