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"heute wichtig" Johanna Klug begleitet Menschen vor ihrem Tod. Sie sagt: "Sterbende sind Lehrer fürs Leben"

Sterbebegleiterin Johanna Klug
Sterbebegleiterin Johanna Klug sagt, über den Tod zu sprechen, kann Menschen sogar näher zusammenbringen
© Hendrik Nix  
Österreich regelt die Gesetzgebung zur Sterbehilfe neu und erlaubt ab 2022, unter strengen Auflagen, die passive Sterbehilfe für schwer und unheilbar kranke Personen. Sterbebegleiterin Johanna Klug verbringt die letzten Stunden mit ihr vorher unbekannten Menschen. Ein Gespräch.

Mit kaum einem Thema setzen sich Menschen so ungern auseinander wie mit dem eigenen Tod. Nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie ist jedoch das Thema Tod in den Fokus der Gesellschaft gerückt – gerade auch in Zeiten mit entsprechenden Beschränkungen, in denen nicht alle sich von geliebten Personen verabschieden konnten.  

Daneben gibt es auch immer wieder Menschen, die sich beispielsweise nach einer langen und schweren Erkrankung selbstbestimmt für die sogenannte Sterbehilfe entscheiden. In Deutschland kippte das Bundesverfassungsgericht letztes Jahr den Paragraphen 217, der von 2015 bis 2020 den sogenannten "geschäftsmäßigen" Suizid verbot. Darunter fielen allerdings auch Sterbehilfevereine, die beispielsweise schwerkranke Menschen dabei unterstützen, sich selbstständig für den Tod zu entscheiden. Das Bundesverfassungsgericht sagte deshalb: Jede Person darf selbst entscheiden, wann und aus welchem Grund er oder sie aus dem Leben scheidet. Allerdings muss die sterbende Person den Vorgang selbst durchführen – das ist die sogenannte passive Sterbehilfe.  

Österreich verabschiedete ein neues Gesetz zur Sterbehilfe 

Nun hat Österreich am vergangenen Wochenende eine ähnliche Gesetzgebung beschlossen und erlaubt ab dem nächsten Jahr eine Sterbeverfügung, die ähnlich wie eine Patientenverfügung funktioniert. Dauerhaft schwerkranke und unheilbar kranke Menschen dürfen sich ab 2022, in Abstimmung mit mindestens zwei verschiedenen Ärzten, ein Präparat verschreiben lassen, um selbstständig über ihren Tod zu bestimmen. Wie in Deutschland muss das Präparat allerdings selbst eingenommen werden. Ausgeschlossen sind Minderjährige. 

Michel Abdollahi
© TVNOW / Andreas Friese

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Klar, meinungsstark, auf die 12: "heute wichtig" ist nicht nur ein Nachrichten-Podcast. Wir setzen Themen und stoßen Debatten an – mit Haltung und auch mal unbequem. Dafür sprechen Host Michel Abdollahi und sein Team aus stern- und RTL-Reporter:innen mit den spannendsten Menschen aus Politik, Gesellschaft und Unterhaltung. Sie lassen alle Stimmen zu Wort kommen, die leisen und die lauten. Wer "heute wichtig" hört, startet informiert in den Tag und kann fundiert mitreden.

Zu diesem Anlass spricht Podcast-Host Michel Abdollahi in der heutigen Folge mit der Sterbebegleiterin Johanna Klug, die sagt, über den Tod zu sprechen kann Menschen sogar näher zusammenbringen: "Wir kommen auf die Welt und die einzige Gewissheit, die wir alle haben, ist, dass wir sterben werden. Das ist etwas, was uns alle verbindet." 

"Ich habe keine Angst vor dem Tod" 

Die 27-Jährige begleitet seit sieben Jahren Menschen, auch Kinder, kurz vor ihrem Tod und fürchtet ihren eigenen mittlerweile nicht mehr. Sie möchte auch andere ermutigen, sich nicht erst in der wortwörtlich letzten Minute mit ihrem eigenen Ableben auseinanderzusetzen: "In der heutigen Gesellschaft geht es nicht nur um die Angst vor dem Tod, sondern auch darum, dass wir Gefühle mit negativen Dingen besetzen. Auch das führt dazu, dass wir den Tod weiter wegschieben." 

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