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Vor dem FDP-Parteitag Auf der Suche nach einem neuen Frauenbild


Einst prägten Frauen die Liberalen. In der Sexismus-Debatte hat sich die FDP anno 2013 nicht eben als Frauenversteher-Partei positioniert. FDP-Politikerinnen fordern jetzt eine Trendwende.

In der Debatte um die Sexismus-Vorwürfe gegen Rainer Brüderle hatte sich die FDP demonstrativ hinter ihren Spitzenkandidaten gestellt. Im Vorwege des Parteitags nimmt das Thema langsam wieder Fahrt auf. Brüderle hatte die stern-Journalistin Laura Himmelreich mit angeblich anzüglichen Bemerkungen bedrängt. Es folgte eine bundesweite Diskussion, in der es um den allgemeinen Sexismus geht.

Am Wochenende nun tagt der FDP-Bundesparteitag in Berlin und die Vorsitzende der Liberalen Frauen, Doris Buchholz, schlägt den thematischen Bogen und fordert eine größere Rolle für Frauen in der FDP. "Frauen sind in der FDP noch immer unterrepräsentiert", sagte sie gegenüber der Tageszeitung "Die Welt". Die FDP-Politikerin Buchholz kritisierte, dass auf den Landeslisten für die bevorstehende Bundestagswahl nur wenige Frauen einen aussichtsreichen Listenplatz hätten.

Qualifikation nicht das Kriterium für den Aufstieg

Die FDP-Bundestagsabgeordnete und Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, forderte, die FDP müsse wieder signalisieren: "Frauen und ihre Interessen sind uns wichtig." Weiter kritisierte Dyckmans, die Themen der FDP hätten sich in den vergangenen Jahren zu sehr auf Wirtschaft und Steuern verengt. Das habe Frauen nicht angesprochen, und es gebe auch kaum noch Persönlichkeiten, mit denen sie sich identifizieren könnten. Als sie in die FDP eingetreten sei, sei diese die Partei für Frauen gewesen. Themen wie Scheidungsrecht, Ostpolitik, Friedenspolitik und der Paragraph 218 seien vielen Frauen wichtig gewesen. Liberale Politikerinnen wie Liselotte Funcke und Hildegard Hamm-Brücher hätten der Partei ein weibliches Gesicht gegeben.

"Frauen bläst in der FDP ein kalter Wind entgegen", beklagte Buchholz weiter. Immer wieder müssten Frauen feststellen, dass Qualifikation nicht das Kriterium für den Aufstieg in der Partei sei. Mehrheiten bekämen diejenigen, "die in einem großen Ortsverband oder auf Kreis- und Bezirksebene in einer Führungsposition sind - und das sind fast ausschließlich Männer".

Herabwürdigung einer wichtigen Debatte

Derweil geht auch der Debattenausläufer um Joachim Gauck weiter. Der Bundespräsident hatte die Seximus-Debatte in Teilen als "Tugendfuror" bezeichnet. Die Initiatorin des Hashtags #aufschrei, Anne Wizorek, kritisierte Gauck jetzt im ZDF-Morgenmagazin: "Er bagatellisiert hier etwas, das ernst zu nehmen ist", so Wizorek.

Gauck würde stets das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern fordern - gerade das sei unter #aufschrei passiert, sagte Wizorek. "Wenn er (...) eine solch wichtige Debatte herabwürdigt und als Medien-Hype abtut, dann sendet er einfach ein gefährliches Signal."

Bereits am Mittwoch hatten sich junge Frauen in einem offenen Brief an Gauck gewandt: Durch die Verwendung des Wortes "Tugendfuror" bringe er erniedrigende, verletzende oder traumatisierende Erlebnisse in Verbindung mit dem abwertend verwendeten Begriff "Furie".

ins/DPA/AFP DPA

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