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Spion in der linken Szene: Peinlicher Fehler: Verfassungsschutz enttarnt versehentlich eigenen V-Mann

Die Enttarnung eines V-Mannes des Verfassungsschutzes, der als Student an der Universität Göttingen die linke Szene ausspionieren sollte, sorgt für Wirbel. Denn dem Nachrichtendienst ist offenbar ein peinliches Versehen unterlaufen.

Niedersachsen, Hannover: Das Gebäude des Niedersächsischen Verfassungsschutzes

Niedersachsen, Hannover: Das Gebäude des Niedersächsischen Verfassungsschutzes

DPA

Der niedersächsische Verfassungsschutz ist in Erklärungsnöte geraten. Die Identität eines V-Manns in der linken Szene in Göttingen ist aufgedeckt worden - offenbar durch einen Fehler des Nachrichtendienstes selbst. Wie die "Tageszeitung" berichtet, wurden im Zuge eines Auskunftsersuchens versehentlich Dokumente mit "vertraulichen Informationen" herausgegeben, die der Öffentlichkeit normalerweise vorenthalten werden. Dies teilte die ausspionierte Vereinigung "Basisdemokratische Linke" mit. Durch diese Unterlagen sei es der Gruppierung möglich gewesen, den Vertrauensmann zu identifizieren. Die entsprechenden Stellen sind in den Dokumenten offenbar einfach nicht geschwärzt worden.

Der NDR berichtet unter Berufung auf Mitglieder der linken Szene, dass der Mann, der unter seinem Klarnamen agiert hat, sich vor allem auf den politischen Feldern des Antifaschismus und der Hochschulpolitik betätigt hat. 2016 soll er über einen öffentlichen Einstiegsabend der "Basisdemokratischen Linken" beigetreten sein. "Während dieser Zeit nahm er sowohl an antifaschistischen Gegenprotesten als auch an bundesweiten Treffen teil", teilte die Gruppierung der "Tageszeitung" mit. In Diskussionen habe er allerdings "so gut wie nie Stellung" bezogen, stattdessen habe er häufig "Strukturaufgaben" übernommen.

Muss der V-Mann ins Zeugenschutzprogramm?

Die linke Szene in Göttingen feiert die Enttarnung des V-Mannes als Erfolg. Allerdings habe der Mann "zwei Jahre lang linke Aktivist*innen ausgeforscht", beklagt die "Basisdemokratische Linke Göttingen" in einer Presseerklärung. Zudem habe der Mann "zwei Jahre lang in unseren privatesten und persönlichsten Bereichen herumgeschnüffelt". Antifaschistisches und politisches Verhalten sei beim Verfassungsschutz akribisch gesammelt worden, "um im weiteren Verlauf unser Engagement zu kriminalisieren", beschwert sich die Gruppierung. 

Die Konsequenzen der Enttarnung dürfte der Spion des Verfassungsschutzes vor allem selbst tragen. Neben zahlreichen anderen Details aus seinem Leben sei auch seine private Wohnanschrift veröffentlicht worden war, berichtet der NDR. Die Polizei arbeite derzeit an einer Gefahrenanalyse. Im schlimmsten Fall droht dem jungen Mann die Aufnahme in ein polizeiliches Zeugenschutzprogramm. Das würde für ihn eine neue Identität, den Wechsel des Wohnsitzes und den Abbruch seiner bisherigen Kontakte bedeuten. 

Hans-Georg Maaßen
ivi