VG-Wort Pixel

Palina Rojinski "Du darfst nicht warten, bis jemand fragt"

Sehen Sie im Video: Palina Rojinski zur Frauenquote – "Darfst nicht warten, bis jemand fragt".
Mehr
Ihre Anfänge als Sidekick von Joko und Klaas waren Palina Rojinski nicht genug. Warum es für sie - und viele andere Frauen - wichtig war, mehr zu fordern. 

Frau Rojinski, empfinden Sie sich als Quotenfrau?

Ich empfinde mich in allererster Linie als Frau und ich finde es schade, dass wir offensichtlich in unserer Gesellschaft den Zusatz Quote brauchen. Mit Sicherheit hatten meine Anfänge was mit meinem Geschlecht zu tun. Mit Anfang 20 wurde ich bei MTV als Sidekick für eine Sendung mit Joko und Klaas gecastet. Bestimmt war es eine Überlegung der Redaktion, diese Rolle mit einer Frau zu besetzen. Die beiden Jungs waren seit Jahren dabei und ich hatte großes Glück, bei ihnen das Handwerk Fernsehen zu lernen. Ich war anfangs extrem aufgeregt. Und merkte auch, dass ich mich irgendwann mit dieser Sidekick-Rolle unwohl fühlte. Es ist typisch Frau, zu fragen: Wieso beachten die mich nicht? Warum sieht keiner mein Potenzial? Diese Gefühle hatte ich auch. Aber als ich mich dann nach ein paar Monaten sicherer fühlte, habe ich den Hauptredakteur gefragt, ob ich nicht eine eigene Rubrik übernehmen kann. Von sich aus hätte man mir dieses Angebot nicht gemacht. Es war meine bewusste Entscheidung, etwas zu fordern. Es war wichtig zu lernen, selbst die Verantwortung zu übernehmen, sich eigenmächtig ins Gespräch zu bringen. Du darfst nicht warten, bis jemand fragt.

Warum fällt vielen Mädchen und Frauen das schwer?

Wir sind immer noch so geprägt, dass es sich für ein Mädchen nicht gehört, viel zu fordern. Das ist arrogant, anmaßend, unbequem. Bei Männern heißt es: Er weiß, was er will! Ich habe einen großen männlichen Anteil in mir: In meiner Arbeitsweise bin ich sehr ehrgeizig, eine Macherin. Hindernisse zählen nicht. Ich kann mich auch jederzeit selbst versorgen. Unbequemlichkeit im Leben schreckt mich nicht.

© Carolin Windel / stern

Was machen Sie, wenn Sie auf Widerstand stoßen mit Ihrer Energie?

Wenn mir jemand Grenzen setzt, was natürlich immer wieder passiert, dann rege ich mich kurz auf. Und dann ziehe ich weiter. Ich habe ja mein Auditorium: Mädchen und junge Frauen haben mich schnell erkannt als jemand, mit dem sie sich identifizieren können. Ich hatte schon immer viele Freundinnen. Ich liebe weiblichen Austausch. Auch in meinem Team hatte ich immer weiblichen Beistand, mit meiner Managerin, meiner Maskenbildnerin, meiner Schwester. Die Solidarisierung ist wichtig.

Es heißt immer, dass Frauen das nicht könnten – Seilschaften bilden, im Netzwerk strategisch agieren.

Das stimmt nicht. Dieser Gedanke drängt sich irrtümlich auf, weil es ja für Frauen an der Spitze oft nur einen einzigen Platz gibt. Und wie jeder Mensch fahren dann auch ehrgeizige Frauen die Ellenbogen aus, setzen auf Konkurrenz statt auf Kooperation. Da liegt die Wurzel der Aussage, dass Frauen das nicht könnten. Ich möchte mal sehen, was mit den Bro'schaften, also den Männer-Netzwerken passieren würde, wenn es immer nur einen Platz gäbe. Die würden einander zerfleischen.

Was machen Sie in Ihrem Netzwerk, um Komplizenschaft herzustellen?

Wir quatschen, gehen shoppen, wir schminken uns und machen Spa-Tage. Ich stehe dazu, das macht voll Spaß und ist nur auf den ersten Blick oberflächlich. Wir nähren unsere Weiblichkeit und das geht mitunter sehr tief. Ein Beispiel: Ich habe eine gute Freundin mit einer markanten Nase. In den sozialen Medien wird sie dafür immer mal wieder von Männern beleidigt. Wir haben gemeinsam rumprobiert und sie so in Szene gesetzt, wie ich sie sehe – als wunderschöne, unverwechselbare Frau. Das war ein Geschenk für sie, aber auch für mich, denn als sie die Bilder sah, kam bei ihr eine solche Freude, Leichtigkeit und Selbstliebe auf! Und da sieht man schon, dass solche Kleinigkeiten ganz viel in uns Frauen mobilisieren können, wenn Frauen sich gegenseitig aufbauen und zueinander stehen.

Wäre die Schauspielerin, DJane und Moderatorin Rojinski ein Mann, wo stünde er dann heute in seiner Karriere?

Genau hier, wo ich jetzt stehe. Obwohl ich mich über noch mehr interessante, komplexe Frauen-Rollen freuen würde.

Und wie wäre Ihr Werdegang verlaufen, wenn Sie nicht als Kind aus Russland eingewandert wären?

Oje, über die russische Frau könnte ich tagelang reden... Beruflich hätte ich sicher etwas Ähnliches gemacht, hätte aber wahrscheinlich schon vier Kinder und wäre sehr viel dünner. Nicht sehr gesund. Es herrscht dort ein enormer Druck.

Haben Sie Vorbilder?

Iris Berben, Senta Berger, Miley Cyrus, Taylor Swift, Marilyn Monroe. Alle haben gemeinsam, dass sie mutig sind oder waren. Weil sie irgendwann wussten, wer sie wirklich sind.

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker