Pilgerstätten Das London der Prinzessin Diana

Ein bisschen Diana ist überall: Die Stationen der Prinzessin - ob Taj Mahal oder Paris - sind zu Pilgerstätten für Touristen geworden. Mekka für "Dianaisten" ist nach wie vor London. stern.de stellt die ultimativen Orte für Diana-Fans vor.
Von Jens Maier

Das Foto ging um die Welt: Eine traurige Diana sitzt einsam auf einer weißen Marmor-Bank vor dem Taj Mahal. Die Beine verkrampft übereinander geschlagen, den Kopf gesenkt. Das war bei ihrem Staatsbesuch in Indien im November 1992, als längst klar war, dass ihre Ehe mit Charles nur noch ein Trümmerfeld ist. Die Bank ist seitdem zu einer Art Diana-Gedenkstein geworden. Tausende von Touristen lassen sich jedes Jahr auf ihr ablichten - im Gedenken an die Prinzessin.

Zehn Jahre nach ihrem Tod, der sich am 31. August jährt, ist die Flut der amerikanischen, japanischen und europäischen Touristen ungebrochen, die auf der Jagd nach Orten sind, die in irgendeiner Beziehung zur Prinzessin von Wales stehen. Kaum ein Platz, an dem sie mal gelebt, entlang gegangen oder gesessen hat, wird von ihren Anhängern ausgelassen. Und dann gibt es da noch die Plätze, an denen man als "Dianaist" unbedingt gewesen sein muss.

Der Todestunnel in Paris

Wie am Autotunnel in Paris, in dem sie ums Leben gekommen ist. Die Einfahrt an der Place de l’Alma ist der Treffpunkt zahlreicher Diana-Touristen. Jeden Tag fotografieren sich hunderte mit dem Unglückstunnel im Hintergrund. Selbst im Tunnel, am Pfeiler 13, an den der Mercedes von Diana und Dodi prallte, machen verrückte Fans Fotos und riskieren dabei Ärger mit der Polizei - und ihr eigenes Leben. Und wer es sich leisten kann, wohnt in Paris selbstverständlich im "Ritz". Dem Hotel, das Dodis Vater Mohammed al-Fayed gehört, und in dem Diana und Dodi ihr letztes Abendessen zu sich nahmen.

Obwohl London bis heute nicht mal eine offizielle Diana-Statue vorweisen kann, gibt es hier die meisten Plätze, die in irgendeiner Verbindung zur Prinzessin stehen. Ob Orte des Glücks, wie die Saint Pauls Cathedral, in der die Märchenhochzeit zwischen ihr und Prinz Charles stattfand; Orte des Leids, wie die Fleet Street, in der die junge Diana Spencer schon früh von Paparazzi gejagt wurde; oder Orte der Trauer, wie der St. James Park, dessen Zaun zum Buckingham Palace sich nach Bekanntwerden ihres Todes in ein Blumenmeer verwandelte.

London-Rundgang für Diana-Fans

Und anders als in Paris, wo das Fremdenverkehrsamt den Diana-Tourismus strikt ablehnt, hat die Stadt in London sogar einen Rundgang für Diana-Fans eingerichtet, den "Diana Princess of Wales Memorial Walk". Die Tour führt durch vier Parks, vorbei an drei Palästen und zwei Herrenhäusern und zahlreichen Plätzen, die alle eine mehr oder weniger wichtige Rolle im Leben der Prinzessin spielten. Zur Orientierung gibt es 90 im Boden eingelassene Plaketten, die den Weg weisen.

Los geht's am Kensington Palast, dem Wohnsitz der Prinzessin. Wer die 11,8 Kilometer bis zum Ende durchhält, kommt am Schluss am Clarence House an, in dem Queen Mum lebte und Di die Nacht vor ihrer Hochzeit verbrachte. Daneben werden aber auch eher unwichtige Orte angesteuert, wie der kitschige Diana-Playground, ein Kinderspielplatz zu Ehren der Prinzessin mit Wasserspielen und Peter-Pan-Schiff.

Die sieben Orte, die Diana-Fans in London auf keine Fall missen sollten, hat stern.de zusammengestellt (siehe Kasten). Nur ein Ort blieb selbst uns verwährt: Althorp, der Familiensitz der Spencer-Familie, wo Diana ihre letzte Ruhestätte gefunden hat. Besucher können zwar das Herrenhaus besuchen, in dem Diana aufgewachsen ist, das Grabmal auf einer Insel in einem Teich ist für Besucher und Journalisten allerdings tabu. An Dianas Todestag, am 31. August, ist das Anwesen geschlossen. Dann kommen die Prinzen William und Harry und rudern gemeinsam mit ihrem Onkel Charles Spencer, Dianas Bruder, hinüber zum Inselgrab ihrer Mutter.

