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Fragen zu Trump

Wahlversprechen: Bringt Donald Trump Hillary Clinton ins Gefängnis?

Donald Trump war alles andere als zimperlich im Wahlkampf. Seiner Kontrahentin Hillary Clinton versprach er nicht weniger, als dass er sie nach seiner Wahl ins Gefängnis bringen werde. Wird er dieses Wahlversprechen halten?

Donald Trump und Hillary Clinton bei einer TV-Debatte an der Washington University

Donald Trump und Hillary Clinton: Wird der neue Präsident Ermittlungen seine Herausforderin anordnen? Er hatte dies im Wahlkampf angekündigt. 

"Lock her up!" ("Sperrt sie ein!") Es war einer der markantesten Schlachtrufe der Trump-Anhänger während des langen und schmutzigen Wahlkampfs. Sie reagierten damit auf die vollmundigen Versprechen ihres Kandidaten, Hillary Clinton ins Gefängnis zu bringen, sollte er Präsident werden. Die Drohung steht nun im Raum. Gelten Donald Trumps Wahlversprechen, dann müsste er wegen der E-Mail-Affäre bald einen Sonderermittler auf die Kandidatin der Demokraten ansetzen. Die 69-Jährige ist nach Trumps Ansicht "korrupt", "eine Lügnerin" und die E-Mail-Affäre weit größer als der Watergate-Skandal. Wird Donald Trump also Hillary Clinton ins Gefängnis bringen?

Vorsorglich hat das Weiße Haus schon einmal auf die lange Tradition hingewiesen, dass in der Geschichte der USA Menschen in einer Machtposition nie aus Vergeltung die Justiz gegen Kontrahenten eingesetzt hätten. Und tatsächlich sieht es im Moment danach aus, dass Hillary Clinton sich keine Sorgen machen muss. Angesprochen auf das heikle Wahlversprechen, sagte Trumps Wahlkampf-Managerin Kellyanne Conway CNN zunächst, dies sei in der Wahlnacht nicht besprochen worden - auch nicht mit Hillary Clinton am Telefon, als diese Trump zum Wahlsieg gratulierte. Auf Nachfrage ergänzte Conway: "Was wir jetzt brauchen, ist Einheit", das habe Trump in seiner Siegesrede gesagt. Und Obama und Clinton seien "zwei Führer, auf die wir uns stützen wollen, um dies zu erreichen."

Donald Trump: "Wir schulden ihr große Dankbarkeit"

Trump selbst gab sich in seiner Rede in der Wahlnacht betont versöhnlich. "Wir schulden ihr große Dankbarkeit für ihren Dienst an unserem Land", erwies er seiner Kontrahentin großen Respekt. Zudem betonte auch er, dass er Präsident aller Amerikaner sein wolle und dass es nun Zeit sei, die Nation zu einen.

"Ich kann mir nichts Trennenderes vorstellen, als gegen jemanden vorzugehen, der die Mehrheit der Wählerstimmen gewonnen hat", hält auch die Politik-Professorin Katy Harringer von der Forest University in North Carolina Sonderermittlungen gegen Clinton für falsch. Das sei eine zu riskante politische Strategie, urteilt die Expertin für Sonderermittlungen in der US-Politik in der britischen "Daily Mail". Hillary Clinton hatte landesweit 200.000 Stimmen mehr als Trump bekommen, jedoch nicht die entscheidende Mehrheit der Wahlmänner erreicht.

"Lock her up!"-Rufe nur Wahlkampf-Folklore?

Doch es geht nicht nur darum, dass Ermittlungen gegen Clinton derzeit politisch unklug wären. Zweimal hat das FBI in der E-Mail-Affäre ermittelt - zuletzt wenige Tage vor der Wahl. In beiden Fällen konnten keine Gesetzesverstöße festgestellt werden. Trump müsste also andere justiziable Vergehen Clintons finden, um tatsächlich juristisch gegen sie vorzugehen.

Der "President-elect", wie die Amerikaner sagen, hat allerdings eines schon zur Genüge gezeigt: Er wechselt seine Haltung wie eine Wetterfahne im Wind. Abzuwarten bleibt, was geschieht, sollten Trumps Anhänger das "Lock her up!" nicht für Wahlkampf-Folklore halten und von ihrem Hoffnungsträger die Erfüllung seines Wahlversprechens einfordern.


dho