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Wahlergebnisse: In diesem Wahlkreis drifteten die unzufriedenen Wähler nicht nach rechts

Die AfD konnte nicht überall fünf Prozent erreichen. Die Linke zeigte außerdem, dass unzufriedene Wähler nicht unbedingt nach rechts driften müssen. Bei der Bundestagswahl 2017 gab es in einigen Wahlkreisen bemerkenswerte Ergebnisse - der stern hat genauer drauf geschaut.

Bundestagswahl 2017 - Wahlergebnis - Zufriedenheit - Opinary

In Leipzig zeigten die Wähler, dass man nicht rechts wählen muss, wenn man mit der CDU unzufrieden ist.

Die Grünen haben wie bei den letzten Wahlen ein einziges Direktmandat geholt: Kandidatin Canan Bayram schaffte es, in die Fußstapfen des scheidenden Urgesteins Hans-Christian Ströbele zu treten. Sie holte mit 26,3 Prozent die meisten im Wahlkreis Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg – Prenzlauer Berg Ost.

Dass unzufriedene Wähler nicht zwangsläufig nach rechts driften, hat Die Linke im Wahlkreis Leipzig II gezeigt. 2013 ging der Wahlkreis noch klar und komplett an die CDU (Erststimmen 34,3 Prozent, Zweitstimmen 32,6 Prozent). Nun, 2017, bekam der Linken-Kandidat Sören Pellmann mit 25,3 Prozent die meisten Erststimmen, mit 22,5 Prozent gingen auch die meisten Zweitstimmen an seine Partei. Bemerkenswert außerdem: In der neuen -Hochburg Sachsen holte die AfD in Leipzig II "nur" 15 Prozent der Erststimmen und 16 Prozent der Zweitstimmen.

Die FDP gewann als einzige der künftigen Bundestagsparteien keinen per Direktmandat.

Es gibt genau einen Wahlkreis in Deutschland, in dem die AfD die Fünf-Prozent-Hürde nicht schaffte: Münster. In der Stadt des Westfälischen Friedens kamen die Rechtspopulisten nur auf 4,9 Prozent.

hat ihren Wahlkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge mit 37,4 Prozent gewonnen. Damit wurde die AfD-Kandidatin direkt ins neue Parlament gewählt. Sie hat allerdings am Tag nach der Wahl angekündigt, dass sie der Fraktion nicht angehören, sondern als freie Abgeordnete im Parlament sitzen möchte. Petrys Wahlkreis war einer von dreien, die direkt an die Kandidaten der Rechtspopulisten gingen. Ihr Ehemann Marcus Pretzell, Chef der Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, ist in seinem Stammwahlkreis Recklinghausen II übrigens nicht als Kandidat angetreten.

und CSU mussten vor allem in ihren (einstigen) Hochburgen Bayern und Sachsen herbe Verluste hinnehmen. Die CSU gewann zwar alle Wahlkreise, war aber bei weitem nicht so dominant wie 2013. In Nürnberg-Nord holten die Christsozialen etwa nur 27,6 Prozent der Zweitstimmen, schlechter schnitten sie nirgendwo ab. Auch in drei Münchner Wahlkreisen rutschen sie unter die 30-Prozent-Marke. 2013 lag sie in ganz Bayern darüber.

So schnitten ausgewählte Regierungsmitglieder als Direktkandidaten ab

Angela Merkel hat ihren Wahlkreis Vorpommern-Rügen/Greifswald I wie bereits 2013 gewonnen, musste aber auch im Nordosten herbe Verluste verkraften. Sie holte 44 Prozent der Erststimmen, vor vier Jahren waren es noch 56,2 Prozent. Zweite Kraft wurde recht deutlich die AfD, die bei den Erst- und auch Zweitstimmen mehr als 19 Prozent bekam.

Wolfgang Schäuble holte in seinem Wahlkreis Offenburg in Baden-Württemberg 48,1 Prozent der Erststimmen - klarer Sieg für den Finanzminister.

Thomas de Maiziere gewann seinen Wahlkreis zwar nach Erststimmen, lag aber mit 36,7 Prozent nur 5,7 Prozent vor dem AfD-Kandidaten. 2013 hatte der Innenminister noch 53,6 Prozent bekommen. Nach Zweitstimmen ging der Wahlkreis an die AfD, sie holten 32,9 Prozent. Die CDU holte 26,1 Prozent.

Ursula von der Leyen - die Verteidigungsministerin musste in Stadt Hannover II eine Schlappe hinnehmen. Die SPD hat den Wahlkreis nach Erst- und Zweitstimmen gewonnen. Direktkandidatin Yasmin Fahimi, Staatssekretärin im Arbeitsministerium, holte 33,7 Prozent, ließ damit von der Leyen, die 28,9 Prozent holte, klar hinter sich. Gut für die Ministerin: Sie hat einen vorderen Listenplatz.

Außenminister Sigmar Gabriel holte in Salzgitter Wolfenbüttel 42,8 Prozent der Erststimmen, die SPD gewann 32,4 Prozent der Zweitstimmen.

In Saarlouis hat Kanzleramtsminister Peter Altmaier (38 Prozent) erneut gegen Justizminister Heiko Maas (32,1 Prozent) gewonnen.

Alle Ergebnisse aus den Wahlkreisen finden sie in der interaktiven stern-Infografik: 

 

 

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