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Reisen in der Coronavirus-Pandemie Maas macht Mut, Griechenland macht auf, Aida und Co. legen ab – Hoffnung auf Sommerurlaub 2021 wächst

Familie am Strand von Palma de Mallorca
Der Traum vom Urlaub: Können wir in diesem Jahr unbeschwert am Strand liegen?
© John-Patrick Morarescu / Zuma Wire / DPA
Wie wird der Sommer? Und vor allem: Wohin geht's im Sommer? Die Aussicht auf Reisen ins Ausland trotz Coronavirus-Pandemie wird besser, aus ersten Urlaubsländern kommen hoffnungsvolle Signale. Ein Überblick.

"Wir dürfen uns Hoffnung machen, dass sich das Leben bald wieder normalisiert, wenn die Infektionszahlen weiter sinken und die Impfkampagne Fortschritte macht." Das sagte Bundesaußenminister Heiko Maas den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Er erwarte dann wieder ein Leben "in normaleren Verhältnissen" und fügte hinzu: "Das schließt Sommerurlaub ein."

Und angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen in ganz Europa hat die Bundesregierung eine wesentliche Hürde für den Sommerurlaub im Ausland aus dem Weg geräumt: Mit einer seit Donnerstag geltenden Verordnung hat sie die generelle Quarantänepflicht bei Einreise aus mehr als 100 Ländern aufgehoben. Darunter sind einige der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen wie Spanien, Italien, Griechenland, Österreich oder die Schweiz. Wer von dort nach Deutschland einreist, kann sich durch einen negativen Corona-Test von der Quarantäne befreien. Für Flugreisende ist dieser Test ohnehin obligatorisch.

Für Genesene und vollständig gegen Corona Geimpfte gehen die Lockerungen sogar noch weiter. Sie müssen nur noch in Quarantäne, wenn sie aus einem Gebiet mit neuen Virusvarianten kommen. Das gilt derzeit für zehn Länder außerhalb Europas, darunter Indien, Brasilien und Südafrika. Geimpfte und Genesene, die aus den etwa 190 anderen Ländern dieser Welt nach Deutschland kommen, müssen sich auch nicht mehr vor oder nach der Einreise auf Corona testen lassen.

Nach mehr als einem Jahr Pandemie wächst damit bei vielen die Hoffnung, ein paar halbwegs unbeschwerte Urlaubstage verbringen zu können. Aus einigen Urlaubsregionen sind positive Signale zu vernehmen. Ein Überblick:

Griechenland macht auf

An diesem Samstag wird in Griechenland offiziell die Tourismus-Saison eingeläutet – Gastronomen, Hoteliers und Ladenbesitzer erwarten sie mit Hoffnung und Bangen gleichermaßen. Auch wegen des Saisonstarts wird in den Urlaubszielen kräftig geimpft – um Touristen mit "covid-freien Inseln" zu locken.

Die Tourismusbranche trägt normalerweise fast 20 Prozent zur griechischen Wirtschaftsleistung bei – und war im vergangenen Jahr wegen Corona um mehr als 75 Prozent eingebrochen. Die einzige Lösung scheint der Kampf gegen das Virus. Zusätzlich zur Aufhebung eines Reiseverbots innerhalb des Landes sollen auch Museen wieder öffnen dürfen. Zudem müssen Bürger künftig das Verlassen ihrer Wohnungen nicht mehr per SMS bei den Behörden anmelden. 

Dennoch werden Griechen und Gäste sich auch künftig an etliche Corona-Auflagen halten müssen. So besteht in Griechenland zum Saisonstart weiterhin ein nächtliches Ausgangsverbot von 0.30 Uhr bis 5 Uhr. Auch müssen in Tavernen, Cafés und an bewirtschafteten Stränden die Tische und Liegen weit auseinander stehen. Die Einreise ist nur mit aktuellem PCR-Test oder einer seit mindestens zwei Wochen abgeschlossenen Impfung möglich.

Kreuzfahrtschiffe legen ab

Am Pfingstwochenende startet die krisengeschüttelte Kreuzfahrtbranche in Kiel die Saison in Deutschland. Nach dem ersten Corona-Schock und dem sommerlichem Neustart 2020 sowie dem erneutem Lockdown im Herbst ist dies der zweite Anlauf, mit dem die Reedereien an den jäh unterbrochenen langjährigen Kreuzfahrtboom anknüpfen wollen.