Service

Anreise

British Airways fliegt täglich von Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und München nach London Heathrow. Seit März bietet British Airways außerdem eine tägliche Verbindung zwischen Dresden und London Gatwick an. Oneway-Tickets gibt es ab 53 Euro inklusive Steuern und Gebühren und 6 Euro Buchungsentgelt (Beispielpreis ab Stuttgart, Preise ab anderen Flughäfen variieren). Alle Informationen zu den Angeboten von British Airways gibt es auf www.ba.com

Übernachtung

Günstige Zimmer sind rar in London. Eine kleine und feine Adresse ist das Hotel "Base2Stay" in Kensington - unweit der Paläste und in einem typischen Londoner Viertel. Das Häuschen im viktorianischen Stil wurde komplett umgebaut und bietet moderne und komfortable Zimmer ab 89 Pfund (Einzel) oder 99 Pfund (Doppel). Mehr Informationen und Buchung unter www.base2stay.com. Ebenfalls eine günstige Adresse ist das Hotel Hoxton. Das junge Designer Hotel, das den Gästen das Frühstück in einer Lunchbox aufs Zimmer serviert, bietet Zimmer ab 99 Pfund. Mehr Informationen unter www.hoxtonhotels.com

Kensington Palace

Heute erinnert in dem kleinen Palast mitten in London nur noch wenig an Diana, die dort von nach der Scheidung von Prinz Charles bis zu ihrem Tod ihren Wohnsitz hatte. Einzig in der Ausstellung der königlichen Garderobe, in der Kleidungsstücke von Königin Elizabeth II. gezeigt werden, können Diana-Fans noch fündig werden: Darunter befindet sich auch eine Auswahl an Kleidern der Prinzessin. Trotzdem ist der Kensington Palace ein Muss für alle "Dianaisten".

Wie für eine Reisegruppe aus Salzgitter an diesem grauen Samstagmorgen. Sie sind nur zum Kensington Palace gekommen wegen ihr - der Königin der Herzen. Die vier Frauen im Alter zwischen 50 und 65 Jahren haben Blumen gekauft - weiße Lilien, Dianas Lieblingsblumen. Marie wurde von ihrer Gruppe auserwählt, den Strauß am Zaun abzulegen. Mit Tränen in den Augen schiebt sie ihn zwischen die dunklen Eisenstäbe. Dann halten die vier Damen inne - trauern um Diana, zehn Jahre nach ihrem Tod.

Der Blumenteppich, der den Vorplatz und den Zaun des Kensington Palace im September 1997 bedeckte, ist längst verschwunden. Die Erinnerung daran ist geblieben. Und noch immer kommen jeden Tag Besucher aus aller Welt an den Zaun des Grundstücks, um im Gedenken an Diana Blumen abzulegen. Meist mit einem kleinen Zettel mit einem Foto von Diana und einer Botschaft: "Wir werden dich nie vergessen."

Von der Vorgeschichte des Palastes wissen die meisten Besucher nur wenig. Sie kommen, weil Diana hier gewohnt hat. Dass Prinzessin Victoria 1819 hier geboren und 1837 als Königin hier aufgewacht ist, interessiert die meisten ebenso wenig wie die wertvolle Gemäldesammlung in den aufwändig gestalteten Innenräumen. Wer eine der mit Audioguide geführten Touren durchs Haus macht, wird zumindest darüber hören.

Für Diana-Fans ist die Tour allerdings nichts. Kein Wort wird darüber verloren, welchen der Räume Diana nun besonders mochte, wo sie viel Zeit verbrachte und vor allem, wo sie sich vielleicht mit einem ihrer Liebhaber traf. Der Kensington Palace gehört schließlich der königlichen Familie, die sich von der Gerüchte-Küche um die Prinzessin von Windsor distanziert.

Marie und ihre Freundinnen verzichten auf einen Rundgang. "Zu teuer", sagen sie - immerhin kostet der Eintritt 11 Pfund. Und außerdem wartet auf die vier schon die nächste Begegnung mit Diana: Ein Besuch in der St. Paul's Cathedral.

St. Paul's Cathedral

Es war der Beginn eines modernen Märchens, als Prinz Charles und Lady Diana als frisch vermähltes Paar 1981 die Sankt Paul Kathedrale in London verließen. Glücklich sah das junge Paar aus und Millionen von Fernsehzuschauern in aller Welt nahmen an ihrem Glück Anteil. Doch nur elf Jahre später wurde klar, dass das Märchen ein Albtraum war und das verhängnisvolle Schicksal von Diana auf den Treppenstufen der Kirche seinen Anfang nahm.

