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Zwischenfall bei Wahlkampfrede: Das sagt der Mann, der Trump am Wochenende angeblich ermorden wollte

Austyn Crites hat während einer Rede von Donald Trump ein kritisches Plakat hochgehalten und wurde dafür von der Menge verprügelt. Doch er macht den Schlägern keine Vorwürfe. Etwas anderes ist ihm wichtig.

Donald Trump bei seinem Auftritt in Reno, Nevada

"Uns wird niemand stoppen": Donald Trump bei seinem Auftritt in Reno, Nevada

Es war der Schreckensmoment im US-Wahlkampf am Wochenende: Agenten des Secret Service eilten während einer Rede von Donald Trump in Reno im Bundesstaat Nevada auf die Bühne und drängten den republikanischen Präsidentschaftskandidaten vom Podium. Auslöser des Einsatzes der Leibwächter war ein vermeintlich bewaffneter Mann im Publikum. Er wurde von Trump-Anhängern niedergerungen und anschließend von Sicherheitsbeamten vorübergehend festgenommen. Eine Waffe fanden sie nicht.

Trump kam wenige Minuten nach dem Zwischenfall wieder auf die Bühne zurück und setzte seine Rede fort. Für den vermeintlichen Angreifer dagegen ist seit den Ereignissen vom Samstag nichts mehr wie vorher. Bei dem Mann handelt es sich um Austyn Crites aus Reno, Mitgründer eines Startups, das Stratosphärenballons entwickelt.

Crites hatte nur ein Schild hochgehalten

"Für jemanden wie mich verändert dieses besondere Ereignis in der Tat den Rest meines Lebens", sagte Crites dem "Reno Gazette-Journal". "Das Ausmaß muss sich erst noch zeigen, aber mir ist voll bewusst, dass ein Teil der US-Bevölkerung meine wahren Absichten anzweifeln wird, egal was ich sage. Egal was für einen Hintergrund ich habe, es wird immer Leute geben, die meinen, dass ich ein Verräter bin."

Tatsächlich ist Crites selbst seit sechs Jahren eingetragenes Mitglied der republikanischen Partei, wie er Reportern erzählte. Er sei aber gegen Trump und deshalb mit einem Protestplakat zu der Kundgebung gegangen. "Ich hatte einfach nur ein Schild, auf dem stand: 'Republikaner gegen Trump'", sagte der 33-Jährige. Was er damit auslöste, hätte er nie erwartet.

"Die Leute begannen durchzudrehen"

Sichtlich geschockt schilderte Crites noch vor dem Auditorium dem britischen "Guardian", was er in der Halle erlebte: "Ich halte das Plakat in die Luft hoch und Leute buhen. Das ist erwartbar, stimmt's? Und dann werden die Leute neben mir plötzlich gewalttätig, greifen nach meinem Arm, versuchen, mir das Schild aus der Hand zu reißen. ... Die Leute begannen durchzudrehen, sie bekamen das Schild nicht zu fassen und fingen an, mich zu attackieren." Er sei zu Boden gestoßen worden. Dann habe jemand etwas von einer Waffe geschrien. Er selbst habe von unten gebrüllt: "Es gibt keine Waffe. Ich habe nur ein Schild, ich habe nur ein Schild!"

Die aufgebrachte Menge habe ihn am Boden gehalten, ihn getreten, geschlagen, gewürgt und seine Genitalien gepackt. Er habe Angst um sein Leben gehabt, erzählte Crites dem "Guardian". Er sei sehr froh gewesen, als die Polizei kam. Die Beamten hätten ihn von den Angreifern befreit, ihm Handschellen angelegt und ihn abgeführt. "Als ich aus dem Raum gebracht wurde, sahen mich die Leute an, als wäre ich ein Teufel." Als Grund für seinen Protest gegen Trump nannte Crites dessen Umgang mit Muslimen, Mexikanern und Frauen. Der Republikaner sei eine "Bilderbuchversion eines Diktators und Faschisten". Diese Art von Leuten verwandle gute Menschen in Tiere. "Und das ist genaus das, was hier passiert ist."

Trump-Lager verbreitet Mordversuch-Tweet

Es sei interessant, wie sich ein Leben so schnell verändern könne, nur weil man das Recht auf freie Meinungsäußerung ausübe, sagte Crites dem "Reno Gazette-Journal". Vom Trump-Lager und von rechten Webseiten wurde er nach dem Zwischenfall heftig attackiert. Trumps Social-Media-Chef Dan Scavino und sein Sohn Donald Trump Jr. retweeteten ein Posting, in dem von einem Mordversuch die Rede ist.

Auf konservativen Webseiten wurde die Berichterstattung über Crites als Schwindel bezeichnet und als Teil des Versuchs der Mainstream-Medien, die demokratische Kandidatin Hillary Clinton ins Präsidentenamt zu heben. Andere Internetseiten behaupteten, dass er und seine Familie Wahlfälschung betreiben würden. Der Blogger Joe Hoft nannte Austyn Crites einen "dreckigen Maulwurf" aus dem Clinton-Lager.

Familie berichtet von Todesdrohungen

Auf einigen Webseiten seien zudem persönliche Daten von Crites und seinen Verwandten veröffentlicht worden, einschließlich seiner Adresse, schreibt das "Reno Gazette-Journal". Auch Crites' Bruder und Schwägerin nahmen die Trump-Unterstützer ins Visier: "Wir bekommen viele Direktnachrichten mit Drohungen, sie würden kommen und uns und unsere Familie holen", zitiert die Zeitung die Schwägerin. "Und wenn Trump Präsident werde, werde er uns töten lassen."

Trotz des Aufruhrs macht Crites den Menschen, die ihn auf der Wahlkampfveranstaltung angegriffen haben, keine Vorwürfe. "Ich mache sie nicht verantwortlich. Ich mache Donald Trumps Hass-Rethorik verantwortlich", sagte er dem "Guardian". Die Tatsache, dass er verprügelt worden sei zeige, was Trump aus den Menschen mache. "Ich komme wieder in Ordnung. Aber wichtiger ist jetzt, ob das Land wieder in Ordnung kommt. Also tragt euren Teil dazu bei und wählt."

mad