Wirtschaftskrise Deutsche misstrauen der Regierung


Können Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier die Wirtschaftskrise meistern? Haben sie die richtigen Rezepte? Fast zwei Drittel der Deutschen sind skeptisch. Das belegt die Forsa-Umfrage im Auftrag des stern. Könnten die Bürger jetzt wählen, würden CDU und FDP die Mehrheit bekommen.

Die große Mehrheit der Bundesbürger traut der Großen Koalition nicht zu, die richtigen Mittel gegen die Wirtschaftskrise zu finden. In der Forsa-Umfrage des stern erklärten fast zwei Drittel (63 Prozent) der Befragten, sie glaubten nicht, dass die Koalition die passenden Rezepte zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise findet. Ein Drittel (32 Prozent) ist positiv eingestellt und meint, die Rezepte der Regierung würden taugen. Fünf Prozent antworteten mit "weiß nicht".

Im Interview mit stern.de, begründete Forsa-Chef Manfred Güllner die Skepsis der Bürger damit, dass sie staatliche Bürokratie prinzipiell kritisch sähen. Güllner: "Es ist ein generelles Misstrauen gegenüber dem, was in der Großen Koalition bisher gemacht worden ist. Viel Gutes hat sie ja nach Einschätzung der Menschen bisher nicht zustande gebracht. Deswegen ist da ein generelles Misstrauen."

Gleichwohl gehen die Menschen relativ gelassen in das neue Jahr. Rechneten vor Weihnachten noch 57 Prozent der Befragten damit, dass sich die wirtschaftliche Lage verschlechtern wird, so sind es jetzt nur noch 47 Prozent. Ein Anteil von 30 Prozent glaubt, dass sich nichts ändern wird, 20 Prozent sind der Meinung, dass sich die Lage sogar verbessern wird. Manfred Güllner zufolge sind diese Daten auch der typischen Stimmung zu Weihnachten und Silvester geschuldet. "Das hängt ein bisschen damit zusammen, dass man zu Jahresbeginn noch große Hoffnungen hat. Die will man sich durch eigenen Pessimismus nicht zerstören lassen", sagt Güllner.

Die Fachleute, die bis weit in den Herbst 2008 noch meinten, die Krise zöge an Deutschland vorbei und nun die Aussichten umso schwärzer malen, haben durch die Ereignisse offenkundig an Glaubwürdigkeit verloren. "Die Menschen haben vor einem Jahr nicht den Optimisten geglaubt und jetzt glauben sie nicht den Pessimisten. Das heißt: Sie glauben den vielen selbsternannten Experten, die so was vor sich hinträllern, nicht", sagt Güllner. Die Bürger würden sich ihre eigene Meinung bilden.

Schwarz-Gelb vorn

Wären jetzt Wahlen, würden CDU und FDP gemeinsam 50 Prozent bekommen, hätten also die Mehrheit sicher in der Tasche. Die CDU würde, wie in der letzten Umfrage vergangenen Jahres, 37 Prozent der Stimmen bekommen. Die FDP kann einen Prozentpunkt dazu gewinnen und liegt jetzt bei 13 Prozent. Die Grünen liegen unverändert bei 10 Prozent, die Linkspartei büßt einen Prozentpunkt ein und käme auf 11 Prozent. Auch die SPD schwächelt weiter: Sie verliert nach der Forsa-Umfrage einen Prozentpunkt und steht nun bei 23 Prozent.

Die schlechten Werte für die SPD sind nach Ansicht von Forsa-Chef Güllner ein Zeichen, dass die Krise der Partei noch nicht beendet ist. Im stern.de-Interview im "Café Einstein" weist er darauf hin, dass die Partei vor einem Jahr, Anfang 2008, noch bei 27 Prozent gelegen habe. Der Rücktritt von Parteichef Kurt Beck sei zwar "gut und richtig" gewesen, aber seine Person sei nicht die Ursache der Krise gewesen.

uj/lk/mw

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