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Wehrbeauftragter Königshaus: Für den politischen Nahkampf nicht geeignet

Das soll der FDP-Politiker sein, der die Gorch Fock versenkt hat und Verteidigungsminister zu Guttenberg in Schwierigkeiten bringt? Eine Beobachtung des Wehrbeauftragten Hellmut Königshaus.

Von Hans Peter Schütz

Im Normalfall hätte die Bundestags-Drucksache 17/4400 vielleicht ein Dutzend Journalisten und drei, vier Fotografen interessiert. An diesem Dienstag jedoch drängeln sich um die Kiste, in der sie in Berlin feilgeboten wird, zahllose Interessenten. Die Angst treibt sie an, man könne leer ausgehen. Viele grabschen gleich zwei Papierchen. Könnte ja eine politische Sensation drinstehen.

Welch ein Gegenbild zur allgemeinen Aufregung bietet wenige Minuten danach der Mann, der die Drucksache 17/4400 hat schreiben lassen. Hält sein Exemplar mit aufgedrucktem Bundesadler brav in die Kameras. Mehr nach rechts, rufen die Fotografen. Brav dreht sich Hellmut Königshaus nach rechts, ein schmales Lächeln um den schmalen Mund. Eine der Erkenntnisse, die er im 52. Jahresbericht des Wehrbeauftragten des Bundestags serviert, formuliert er so: "Bei der Kinderbetreuung ist die Bundeswehr besonders nachteilig aufgestellt."

"Ich habe nichts festgestellt"

Kein Satz im Bericht, kein Wort aus dem Mund des Wehrbeauftragten, zu den Gerüchten, auf dem Marine-Schulschiff Gorch Fock habe die Stammbesatzung den Nachwuchs drangsaliert. Hätten die Zöglinge die Kotzbrocken der Offiziere aufwischen müssen. Seien die Ausbilder volltrunken durch die Schlafräume getaumelt. Sei es bei Sexspielen mindestens ebenso derb zur Sache gegangen wie beim Segelsetzen. Und all dem habe der Kapitän quasi vom Sonnendeck aus in der Badehose zugesehen.

Nichts von all dem lässt Königshaus, schließlich im früheren Leben vor der Politik einmal Richter, gelten. Er lege hier den Bericht über das Jahr 2010 vor und was da alles im Jahr 2011 bisher gedruckt werde, sagt er, müsse er erst noch prüfen. Hierfür brauche er Informationen und Zeit. So verhallt auch die scharfe Frage, ob es sich denn bei der Gorch Fock um das "größte Puff" der Marine gehandelt habe. Die nüchterne Antwort: "Ich habe bis jetzt keine derartigen Dinge feststellen können, weder auf der Gorch Fock noch sonst wo."

Acht "unbeabsichtigte Schussabgaben"

Nicht dass dieser Mann weltfremd daher käme. Er räumt ein, dass bei 250.000 Soldaten nicht zu verhindern sei, dass der eine oder andere auf dumme Gedanken komme. Immerhin sei es in acht Fällen zu "unbeabsichtigten Schussabgaben gekommen". Gravierende sexuelle Übergriffe sind Königshaus allerdings nur in drei Fällen gemeldet worden. Mal soll ein weiblicher Stabsoffizier von einem Soldaten in den Schwitzkasten genommen und mit dem Kopf in Richtung seiner Genitalien gedrückt worden sein. In einem anderen Fall unzüchtiger Annäherung machte ein Soldat eine Kollegin mit dem Satz an: "Haben Sie heute schon eine Po-Klatsche mit Anlauf bekommen?" Wohlgemerkt: Nichts davon geschah auf der Gorch Fock.

Das ist die grundsätzliche Informationslinie dieses Mannes: Nichts Genaues weiß man bisher von der Gorch Fock. Was er grundsätzlich akzeptiert: dass so ein Schiff eine Welt für sich ist, "auf dem das Prinzip der Inneren Führung besondere Probleme hat".

Die FDP-Gretchenfrage

Natürlich kommt bei dieser Debatte in der Berliner Bundespressekonferenz auch eine Frage auf, die weniger mit der Bundeswehr als mit Königshaus selbst zu tun hat. "Sind Sie, Herr Königshaus, denn die Speerspitze der FDP gegen Verteidigungsminister zu Guttenberg?" Seine Lippen schließen sich zum dünnen Strich: "Das ist geradezu absurd."

Es ließe sich darauf wetten, dass diese Aussage die nackte Wahrheit ist. Dieser Mann wird politische Nähe zum CSU-Star nicht suchen. Aber sich genau so wenig auf den politischen Nahkampf mit Guttenberg im Interesse der Liberalen einlassen. Königshaus nimmt sein Mandat als "Anwalt der Soldaten" aufmerksam und mit juristischer Präzision wahr. Sein Amtsverständnis hat er jetzt noch einmal bekräftigt: "Der Schutz der Grundrechte der Soldaten ist meine Aufgabe."

Spürsinn eines Staatsanwalts

Königshaus, der ja nicht allererste Wahl bei der Besetzung des Amts des Wehrbeautragten war, <linextern adr="http://www.bundestag.de/bundestag/abgeordnete17/biografien/K/koenigshaus_hellmut.html">kennt die Bundeswehr als ehemaliger ZeitsoldatNervensäge

  • Hans Peter Schütz