Die St. Paul's Cathedral ist eines der bedeutendsten Wahrzeichen Londons. Das muss an ihrer Kuppel liegen. Sie ist die größte der Stadt und ragt stolz zwischen den Hochhäusern in der Square Mile hervor. Wie durch ein Wunder hat die Kuppel auch die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg überstanden und ist den Londonern Symbol für Vitalität und Stolz.

Die meisten Besucher der Kathedrale steuern deshalb schnurstracks den Weg auf die Kuppel zu. 530 Stufen - ohne Fahrstuhl - wollen überwunden werden, um oben den Ausblick auf die Stadt zu genießen. Der Aufstieg ist weder Leuten mit Höhenangst noch Klaustrophobiern zu empfehlen. Die Treppengänge sind teilweise so eng, dass dicke Amerikaner drohen zwischen den Wänden stecken zu bleiben.

Auf halben Weg bietet sich allerdings eine Verschnaufpause in der so genannten "Whispering Gallery" an. Angeblich versteht man jedes geflüsterte Wort noch auf der gegenüberliegenden Seite. Den Test der meisten Besucher besteht die Flüstergalerie allerdings nicht. Verzweifelt wird das Flüstern immer lauter, bis man es sogar unten in der Kypta noch verstehen müsste.

An die legendäre Hochzeit von Charles und Diana erinnert heute in der Kathedrale nichts mehr. Dennoch verewigen sich viele Touristen genau dort, wo Diana und Charles 1981 beim Verlassen der Kirche kurz stehen geblieben sind, ehe sie in einer goldenen Kutsche durch die Stadt gefahren wurden.

Young England Kindergarten

Das Bild ging um die Welt und war symptomatisch für ihr weiteres Leben: Wenige Tage vor der Bekanntgabe ihrer Verlobung mit Prinz Charles, am 24. Februar 1981, waren die Fotografen hinter Diana her. Als sie ihre damalige Arbeitsstätte, den Young England Kindergarten im Stadtteil Pimlico verließ, wurde sie von mehreren Jornalisten belagert. Diana, verfolgt von dem Tross, blickt ängstlich und schüchtern in die Kamera.

Bis zu ihrer Hochzeit mit Prinz Charles arbeitete Diana noch als Kindergärtnerin im Young England Kindergarten - wenn auch später unter dem Schutz von Scotland Yard. Der Kindergarten existiert bis heute. Wer sich für die einstige Wirkungsstätte der Prinzessin interessiert, kann ihm direkt am St. Georges Square zumindest von außen einen Besuch abstatten.

National Portrait Gallery

Aus Anlass ihres zehnten Todestages am 31. August ist Prinzessin Diana eine Ausstellung gewidmet, die zurzeit in der National Portrait Gallery in London stattfindet. 15 Fotos der Princess of Wales zeigen sie als Ehefrau, Prinzen-Mutter, Helferin und Stil-Ikone - von ihrer Verlobung mit Prinz Charles 1981 bis zu einem Protest gegen Landminen in Angola 1997. Im Mittelpunkt steht eine Schwarzweißaufnahme des bekannten peruanischen Mode-Fotografen Mario Testino: Diana lachend in einem eleganten schwarzen Abendkleid.

Eine kleine, aber feine Ausstellung, die nicht wirklich etwas Neues zeigt, aber ein unterhaltsamer Streifzug durch das Leben einer der meist fotografierten Frauen der Welt ist.

Westminster Abbey

Fast alle englischen Monarchen wurden hier gekrönt - auch Königin Elizabeth II. - und fast alle wurden hier beerdigt. Viele Touristen kommen heute jedoch nicht wegen des Thronstuhls, nicht wegen den Gräbern von Sir Isaac Newton oder Georg Friedrich Händel. Nein, sie kommen, weil sie dort stehen wollen, wo ihr Sarg stand, dort, wo England von Prinzessin Diana Abschied genommen hat.

Am 6. September 1997 fand in Westminster-Abbey die Trauerfeier für die verstorbene Prinzessin statt. Die Trauergemeinde von 1900 Menschen füllt die Kirche bis auf den letzten Platz. Mit dabei ist die komplette königliche Familie, die Familie Dianas und zahlreiche prominente Gäste - unter anderem Elton John.

