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Analyse der US-Wahl: Fünf zentrale Erkenntnisse aus Trumps Erfolg

Trump-Gegner in den USA und in Europa stehen unter Schock. Wie konnte dieser Mann, ein Sexist, ein Frauenfeind und Lügner, zum US-Präsidenten gewählt werden? Fünf Erkenntnisse über ein historisches Ereignis.

Donald Trump und Hillary Clinton als Pappfiguren

Mehr Liebe für Trump: Die Pappfigur des Milliardärs erhält ein Küsschen von einer Verehrerin. Trump schaffte es, eine geschlossene, emotionale Bewegung hinter sich zu vereinigen

1. Die Schmach der Demoskopen

Sie gelten als Propheten in modernen Demokratien, die Demoskopen. Doch mit dem Wahlsieg Donald Trumps haben die Meinungsforscher erneut eine Schmach erlitten. Erst die falschen Prognosen zum Brexit, jetzt der Triumph Donald Trumps. Der Berufszweig ist in arge Erklärungsnöte geraten, wenn er nicht mal die wichtigste Wahl des Planeten halbwegs korrekt voraussagt. Offensichtlich ist, dass die angewandten Instrumente und erhobenen Daten nicht mehr in der Lage sind, korrekte Vorhersagen abzuliefern.

Doch es gibt Ausnahmen wie die Umfrage der University of Southern California in Zusammenarbeit mit der "Los Angeles Times". Die Meinungsforscher aus Kalifornien sahen praktisch durchgehend Trump als Sieger. Ihr Erfolg stützt die These vom "Shy Trump Effekt". Die Umfrage der "LA Times" wird im Internet durchgeführt, ist also anonym. Möglicherweise waren die Befragten hier ehrlicher. Ein Motto des Trump-Lagers war der populistische Spruch "The silent majority stands with Trump" (Die stille Mehrheit steht hinter Trump). Damit hatten sie recht, während die Demoskopen irrten. 

2. Bessere Slogans

Selbstverständlich wäre es zu schlicht, Trumps Erfolg nur an seinen Slogans festzumachen. Doch seien Sie ehrlich. Trumps Slogan "Make America great again" kennen sogar in Deutschland viele, während der Kern-Slogan von Clintons Kampagne ("Hillary for America") eher unbekannt sein dürfte. Für die Amerikaner gilt das umso mehr. Trumps Motto war allgegenwärtig - und das hat Gründe: Denn Trump hat eine geschlossene, emotionale Bewegung hinter sich vereinigt. Weiße Arbeiter, Ältere und Wähler in den ländlichen Regionen haben für Trump gestimmt. Clinton erreichte hier nicht annähernd die Wahlergebnisse von Barack Obama bei seinen Siegen 2008 und 2012. Sogar die Demokraten-Hochburgen in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin, die sogenannte "Blue Wall", gingen an Trump. Die faktenbasierte, argumentative Wahlstrategie der Demokratin verfing nicht. Clinton holte nur da ihre Stimmen, wo Demokraten schon immer gewonnen haben, in den großen Städten und liberalen Regionen an Ost- und Westküste. Eine wirklich emotionale Botschaft konnte sie hinter ihrem Slogan nicht verankern. Trump schaffte es. 

3. Trump beherrschte das Social Web meisterhaft

Clinton hatte für ihre Kampagne deutlich mehr Geld zur Verfügung als Trump, zudem war ihre Truppe größer und professioneller aufgestellt. Clinton hatte mehr TV-Spots, mehr Wahlhelfer und Wahlbüros. Doch es nutzte nichts. Trump war meist einen Schritt voraus, weil er das Social Web besser beherrschte. Vor allem über Twitter bestimmte Trump die Debatten, provozierte, beleidigte und teilte aus. Der Kurznachrichten-Dienst war ein idealer Kanal für Trumps einfache Botschaften und die dahinter stehenden Wertvorstellungen. Den Werte-Kanon soll sich Trumps Mannschaft gezielt aus den verbreiteten konservativen und reaktionären Radio-Shows geholt haben. 

4. Hass auf die Clintons

Eine der zentralen Botschaften der Trump-Kampagne war die Aversion vieler Amerikaner gegen die Clintons. Hillary und Bill gelten vielen Amerikanern als typische Aushängeschilder einer korrupten und verlogenen Polit-Elite. Der Hass auf die Clintons hat Tradition, seit Bill Clinton 1992 zum US-Präsidenten gewählt wurde. Er ist nie wirklich abgeflaut. In diesem Zusammenhang war Clintons E-Mail-Affäre ein wahres Geschenk für die Trump-Kampagne.

5. Zeitalter des Populismus hat endgültig begonnen

Spätestens mit Trumps Wahlsieg sollte jedem klar geworden sein, dass das neue Zeitalter des Populismus endgültig begonnen hat, Stichwort Brexit, Stichwort postfaktisch. Dass Trump gelogen hat, dass er sich widersprechende Wahlversprechen gemacht hat, dass er auf vielen Politikfeldern von erschreckender Ahnungslosigkeit ist - alles nicht wichtig. Hauptsache, die einfache Botschaft stimmt, so unrealistisch sie auch ist. Trumps Erfolg ist ein Symptom dafür. Er zeigt, wie sehr sich unsere Welt gerade verändert.