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US-Wahlkampf Yale-Professor warnt: "Trump hat eine Geheimpolizei geschaffen"

US-Präsident Donald Trump versucht in den letzten Wochen vor der Wahl vor allem seine Anhänger zu motivieren
US-Präsident Donald Trump will mit allen Mitteln an der Macht bleiben. In den kommenden Wochen vor der Wahl könnte er so noch für einige Überraschungen sorgen.
© Alex Brandon/ / Picture Alliance
Der Historiker Timothy Snyder sagt, dass Donald Trump versuche, in den USA eine Diktatur zu errichten. Im Gespräch mit dem stern vergleicht er den US-Präsidenten wenige Monate vor den Wahlen mit Adolf Hitler.

Der Yale-Professor Timothy Snyder warnte schon vor vier Jahren kurz nach der Wahl eindringlich davor, dass Donald Trump versuchen werde, die amerikanische Demokratie auszuhöhlen. In einem Gespräch mit dem stern erneuert der angesehene Historiker nun seine Mahnung und fühlt sich beim Vorgehen des Präsidenten gar an Adolf Hitler erinnert.

Alarmiert ist Snyder vor allem von Bilder aus der Stadt Portland an der amerikanischen Westküste: vom Einsatz maskierter Bundespolizisten in Tarnkleidung, die Demonstranten in unmarkierte Fahrzeuge zerren. Der renommierte Wissenschaftler sagte dem stern: "In Portland haben wir gesehen, wie Trump eine Geheimpolizei geschaffen hat. Die Truppen wurden dorthin geschickt, nicht um die Situation zu beruhigen, sondern um alles schlimmer zu machen." Trump versuche, damit Aufruhr zu schaffen und könne dann seinen Leuten sagen, dass die Linken einen Staatsstreich ausführten. Diesen Trick habe man schon früher in der Geschichte, etwa beim spanischen Diktator Franco oder im Russischen Reich, gesehen, so Snyder.

Timothy Snyder ist Professor an der Yale University
Timothy Snyder lehrt Geschichte an der Yale University. Sein Buch "Über Tyrannei. 20 Lektionen für den Widerstand" ist ein Bestseller.
© Herbert Pfarrhofer / Picture Alliance

Trumps Umgang mit Corona scharf kritisiert

Mit Blick auf das Coronavirus und den Umgang mit der Pandemie kritisiert Snyder den Präsidenten scharf. "Mit ein bisschen mehr Bereitschaft zur Wahrheit und ein bisschen Führung hätte er viele der 170.000 Verstorbenen im Land vor dem Tod bewahren können. Aber auf diese Idee ist er überhaupt nicht gekommen." Denn: "Trump versteht das Coronavirus als Angriff auf sich. Er ist das Opfer und nicht all die Kranken und Toten im Land." Trump beanspruche für sich, dass ihm die Wahrheit gehöre. Snyder sagt: "Es gibt keine andere. Keine wissenschaftliche, keine historische und keine journalistische. Das muss so sein, wenn man einer Demokratie das Herz herausreißen möchte."

Snyder erkennt deutliche historische Parallelen: "Autoritäre Regierungen entstehen aus einer Republik. Eben nicht durch einen Umsturz, sondern indem Führer die bestehenden Grenzen zu ihrem Nutzen interpretieren, dehnen oder sich Schlupflöcher darin suchen. Sie nutzen dann vermeintliche Notlagen oder staatliche Ausnahmesituationen. So ist auch Hitler 1933 an die Macht gekommen. Die Gemeinsamkeiten sind klar." Ziel Trumps sei es, sein Land in einem Dauer-Ausnahmezustand zu halten.


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