Um 10.08 Uhr schlägt die Totenglocke vom Turm von Westminster Abbey zum ersten Mal. Der Trauerzug mit dem Sarg Dianas verlässt den Kensington-Palast, ihren letzten Wohnsitz. Von nun an schlägt die Totenglocke jede volle Minute - bis zur Ankunft in Westminster Abbey. Um Dianas Sarg ist die blau-rot-goldene Königs-Standarte gehüllt. Drei weiße Blumengestecke schmücken ihn. Das erste ist ein kleines, rundes Gesteck aus kleinen weißen Rosen, darin ein Brief von Harry. Man kann das handgeschriebene Wort ,,Mummy" lesen. ln der Mitte ein weißes Gesteck aus Lilien - die Lieblingsblumen der Prinzessin. Sie stammen von ihrem Bruder, Earl Spencer. Dahinter weiße Tulpen mit einer goldenen Schleife. Es ist der letzte Gruß von Dianas Sohn William.

Höhepunkt der Trauerfeier war das Abschiedslied von Dianas persönlichem Freund Elton John. Er hat sein Lied "Candle in the wind" umgetextet in "Goodbye England's Rose". Als er es singt, weint nicht nur die halbe Welt, sondern auch die Prinzen William und Harry. Die BBC zeigt ihre Gesichter nicht. Vor der Trauerfeier gab es strikte Anweisung an die Kameraleute, während des Gottesdienstes nicht die Objektive auf die trauernden Familienmitglieder zu richten. Sie haben sich daran gehalten.

Princess Diana Memorial Fountain

Es ist die einzige offizielle Gedenkstätte für Diana in London: Ein Brunnen und Spielplatz im Hyde Park trägt ihren Namen und wurde 2004 eröffnet. Seitdem sorgt die Anlage immer wieder für Kontroversen. Nicht nur, weil viele Diana-Fans nach wie vor eine Statue für die verstorbene Prinzessin fordern, sondern auch, weil der Brunnen kurz nach seiner Eröffnung wieder geschlossen werden musste.

Die Anlage wurde von Kathryn Gustafson entworfen und sollte Kinder und Erwachsene dazu einladen, im Sommer durch den langgestreckten Brunnen zu waten. Da die Fans aber in Strömen kamen, wurde der angrenzende Rasen schnell schlammig. Matsch verstopfte die Abflüsse und bei Regen verwandelte sich die ganze Anlage in eine große Pfütze. Das führte dazu, dass mehrere Menschen in dem Granitbecken stürzten und sich verletzten - der Brunnen musste geschlossen werden.

Ein Jahr später, 2005, wurde der Brunnen dann wieder eröffnet - nach erheblichen Umbauarbeiten. Ein Kiesweg verhindert jetzt das Schlammbad und Parkwächter passen auf, dass Besucher nur noch ihre Zehen ins Wasser stecken. Baden im Diana-Brunnen ist verboten.

Trotz der Kontroversen um den Bau und die Frage, ob ein Brunnen das Andenken an die Prinzessin würdigt, ist die Anlage bei Londonern und Touristen sehr beliebt. Die Menschen schauen gebannt dem Wasser zu, das vom höchsten Punkt herabfließt. Eine Umfrage ergab sogar, dass der Brunnen nach dem Riesenrad "London Eye" für das zweitwichtigste moderne Wahrzeichen Londons halten.

Harrods

An Kitsch nicht zu überbieten dürften die beiden Bronzestatuen sein, die mitten im Edelkaufhaus "Harrods" direkt unter der "ägyptischen Rolltreppe" stehen. Harrods Inhaber und Vater von Dodi, Mohamed Al Fayed, hat die Statue aufstellen lassen - sehr zur Entrüstung des Establishments. Immerhin ist es die einzige Diana-Statue, die es in London gibt.

"Innocent Victims", unschuldige Opfer, heißt das Werk, das Prinzessin Diana und Dodi Al Fayed zeigt. Die beiden werden als Liebespaar dargestellt, die sich einander zugewandt an den Händen fassen und tief in die Augen blicken.

Dodi und Diana in Lebensgröße - diese Statue werde für immer hier bleiben, sagte Mohamed Al Fayed bei der Einweihung. Seit dem Tod der beiden steht im Untergeschoss des Kaufhaueses ein Schrein mit Fotos von Diana und Dodi, umrahmt von mediterranen Gewächsen und Skulpturen.

An der Wand ist eine Gedenktafel angebracht, daneben steht das Kondolenzbuch. Was dort teilweise als Erinnerung an Diana nierdergeschrieben wird, gleicht dem Kitsch drumherum. Mit einem Unterschied: Es kommt aus tiefstem Herzen.


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