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Flüchtlingskrise: Macht Europas Grenzen auf!

Europa ist auf dem besten Wege, sich selbst zu verlieren. Es tritt seine eigenen Werte mit Füßen, wenn es versucht, sich abzuschotten.

Ein Kommentar von Larissa Schwedes

Ungarn baut einen kilometerlangen Stacheldrahtzaun, um Flüchtlinge an der serbischen Grenze abzuhalten.

Ungarn baut einen kilometerlangen Stacheldrahtzaun, um Flüchtlinge an der serbischen Grenze abzuhalten.

Endstation: Hegyeshalom, Ungarn. So hatten sich das die Flüchtlinge nicht vorgestellt, als sie in den Zug nach Wien stiegen. Seit Donnerstagmittag hat Österreich den Bahnverkehr mit Ungarn eingestellt. Auch Dänemark versuchte sich zu verbarrikadieren: Am Mittwoch stoppte die Regierung Züge aus Deutschland. Der Norden macht dicht. Und Ungarn zieht einen mit Stacheldraht bewehrten Zaun an der Grenze zu Serbien hoch. Festung Europa.

Das kindische Prinzip dahinter lautet: Was wir nicht sehen, existiert auch nicht. Kommen keine Flüchtlinge rein, sind auch keine da. Was für ein Nonsens.

Zahlreiche Flüchtlinge laufen am 09.09.2015 bei Kliplev über die Fahrbahn der dänischen Autobahn E 45 in Richtung Norden. Die Flüchtlinge wollen sich nicht in Dänemark registrieren lassen, sondern zu Fuß weiter nach Schweden reisen

Ein Gebot der Menschlichkeit

Freiheit heißt die Grundsatzidee des vereinten Europas. Wenn wir es ernst damit meinen, müssen die Grenzen fallen. Innen und außen. Dann müssen Menschen, die der Kampf ums Überleben zu uns treibt, willkommen sein.

Es gibt ohnehin keine Alternative. Die Bilder des Massenmarsches vom Budapester Keleti-Bahnhof nach Westen zeigen: Die Abschottungsstrategie funktioniert nicht. Wer die lebensgefährliche Flucht aus Syrien oder dem Irak bewältigt hat, lässt sich nicht von ein paar Rollen Stacheldraht, unbeweglichen Zügen oder grimmigen Grenzern aufhalten.

Das Geld, das die EU für Außensicherung seiner Grenzen ausgibt, ist verplempert. Gut 114 Millionen Euro Budget hat die EU-Grenzschutzagentur Frontex 2015. Wie viele Unterkünfte, Betten, Decken könnten damit bezahlt werden?

Höchste Zeit für eine Quote

Jean-Claude Juncker hat nun vorgeschlagen, 160.000 Flüchtlinge auf die EU-Staaten zu verteilen. Das ist richtig und überfällig. Aber mit einer einmaligen Aktion ist es nicht getan. Eine langfristige Quote muss her, um die Verantwortung gleichmäßig auf allen Schultern zu verteilen.

Wie viele Boote müssen noch untergehen? Wie viele Kinder müssen noch an die Küsten gespült werden? Zwischen Deutschland und Dänemark rollen seit Donnerstagmorgen wieder Züge, die Grenze ist offen. So muss es sein und bleiben. Überall.