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Vertrag: Bund und Länder wollen mehr Ganztagsschulen

Vier Milliarden Euro zahlt der Bund bis 2007 für den Ausbau von mehreren tausend Ganztagsschulen. Eine entsprechende Vereinabrung unterschrieben Bund und Länder.

Bund und Länder haben am Montag die Vereinbarung über den Ausbau von mehreren tausend Ganztagsschulen unterzeichnet. Der Bund zahlt dafür den Ländern bis 2007 vier Milliarden Euro Investitionshilfen. Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) versicherte, das Programm werde trotz der angespannten Haushaltslage des Bundes nicht gekürzt. Die Einführung der Ganztagsschule zähle mit zu den wichtigsten Reformprojekten der Bundesregierung.

"Bedarfsorientierter Ausbau"

Auf Druck der Länder wurde allerdings die vom Bund zunächst angestrebte Zahl von 10.000 Ganztagsschulen aus der Vereinbarung herausgenommen. Stattdessen ist jetzt von einem "bedarfsorientierten Ausbau" die Rede. Bisher bieten in Deutschland erst gut 2000 der 46.000 Schulen ganztägig Unterricht an. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Hessens Schulministerin Karin Wolff (CDU), sagte, die Länder müssten nach der Einrichtung anschließend für die hohen Personalkosten aufkommen. Ganztagsschulen seien teilweise doppelt so teuer wie herkömmlichen Halbtagsschulen.

Hohe Akzeptanz

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) verwies auf die hohe Akzeptanz der Ganztagschulen bei Eltern, Schülern und auch Lehrern. Das Geld des Bundes gebe den Initiativen in den Ländern "zusätzlichen Schub". Ganztagsbetreuung ermögliche Eltern eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und biete zugleich mehr Zeit, schwächere wie besonders begabte Kinder individuell zu fördern.

Beitrag zu mehr Schulqualität

Übereinstimmend unterstrichen die Bildungsminister von Bund und Länder, die Ganztagsschule sei "kein Allheilmittel" zur Lösung der mit den internationalen Vergleichstests TIMSS, PISA und IGLU aufgedeckten deutschen Schulprobleme. Wohl könne sie aber einen wichtigen Beitrag zu mehr Schulqualität leisten. Bulmahn sagte, in Deutschland dürfe nicht länger die soziale Herkunft eines Kindes über seinen Bildungserfolg entscheiden. Auch Wolff sagte, Ganztagsschulen könnten denjenigen Kinder helfen, die im Elternhaus nicht die notwendige Förderung erhielten. Gleichwohl wolle sie dabei "die Eltern nicht aus ihrer Verantwortung entlassen".

Auch Horte können profitieren

Speziell für die neuen Bundesländer ist in der Vereinbarung vorgesehen, dass auch bestehende Horte von dem Geld des Bundes profitieren können, sofern sie eng mit benachbarten Schulen zusammenarbeiten. Sachsen-Anhalts Kultusminister Jan-Hendrick Olberts (parteilos) sagte, bei einem Schülerrückgang von fast 50 Prozent im Osten sei an einem Neubau von Ganztagsschulen kaum zu denken. Das Ganztagsschulprogramm zielt insbesondere auf die Klassen eins bis zehn ab. Olberts sagte, er strebe auch Ganztagsprojekte in der gymnasialen Oberstufe an.

DPA