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Er ist (schon) wieder da: Wie die Rückkehr von Karl-Theodor zu Guttenberg ständig wieder heraufbeschworen wird

Das Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg steht kurz bevor. Schon wieder? Seit Jahren wird die Rückkehr des früheren Verteidigungsministers regelmäßig heraufbeschworen. Ganz gleich, ob es dieses Mal wirklich passiert: Aus den Medien ist "KT" eigentlich nie verschwunden. Dafür hat (nicht nur) er gesorgt.

Das ewige Comeback von Karl-Theodor zu Guttenberg

Der frühere Verteidigungsminister zu Guttenberg (Foto) bei einer Konferenz in Berlin im Jahr 2016 - eines seiner vielen Comebacks.

Eigentlich hat Karl-Theodor zu Guttenberg bereits zwei Jahre nach seinem Abgang von der politischen Bildfläche sein Comeback gefeiert – zumindest auf den Bildschirmen der Bundesrepublik: Im März 2013 hat die Sat.1-Satire "Der Minister" den früheren Verteidigungsminister aufs Korn genommen. Immerhin 4,4 Millionen Zuschauer haben die fiktive TV-Satire über den Aufstieg und Fall des CSU-Politikers gesehen, zahlreiche Medien den Streifen vor und nach der Ausstrahlung besprochen. Noch einmal war der einstige Politstar der Republik in aller Munde – trotz oder gerade weil er im Februar 2011 spektakulär über die Plagiatsaffäre stürzte. 

Nun soll Karl-Theodor zu Guttenberg tatsächlich zurückkehren. Die Aufregung ist dementsprechend groß: Die "Bild" stellte in ihrer Montagsausgabe "Die Spannendste K-Frage dieser Wahl", der aktuelle "Spiegel" (30/2017) skizziert die "Operation Rückkehr" und in der "Süddeutschen Zeitung" wird er vor kurzem "Der Umworbene" betitelt. Es lässt sich nicht von der Hand weisen: Karl-Theodor zu Guttenberg ist zurück – schon wieder.

Bereits im September 2014 ist die Schlagzeile zu lesen: "Die CSU arbeitet am Guttenberg-Comeback". Zuvor hatte er im "Wall Street Journal" mit der Außenpolitik der EU sowie der USA abgerechnet, beim CSU-Parteitag im Dezember sollte er eine außenpolitische Grundsatzrede halten. Nur leider musste der einstige Parteiheld absagen, sein Bruder Philipp Franz sprang ein. Karl Theodor zögerte. Vermutlich, weil sich manch Wähler mit dem aufgeflogenen Fälscher noch nicht versöhnt hatte "Meine Tür steht offen für Karl-Theodor zu Guttenberg", ließ wenigstens CSU-Chef Horst Seehofer wissen. Das erste Comeback ist geplatzt.

2015, die erste Rückkehr: Horst Seehofer holt Karl-Theodor zu Guttenberg zurück - ein bisschen

Nächster Versuch, Juli 2015. Die Schlagzeile: "Horst Seehofer will Karl-Theodor zu Guttenberg zurück". Es soll ein Treffen zwischen dem Parteichef und dem gefallenen Hoffnungsträger der CSU arrangiert werden. Offenbar, um den charismatischen Redner – der einst beliebteste Politiker der Deutschen - für die bevorstehenden Bundestagswahlen in Stellung zu bringen. Dann, endlich: "Seehofer holt Guttenberg zurück", liest man in zahlreichen Medien. Es ist geglückt. Zumindest ein bisschen: Guttenberg soll Teil von Seehofers "Kompetenzteam" werden, sein "ganzes Wissen und Können gegenüber der Partei" und dem Chef einbringen. Ob er dabei Termine für die CSU wahrnehme, läge aber ganz bei ihm. Immerhin lebt Seehofers Hoffnungsträger mittlerweile mit seiner Familie an der Ostküste der USA, hat eine Beratungsfirma ("Spitzberg Partners") in New York. Guttenberg selbst spricht damals von einem "Versuch einer bescheidenen Unterstützung meiner politischen Heimat" – sie war offenbar so bescheiden, dass Guttenberg das Strategieteam laut der "Süddeutschen Zeitung" kein einziges Mal besucht haben soll. Aber egal: Guttenbergs Verpflichtung war ein irrer Coup – immerhin schloss er im "Spiegel" noch wenige Wochen zuvor sein politisches Comeback aus.

Böse Zungen würden nun behaupten, dass es sich bei den vielen Comebacks (und Rückwärtsrollen) von Guttenberg um politische Inszenierungen handelt – andere, dass der frühere Verteidigungsminister eine schleichende Rückkehr plant. Beide Lesarten sind plausibel.

2016, die zweite Rückkehr: "Irgendwann komme ich wieder"

Denn auch im September 2016 wird die "Rückkehr eines gefallenen Stars" gefeiert. Mittlerweile typisch amerikanisch - lässig und unaufgeregt, ohne Gel-Tolle und mit Dreitagebart – spricht der frühere Verteidigungsminister über die Flüchtlingspolitik aus der amerikanischen Warte. Obwohl er im "Kompetenzteam" von Seehofer sitzt, ist er sozusagen als Privatmann und Politik-Kenner unterwegs. Wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, meldet sich kurz vor Ende seines Vortrags ein älterer Herr aus dem Publikum. Ob er nicht seine Doktorarbeit in die Tonne treten und einfach wieder in die deutsche Politik einsteigen könne? "Ich bin gerne ein Gast in Deutschland", habe Guttenberg abgewunken. Aber: "Irgendwann komme ich wieder."

2017, die dritte Rückkehr: jetzt aber?!             

Er kommt (schon) wieder, im Januar 2017: "Guttenberg kehrt in die deutsche Politik zurück", meldet der "Spiegel". Kurz zuvor wurde bereits über ein Comeback gemunkelt, weil sich CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer und Guttenberg zu einem "Geheimtreffen" verabredet hatten - rein zufällig wurde das Duo von einem "Bild"-Reporter bei dem vertraulichen Gespräch und einer Zigarettenpause abgelichtet. Guttenberg habe zugesagt, für mehrere Kundgebungen nach Bayern zu kommen. Er wolle sich "voll einbringen". Doch um ein Bundestagsmandat wolle er sich nicht bewerben. Bescheiden, der Mann.

Und nun, im Juli 2017, werde also die "Operation Rückkehr" geplant. Laut "Bild"-Informationen habe Horst Seehofer für seinen Schützling ein "relevantes Ministeramt im nächsten Bundeskabinett reserviert". Insofern hat Guttenberg keine Unwahrheit gesagt: Beworben hat er sich um das Bundestagsmandat offenbar nicht. Darüber hinaus soll "Der Umworbene" am Abend des TV-Duells zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) die CSU im Talk bei "Anne Will" vertreten.

Man kann Karl-Theodor zu Guttenberg eigentlich keinen Vorwurf machen – wirklich explizit ausgeschlossen hat er sein politisches Comeback nie. Und selbst wenn, Grauzonen in der Formulierung finden sich immer. Doch dürfte die besagte "offene Tür" von Horst Seehofer nicht mehr von allzu langer Dauer sein sein. Spätestens nach der Bundestagswahl könnte sich diese schließen.

Aber Guttenberg hat mindestens einen Fuß in der Tür. Und eines scheint zumindest Fakt: Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder da.

Facebook-Video: So bedankte sich Guttenberg bei seinen Fans