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Camp-David-Abkommen: Der "kalte Frieden"

Optimisten, die nach dem Abschluss des Camp-David-Abkommens vor 25 Jahren gedacht hatten, die Beziehungen zwischen Israel und der arabischen Welt würden sich normalisieren, wurden enttäuscht. Vertrauen herrscht bis heute nicht.

"Friede ist nicht die Abwesenheit von Krieg; Friede ist eine Tugend, eine Geisteshaltung, eine Neigung zu Güte, Vertrauen, Gerechtigkeit". So lautet ein berühmter Satz des niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza (1632-1677). Gemessen an diesem hohen Maßstab ist das Camp-David-Abkommen, das Israel und Ägypten vor 25 Jahren (am 26. März 1979) vor dem Weißen Haus in Washington unterzeichneten, nicht wirklich ein Friedensabkommen. Denn Vertrauen herrscht zwischen den einstigen Kriegsgegnern bis heute nicht.

Im Gegenteil: Die israelisch-ägyptischen Beziehungen sind seit dem Amtsantritt von Ministerpräsident Ariel Scharon 2001 so frostig wie schon lange nicht mehr. Ägyptische Studenten, Linke, Liberale und Islamisten fordern bei Demonstrationen immer wieder die Ausweisung des israelischen Botschafters in Kairo. Seit nunmehr dreieinhalb Jahren gibt es keinen ägyptischen Botschafter mehr in Tel Aviv.

Treffen zwischen Mubarak und Scharon mehrfach verschoben

Präsident Husni Mubarak hatte den Missionschef damals aus Protest gegen einen israelischen Luftangriff auf Gebäude der palästinensischen Autonomiebehörde in Gaza abgezogen. Eine Rückkehr ist derzeit nicht zu erwarten, obwohl die israelische Regierung seit langer Zeit darauf drängt. "Ägypten wird seinen Botschafter nur nach Israel zurückschicken, wenn mit Fortschritten im Friedensprozess (zwischen Israel und den Palästinensern) zu rechnen ist", erklärte Außenminister Ahmed Maher. Ein mehrfach angekündigtes Treffen zwischen Mubarak und Scharon wurde immer wieder verschoben. Und zu Israels Feierlichkeiten anlässlich des 25. Jahrestages wurde wegen der Tötung des Palästinenserführers Scheich Jassin eine Beteiligung abgesagt.

Ägypten erhielt durch das Camp-David-Abkommen die von Israel im Jom-Kippur-Krieg besetzte Sinai-Halbinsel zurück, doch ohne gleichzeitig auch konkrete Zusagen der Israelis für eine Rückgabe der seit 1967 besetzten syrischen und palästinensischen Gebiete zu bekommen. Deshalb wurde der ägyptische Präsident Anwar el Sadat, der den Friedensschluss durch seine spektakuläre Jerusalem-Reise im November 1977 möglich gemacht hatte, im arabischen Lager zum "Verräter" deklariert, der einen Separatfrieden auf Kosten der Palästinenser geschlossen habe. Die Arabische Liga suspendierte die Mitgliedschaft ihres Gründungsmitglieds Ägypten, das erst zehn Jahre später wieder in den Schoß der Organisation zurückkehren konnte.

Formel "Land gegen Frieden" bislang nicht umgesetzt

Optimisten, die nach der Unterzeichnung des Camp-David-Abkommens gedacht hatten, dies sei nun der Beginn der Normalisierung der Beziehungen zwischen dem jüdischen Staat und der arabischen Welt, wurden enttäuscht. Dies liegt nach Einschätzung westlicher Diplomaten vor allem daran, dass die Umsetzung der Formel "Land gegen Frieden", auf die sich der israelische Ministerpräsident Menachem Begin damals mit den Ägyptern einließ, im Konflikt mit den Palästinensern und mit Syrien bislang nicht umgesetzt wurde. Solange das Westjordanland und der Gaza-Streifen besetzt sind, wird auch der Frieden mit Ägypten immer nur ein "kalter Frieden" bleiben.

"Boykottiert israelische Produkte", steht auf einem verblichen Transparent vor dem Freizeitclub der Apotheker-Genossenschaft in Kairo. Ein Journalist, der kürzlich in Kairo ein Radio kaufen wollte, stellte im Geschäft fest, dass eines der angebotenen Geräte aus Israel stammte. Als er das dem Ladeninhaber sagte, wurde dieser leichenblass und stammelte, das sei ein Versehen. Er flehte ihn an, bloß niemandem in der Nachbarschaft davon zu erzählen. "Sonst kauft keiner mehr bei mir und ich bin ruiniert", jammerte er.

Friedensprozess in der Sackgasse

Eingefädelt hatte das Camp-David-Abkommen damals US-Präsident Jimmy Carter, der die USA damit zur Garantiemacht für den Friedensschluss machte. Heute klagen arabische Politiker, dass der Nahost-Friedensprozess in die Sackgasse geraten sei, weil nach Carter kein US-Präsident mehr bereit gewesen sei, wirklich etwas zu riskieren, um eine gerechte Nahost-Friedenslösung zu erreichen.

Anne-Beatrice Clasmann / DPA