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Europa-Vergleich: Der große Unterschied

Der Europa-Atlas der Ungleichheit zeigt: Sogar einige Regionen in Polen und Tschechien haben Ostdeutschland überholt.

Gleichwertige Lebensverhältnisse in Ost und West? Bundespräsident Horst Köhler glaubt nicht, dass das in Deutschland so schnell möglich sein wird. Aber auch ganz Europa ist weit davon entfernt - und die Demarkationslinie zwischen dem reichen EU-Westen und dem armen EU-Osten zieht sich quer durch Deutschland.

Das zeigt sich, wenn man 249 Regionen der EU nach Arbeitslosenquote und Wirtschaftsleistung vergleicht: In beiden Bereichen liegt Ostdeutschland auch 15 Jahre nach dem Mauerfall weit hinten - Regionen in Tschechien und Polen ähnlicher als denen in der westlichen Hälfte Deutschlands.

Gespalten wie kaum ein anderes europäisches Land

Wirtschaftlich ist Deutschland so gespalten wie kaum ein zweites europäisches Land. Anders Frankreich: Es bietet seinen Bürgern in allen Regionen einigermaßen gleichwertige Lebensverhältnisse. Einzig Italien ist von einer ähnlichen Kluft wie Deutschland gezeichnet - zwischen den schwerreichen Industriezentren um Mailand und Turin im Norden und dem siechen Mezzogiorno im Süden. Ostdeutschland und Italiens Süden haben noch etwas gemeinsam: In beiden Großregionen entwickelte sich die Wirtschaft in den vergangenen Jahren maximal im Geleitzug des EU-Durchschnitts - weshalb deren Bewohner auch im Wohlstandsrennen nicht aufholten.

Wohlstand in Europa

Die "Armenhäuser" im Süden holen auf

Ganz anders die einstigen Armenhäuser Spanien, Portugal und Griechenland. Dort, im ehemals belächelten "Club Med" der EU, wuchs die Wirtschaftsleistung schneller als im EU-Durchschnitt. Folge: Die Südländer erhielten Anschluss an die Entwicklung in der traditionellen Wohlstandszone, die von London über die Rheinschiene bis nach Oberitalien reicht, die so genannte Banane. Madrid ist pro Einwohner bereits ökonomisch produktiver als Köln, das spanische Baskenland produktiver als der Regierungsbezirk Tübingen.

Konkurrenz aus dem Osten

Sogar einige Regionen in den osteuropäischen Beitrittsländern sind so rasch gewachsen, dass sie ostdeutsche Nachzügler überholt haben. In den Großräumen Prag (Tschechien) und Bratislava (Slowakei) ist die Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung deutlich höher als in Berlin. In Slowenien brummt es mehr als in Thüringen. Und die zentralpolnische Region Mazowieckie (Großraum Warschau) ist jetzt schon stärker als Dessau und Nordost-Brandenburg.

Arbeitslosigkeit in Europa

Hans-Martin Tillack / print