Vogelgrippe Ringstorff räumt Fehler ein


Das Krisenmanagement der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern steht in der Kritik. Zu langsam und unüberlegt habe sie auf die Vogelgrippe-Fälle reagiert. Nun räumt Ministerpräsident Harald Ringstorff die Versäumnisse ein und gelobt Besserung.

Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, hat Fehler beim Kampf gegen die Vogelgrippe eingeräumt. Im Landkreis Rügen habe es Anlaufschwierigkeiten gegeben, sagte der SPD-Politiker in Schwerin. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sei dafür aber nicht verantwortlich und habe die volle Unterstützung der gesamten Landesregierung.

Die FDP-Bundestagsfraktion kritisierte, dass Ringstorff erst zu Wochenbeginn aus dem Urlaub zurückgekehrt sei. Ringstorff sagte, dass der "schnelle und überlegte" Umgang mit der Krise in zwei weiteren betroffenen Landkreisen zeige, dass sich "die Fehler der ersten Tage nicht wiederholen werden".

Der Ministerpräsident räumte ein, dass Einbußen für Geflügelhalter und den Tourismus zu befürchten seien. Es gebe aber keinen Grund, keinen Urlaub auf Rügen zu machen. Es sei "äußerst unwahrscheinlich", dass sich die Seuche auf den Menschen ausbreite.

Backhaus sagte, das Risiko der Ausbreitung der Seuche steige durch den bevorstehenden Vogelzug und mögliches Tauwetter. Einerseits würden auf Rügen in den kommenden Wochen bis zu einer Million Zugvögel erwartet. Andererseits würden sich derzeit auf Rügen lebenden Wasservögel ins Binnenland zurückziehen, sobald dort die Seen vom Eis befreit sind. Deshalb sei es umso wichtiger, möglichst schnell alle kranken und toten Vögel auf und vor Rügen zu bergen. Der Minister zeigte sich aber optimistisch, dass dies den Helfern vor Ort nach und nach gelingen werde.

Die Zahl der infizierten toten Vögel, die auf Rügen gefunden wurden, stieg unterdessen auf 101. Hinzu kommen zwei positiv getestete Kadaver aus den Landkreisen Nordvorpommern und Ostvorpommern. In allen drei Landkreisen gilt seit Montag Katastrophenalarm. Die Seuchenschutzkontrollen auf den Straßenzugängen zur Insel wurden unterdessen gelockert. Deshalb kam es am Dienstag kaum noch zu Staus.

Angesichts der zunehmenden Fälle von Vogelgrippe verstärken die Länder ihre Vorbereitungen für den Ernstfall. Nach Sachsen kündigten auch Bayern und Hessen an, ihre Medikamenten-Vorräte aufzustocken, um im Falle eines Übergreifens der Tierseuche gewappnet zu sein. In Hessen, wo bislang Mittel für die Versorgung von 15 Prozent der Bevölkerung zur Verfügung standen, sollen die Vorräte auf 30 Prozent ausgedehnt werden.

Sachsen erhöhte seinen Etat von vier auf insgesamt zwölf Millionen, um im Ernstfall ein Fünftel der Bevölkerung mit antiviralen Grippemitteln versorgen zu können, Bayern will auf 20 Prozent aufstocken. Auch in Schleswig-Holstein, wo derzeit Dosen für rund 6,25 Prozent der Bevölkerung bevorratet sind, sollen die Vorräte nach Willen der Landesregierung aufgestockt werden. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und das Robert-Koch-Institut hatten den Ländern einen 20-Prozent-Vorrat empfohlen.

DPA/AP AP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker