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Drahtzieher vor Gericht: 40 Millionen Euro in wenigen Minuten: Das fast perfekte Verbrechen

Bei ihrem Überfall auf eine Maschine der Lufthansa haben Gangster vor wenigen Tagen fünf Millionen US-Dollar erbeutet. Viel lukrativer war der Coup einer Profi-Bande am Airport Brüssel vor sechs Jahren. Jetzt steht der Drahtzieher vor Gericht.

Der Überfall auf eine Fokker 100 der Helvetic Airways ereignete sich am 18. Februar 2012 am Flughafen Brüssel-Zaventem.

Der Überfall auf eine Fokker 100 der Helvetic Airways ereignete sich am 18. Februar 2012 am Flughafen Brüssel-Zaventem.

Die Räuber fuhren mit einem als Sicherheitsfahrzeug getarnten Pick-up aufs Vorfeld, waren als Polizisten getarnt und fragten das Bodenpersonal, das die Frachtmaschine gerade belud, nach einem speziellen Container, den sie einkassierten. Schon nach wenigen Augenblicken war der Spuk vorbei.

Der Überfall, bei dem die Täter Bargeld in Höhe von fünf Millionen US-Dollar erbeuteten, ereignete sich am 4. März auf dem Frachtflughafen von Viracopos bei Campinas in Brasilien. Eine MD-11 der Lufthansa Cargo sollte das Geld nach Frankfurt fliegen. "Es wurde weder gebrüllt noch geschossen", wird eine Flughafensprecherin zitiert. Von den Tatverdächtigen fehlt bis heute jede Spur.

Der filmreife Coup ist nur der jüngste einer ganzen Reihe von professionell vorbereiteten Raubüberfällen, die sich auf Flughäfen in der Vergangenheit ereignet haben. Einer der häufigsten Schauplätze: der Flughafen Brüssel.

In Brüssel waren Profis am Werk

Spektakulär war die Aktion von Diamantenräubern am 18. Februar 2012 am Flughafen Brüssel-Zaventem. Acht schwerbewaffnete Männer in Polizeiuniformen waren auf das Airport-Gelände vorgedrungen und in zwei Wagen mit Blaulicht zu einer am Gate geparkten Fokker 100 der Helvetic Airways gefahren. Die Piloten, die gerade den Start zum Abendflug nach Zürich vorbereiteten, wurden per Laserkanone geblendet.

Die Gangster wussten genau, was sie wollten: Die Ladung eines neben dem Flugzeug geparkten Werttransporters der amerikanischen Firma Brink's, der besondere Fracht aus dem Diamantenzentrum Antwerpen direkt bei der Maschine abliefern wollte. Die potentielle Beute war in kleinen Säckchen verpackt, die nicht im Gepäckbauch der Fokker, sondern im Gangsterfahrzeug landeten. Insgesamt stahlen die Räuber 121 Päckchen mit Diamanten, Goldbarren und Edelsteinen. Wert der Beute: knapp 40 Millionen Euro.

Wie in Brasilien lief auch hier alles in wenigen Minuten ab. Kein Schuss fiel. Erst später, als der Flug mit der Swiss-Flugnummer LX789 gestrichen wurde, erfuhren die Passagiere, was passiert war. Kurz danach wurde das ausgebrannte Fluchtfahrzeug gefunden.

"Ich bin mir sicher, dass es Komplizen gab", kommentierte der französische Sicherheitsexperte Doron Levy den Überfall, den er als "unglaublich gewagt und professionell organisiert" einschätzt. "Wahrscheinlich kannten die Diebe die Angestellten mit Namen."

Klage auf Schadensersatz

Drei Monate später wurden 31 Personen im Zusammenhang mit dem Raubüberfall am Brüsseler Flughafen verhaftet. Inzwischen fordert die Fluggesellschaft Swiss 42 Millionen Euro Schadensersatz. Im Februar 2018 begann der Prozess gegen den Hauptverdächtigen Marc Bertoldi.

Der Franzose hat bereits gestanden, einen Teil der Beute weiterverkauft zu haben. Auch fiel auf, dass weitere Beschuldigte "in erstaunlichen Ausmaß" hohe Schulden zurückzahlen konnten. Bei Hausdurchsuchungen im Mai 2013 wurden Masken und kugelsichere Westen bei den mutmaßlichen Tätern gefunden, die als Beweis für ihre Teilnahme am Diamantenraub ausgelegt werden.

Der Überfall hatte Flugsicherheitsexperten wie den Briten Philip Baum alarmiert: "Es beunruhigt mich, dass jemand die Zeit hat, mit zwei Fahrzeugen auf das Rollfeld zu fahren, den Raub auszuführen und wieder wegzufahren, ohne dass er gestoppt wird." Denn Brüssel war als Drehscheibe für den Diamantenhandel im benachbarten Antwerpen schon häufiger Schauplatz von Beutezügen.

1995 sollen aus einem startbereiten Flugzeug der Swissair mehrere Geldsäcke von Angestellten der belgischen Fluggesellschaft Sabena gestohlen worden sein. 2002 fischten fünf Mitarbeiter des Flughafens beim Verladen Edelsteine im Wert von 1,5 Millionen Euro aus Postsäcken. 18 Monate davor überfielen vier Kriminelle das Auto einer Sicherheitsfirma mit mehreren Kassetten, die in einen Airbus der Lufthansa mit Zielort Frankfurt geladen werden sollten. Wert der Fracht damals: mehr als 12 Millionen Euro.

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