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V-Mann vor Gericht: Innenministerium verweigert Unterlagen

Das rheinland-pfälzische Innenministerium verweigert Informationen über einen V-Mann, der jahrelang die Islamisten-Szene für die Polizei bespitzelt hat. Jetzt steht der Mann wegen Mordes vor Gericht.

Unterlagen über den 40-jährigen Deutsch-Iraker und seine kriminelle Vergangenheit seien vom Ministerium gesperrt worden, berichtet der stern in seiner neuen Ausgabe. In dem am 10. November beginnenden Prozess vor dem Landgericht Frankenthal geht es um die Ermordung von drei georgischen Autohändlern im Januar dieses Jahres.

Talib O. gilt als einer der zentralen Informanten, die deutsche Behörden mit Erkenntnissen aus der Islamisten- und Terrorszene versorgt haben. Er hat offenbar auch Informationen über die "Sauerland-Gruppe" um den Ulmer Konvertiten Fritz Gelowicz geliefert. Die Gruppe hat laut Anklage der Bundesanwaltschaft verheerende Anschläge in Deutschland geplant und steht im nächsten Jahr vor Gericht.

Talib O. war bereits wegen Raub- und Gewaltdelikten polizeilich aufgefallen, als er vom Landeskriminalamt Mainz ab Ende 2003 als V-Mann für die Islamistenszene beschäftigt wurde. Bei seiner ersten Anwerbung im Dezember 2001 durch das Polizeipräsidium in Ludwigshafen war in Behördenakten als bisherige Erkenntnisse über ihn notiert worden: "Dieb, Räuber, Gewaltdelikte, Körperverletzung". In seiner Zeit als V-Mann liefen gegen ihn nach stern-Recherchen mindestens drei Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen Körperverletzung. Zudem soll der spielsüchtige und hoch verschuldete Deutsch-Iraker als Schleuser tätig gewesen sein und mit gefälschten Pässen gehandelt haben.

Als im Zusammenhang mit dem Georgier-Mord Kripo-Ermittler, das Landgericht Frankenthal und der Verteidiger des mitangeklagten Somaliers Einblick in die V-Mann-Akte von Talib O. haben wollten, ließ das rheinland-pfälzische Innenministerium die Unterlagen sperren. Als Begründung wurde auch auf die Terroranschläge von New York, Madrid und London sowie auf die zentrale Rolle verdeckter Ermittlungen bei der Terrorbekämpfung verwiesen. Auch das Landeskriminalamt Mainz hat zahlreiche Fragen von Mordermittlern zu Talib O. abgeblockt.

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