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Wahl zur CSU-Bezirksvorsitzenden Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner punktet auf ganzer Linie


Mit 99,7 Prozent hat die CSU in Oberbayern Ilse Aigner zur Bezirksvorsitzenden gewählt. Parteichef Seehofer passt der Erfolg der Landwirtschaftsministerin in der heißen Phase des Wahlkampfs ganz gut.

Eine Umarmung vom Vorsitzenden für "die Ilse" gab es schon bei der Begrüßung vor der Stadthalle. Und als Horst Seehofer Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner nach ihrem 99,7-Prozent-Ergebnis zur oberbayerischen CSU-Bezirkschefin gratulierte, gab es auch noch ein Küsschen. Seehofer schätzt die 48-Jährige, die er überall nur noch mit Vornamen anredet. Er holt sie nach der Wahl im September in die Landespolitik zurück. Ohne konkret zu werden, wies Seehofer Aigner in seiner Rede am Samstag beim CSU-Bezirksparteitag in Germering bei München schon einmal eine herausragende Position nach einer gewonnenen Wahl zu.

Seehofer hatte sich vor der Wiederwahl Aigners als Chefin des mächtigen CSU-Bezirksverbandes für seine Hoffnungsträgerin in die Bresche geschlagen. Persönlich trat er ans Rednerpult und warb für die Oberbayerin. "Ich bitte um einen starken Vertrauensbeweis", umgarnte er die 330 Delegierten. Es fruchtete: Minutenlanger Applaus, als Landtagsvizepräsident Reinhold Bocklet verkündete, dass bei 325 Ja-Stimmen nur ein einziger Delegierter gegen Aigner votiert hatte.

Zuvor war der Rechenschaftsbericht der alten und neuen Bezirkschefin in der wohltemperierten Stadthalle recht unspektakulär ausgefallen. Zwar hämmerte Aigner ihren Zuhörern erst selbstbewusst ein, dass die CSU Oberbayern "die Lokomotive für ganz Bayern" sei. Der Bezirksverband habe ein Spitzenpersonal anzubieten. Aber demütig fügte sie hinzu: "Wir wissen, dass wir der mitgliederstärkste Verband sind, aber wir wissen auch, dass wir die Wahl nur gemeinsam gewinnen können."

Seehofer warnt das Parteivolk vor Übermut

Auch Aigners mehrfache Kritik an Grünen und SPD riss die Delegierten nicht von den Sitzen. Rhythmischer Beifall kam nur auf, als sie Seehofer zurief, alles für seine Wiederwahl als Ministerpräsident zu tun. Der CSU-Chef selbst verzichtete in seiner knapp halbstündigen Rede weitgehend auf Attacken gegen die Opposition. Nur die SPD bekam ein wenig Fett weg: "Schwach wie nie zuvor" seien die Sozialdemokraten. Außer Diffamieren und Schwachreden des Landes sei nichts von ihnen zu hören. Stattdessen warnte er das Parteivolk vor Übermut, auch wenn die CSU in ihrem oberbayerischen Kernland wieder eine "problemfreie Zone" sei.

Am Abend des 15. September wird Seehofer freilich ganz genau auf Oberbayern schauen. Bei der Wahl 2008 hatte die Partei dort das historisch schlechteste Ergebnis von 39,3 Prozent hinnehmen müssen - die Landeshauptstadt München eingerechnet. Auch wenn Aigner sich offiziell nicht auf eine Prognose einlassen will: Zumindest ein deutlich besseres Ergebnis als vor fünf Jahren wird die CSU-Strahlefrau für ihren Parteibezirk einfahren müssen, wenn sie nach einem Wahlsieg bei der Postenvergabe ganz vorne dabei sein will. Ein Schlüsselressort im neuen Kabinett Seehofer oder der CSU-Fraktionsvorsitz im Landtag - das sind zwei häufig genannte Optionen für Aigner.

Paul Winterer, DPA DPA

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