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Der Wahlsieg und seine Folgen Gefährlicher Größenwahn - wer hält Trump in Schach?

Enttäuschter Wähler mit Schild "American Voter" am Times Square
Die USA haben entschieden - leider für die ganze Welt
© Eduardo Munoz Alvarez/AFP
Mit Donald Trump zieht ein Narzisst ins Weiße Haus ein. Dazu ein radikal-reaktionärer republikanischer Kongress. Die Welt hat allen Grund, den Atem anzuhalten.
Von Hans-Hermann Klare

Nicht einmal auf Winston Churchill ist nach dieser Wahlnacht mehr Verlass. "Die Amerikaner tun stets das Richtige, nachdem sie alles andere ausprobiert haben", hat der britische Premier einst gesagt. So sieht es mit der Wahl von Donald Trump nicht länger aus.

Auch, wenn sich der nächste Präsident der Vereinigten Staaten in der Nacht der Nächte gemäßigt gab, zur Einheit aufrief und seiner Kontrahentin Hillary Clinton dankte – konziliant und klug, abwägend und abwartend wird die Politik Donald Trumps im Weißen Haus wohl kaum sein. Dazu hat er nicht den Charakter.

Donald Trump ist mit allem durchgekommen

Als George Bush einst gewählt wurde, nutzten seine klugen und radikalen Berater um den Vize-Präsidenten Dick Cheney den Mann im Weißen Haus für ihre eigenen politischen Ziele und entfesselten so den Irak-Krieg. Bush war für deren Einflüsterungen empfänglich. Dagegen konnten Donald Trumps Berater ihren Mann während der Wahlkampagne nicht einmal davon abhalten, rassistische oder frauenfeindliche Bemerkungen oder Tweets abzusetzen, weil das Trumps Wahl hätte gefährden können.

Auf sie nicht zu hören, so beweist der Sieg der vergangenen Nacht, war aus Trumps Sicht genau richtig: Er ist mit allem durchgekommen, was ihn nach konventioneller Sicht unwählbar machte. Warum sollte ein größenwahnsinniger Mann von 70 Jahren, da er Präsident des mächtigsten Staates der Welt geworden ist, sich ausgerechnet jetzt noch ändern?

Dass Trump Obamas Krankenversicherung wieder abschaffen wird – ganz oder in Teilen – und damit 40 Millionen US-Bürger vermutlich wieder der Gefahr aussetzt, arm zu werden, wenn sie krank sind; dass er die Steuern für die Reichsten senken wird und die Schulden erhöhen, um etwas für die Infrastruktur zu tun – diese Probleme haben sich Amerikas Wähler selbst eingebrockt. Ganz im Sinne des Spruchs von Präsident Abraham Lincoln. Der hatte vor gut 150 Jahren gesagt: "Wahlen gehören dem Volk. Wenn es sich entscheidet, einem Feuer den Rücken zuzuwenden, und sich dabei den Hintern verbrennt, muss es auch auf den Brandblasen sitzen."

Hoffentlich passiert nichts allzu Schreckliches

Aber Amerikas Wähler haben auch für den Rest der Welt entschieden. Und wir wissen, wie bei unvorhersehbaren Ereignissen wie 9/11 ein Volk in Schock erstarren, eine Regierung aus dem Tritt geraten und ein Präsident verstockt reagieren kann. Was Amerika nach den Anschlägen von New York und Washington im Ausland auslöste und anrichtete, beschäftigt uns bis heute.

Bei Donald Trump könnte es ähnlich sein. Und unterstützt von einem radikalen reaktionären republikanischen Kongress wird er womöglich Dinge tun, die uns angst und bange werden lassen. Donald Trumps Wahl in den USA ähnelt der Wahl Mahmud Ahmadinedschads zum Präsidenten des Iran vor zwölf Jahren. Statt eines religiösen Fundamentalisten ist in den USA ein Narzisst an die Macht gekommen. In der Natur solcher Persönlichkeiten liegt, dass sie nicht geneigt sind, auf andere als sich selbst zu hören.

Man kann darum nur hoffen, dass in den kommenden Jahren nichts allzu Schreckliches passiert. Denn ob die demokratischen Institutionen der USA stark und unabhängig genug sind, einen Präsidenten Trump dann in Schach zu halten – daran muss man seine Zweifel haben.


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