Den Anfang macht die "Aidasol" der Carnival-Tochter Aida Cruises; das Schiff wird von der schleswig-holsteinischen Hauptstadt zu Kurztouren in die Ostsee aufbrechen. Einen Tag später folgt Tui Cruises mit "Mein Schiff 1" ebenfalls mit "Blauen Reisen", bei denen die Urlauber zunächst ohne Landgang die ganze Zeit auf der Ostsee bleiben. Auch die Tui-Tochter Hapag-Lloyd Cruises startet wenig später von Kiel aus mit dem kleineren Neubau "Hanseatic Inspiration" in die deutsche Saison.

Einmal tief durchatmen: Was die Kreuzfahrtbranche für Hamburg bedeutet

Den "Neustart 2.0" in Kiel verdankt die Kreuzfahrtindustrie den sinkenden Zahlen von Corona-Neuinfektionen in Schleswig-Holstein. Das Land zwischen Nord- und Ostsee hat seit längerem mit Abstand die niedrigsten Werte in Deutschland. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat deswegen den für das Bundesland so wichtigen Tourismus zum 17. Mai geöffnet – unter strengen Vorgaben dürfen Reisende überall ins Land. An den für Kreuzfahrten relevanten anderen Seehäfen in Hamburg, Bremerhaven und Rostock ist es dagegen noch nicht so weit.

Kreuzfahrer selbst wie auch die Besatzungen müssen sich weiterhin auf strenge Hygiene- und Sicherheitsregeln einstellen. Diese Regeln, die schon seit Sommer 2020 branchenweit gelten, sollen ein Debakel, wie den Massenausbruch auf dem Anfang 2020 wochenlang vor Japan unter Quarantäne gestellten Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess", verhindern. Coronatests sind Pflicht, an Bord gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht. Statt am Buffet zu stehen, wird den Gästen das Essen am Tisch serviert. Die Kapazität der Schiffe wird nur rund zur Hälfte ausgeschöpft. Für Infektionsfälle gibt es eigene Protokolle, die sicherstellen sollen, dass Passagiere schnellstmöglich isoliert und alle Kontakte nachverfolgt werden können.

Zurückhaltung auf Mallorca

Sommer-Touristen auf Mallorca und den übrigen Balearen müssen sich wohl auf Urlaub ohne Clubbesuche einstellen. "Erst mit einer höheren Impfrate können wir das Nachtleben wieder öffnen", sagte die Regierungschefin der Inseln, Francina Armengol, den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Durch zu schnelle Öffnungsschritte würden wir die großen Opfer, die unsere Bevölkerung bei der Bekämpfung der Pandemie erbracht hat, gefährden." Priorität habe nun der "verantwortungsvolle Tourismus", man wünsche sich viele Familien, Sport-, Kultur- und Gastronomieurlauber. "Das Nachtleben folgt später, wahrscheinlich nicht mehr in diesem Sommer."

Armengol bezeichnete die Corona-Pandemie zudem als Chance, "den Exzesstourismus hinter uns zu lassen". Auf den Balearen haben man angefangen, einen Qualitätstourismus zu entwickeln, mit mehr Respekt vor der Natur und den Eigenheiten der Regionen. "Corona hat uns noch einmal die Notwendigkeit von verantwortungs- und respektvollem Tourismus gezeigt."

Die Erfahrungen mit der Öffnung für deutsche Touristen seit Ostern seien "sehr positiv" gewesen. Seit mehreren Tagen liegt die Inzidenz auf den Balearen laut Armengol unter 25.

Startschuss in Italien und Österreich

Italien will die Quarantäne für Einreisende aus anderen EU-Ländern an diesem Samstag aufheben. Dann ist ein quarantänefreier Urlaub in der Toskana, in Südtirol oder an der italienischen Riviera für deutsche Touristen wieder möglich. Österreich öffnet pünktlich zum Pfingstwochenende am 19. Mai Gastronomie und Hotels. Touristen aus Deutschland können dann ohne Quarantäne einreisen.

wue DPA AFP

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