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Schweinegrippe auf Mallorca: Ohne Mundschutz zum Ballermann

Die erste Schweinegrippe-Tote auf Mallorca und viele deutsche Heimkehrer mit Grippe-Symptomen bescheren der Baleareninsel negative Schlagzeilen. Doch Veranstalter und Behörden reagieren gelassen - schließlich steht viel auf dem Spiel.

Der erste Todesfall, die Zahl der Infizierten steigt, und in Deutschland häufen sich die Meldungen über Urlauber, die sich auf Mallorca mit dem H1N1-Virus angesteckt haben sollen. Mitten in der Hauptsaison kommen solche Schlagzeilen höchst ungelegen, zumal die Tourismusbranche angesichts der Wirtschaftskrise ohnehin schon schwierige Zeiten durchmacht.

Die Regierung in Palma beschwichtigt: "Die Balearen sind ein sicheres Urlaubsziel. Wir sind total darauf vorbereitet, der Schweinegrippe die Stirn zu bieten", betonte Sprecherin Joana Barceló am Wochenende. Auch die Vorsitzenden des mallorquinischen und des balearischen Hotelverbandes, Antoni Horrach und Aurelio Vàzquez, mahnten zur Gelassenheit. Stornierungen habe es bislang nicht gegeben.

"Infektionsherd Ballermann"

Das Robert Koch-Institut in Berlin und diverse Gesundheitsämter berichten von infizierten Spanien- und Mallorca-Rückkehrern. Die Behörden auf den Balearen wiegeln ab. "Wir befinden uns in der Phase einer Pandemie, das H1N1-Virus zirkuliert inzwischen weltweit", heißt es im Gesundheitsministerium in Palma. Die betroffenen Bundesbürger könnten sich daher genauso gut irgendwo in Deutschland angesteckt haben. Von einem "Infektionsherd Ballermann" könne nicht die Rede sei. Maßnahmen wie etwa Kontrollen am Flughafen seien unnütz.

Außerdem seien Mallorca, Ibiza und Menorca mit derzeit 26 bestätigten Schweinegrippe-Fällen im landesweiten Vergleich - in ganz Spanien gibt es fast 1300 Infizierte und vier Tote - kaum betroffen. Laut balearischem Gesundheitsministerium gibt es 17 Fälle auf Mallorca, acht auf Ibiza und einen auf Menorca. Die Betroffenen seien zwischen 18 und 40 Jahre alt. Ihr Zustand sei gut. Spanische Mallorca-Urlaubern würden im Gegensatz zu deutschen Urlaubern nicht verstärkt unter Grippesymptomen leiden.

Vorsichtsmaßnahmen im Ferienflieger

Auch die deutsche Tourismusbranche hätte viel zu verlieren, wenn das Sommergeschäft aufgrund der Schweinegrippefälle einbrechen würde. Bei der Fluggesellschaft Air Berlin, die täglich mit mehreren Flugzeugen Urlauber auf die Insel bringt und wieder zurückfliegt, wurden die Vorsichtsmaßnahmen seit den ersten Fällen der Schweinegrippe in Mexiko eingeführt und seitdem nicht verändert. "Wir halten die Vorschriften des Gesundheitsministeriums ein, das Personal ist entsprechend geschult", so eine Sprecherin von Air Berlin. Sollten während eines Fluges Symptome bei einem Passagier auftauchen, informiert der Pilot die deutschen Behörden. Verstärkte Nachfragen von besorgten Urlaubern oder gar Stornierungen habe man noch nicht registriert.

So lautet auch der Tenor bei den beiden größten Reiseveranstaltern Tui und Thomas Cook. "Wir haben seit dem Wochenende ein paar mehr Nachfragen in unserem Callcenter", so eine Sprecherin der Tui. Der Informationsbedarf sei aber nicht mehr so hoch wie bei Ausbruch der Krankheit in Mexiko. Die Schweinegrippe wird bei Tui als globales Problem gesehen, Reisende nach Spanien seien nicht gefährdeter als Urlauber in anderen Ländern.

Die Kunden des Veranstalters Thomas Cook haben sich offensichtlich selbst gut informiert und eingelesen. Nachfragen oder gar Stornierungswünsche gebe es nicht, so eine Sprecherin. Vor Ort würden die Urlauber durch die Reiseleiter auf dem Laufenden gehalten. Auch das Flugpersonal der Condor sei gut geschult, sollte es an Bord Auffälligkeiten geben.

Arzt: Erste Fälle nur "Spitze des Eisbergs"

Die auf Mallorca gestorbene Nigerianerin arbeitete laut Polizei als Prostituierte. Beim Arzt habe sie die Versicherten-Karte einer anderen Frau vorgelegt, hieß es am Sonntag in der Presse. Dadurch seien die Mediziner von einen falschen Krankengeschichte ausgegangen und hätten sie nicht adäquat behandeln können. Die 32-Jährige erlag einer akuten Lungenentzündung.

Ärzte wie Jaume Orfila vom Son-Dureta-Krankenhaus in Palma halten die bekannten Fälle auf den Balearen allerdings nur "für die Spitze des Eisbergs", weil sich das Virus sehr schnell ausbreite. In der Zeitung "Diario de Mallorca" wies er jedoch darauf hin, dass die Schweinegrippe nicht gefährlicher sein müsse als die gewöhnliche saisonale Grippe.

Kritik an Gesundheitsbehörden

Nach dem Tod der Nigerianerin am vergangenen Donnerstag in Palma ist Kritik laut geworden. Freunde und eine Cousine der 32-Jährigen, die in Calviá als Prostituierte gearbeitet haben soll, warfen den balearischen Gesundheitsbehörden einen Mangel an Information vor. Sie hätten erst aus der Zeitung erfahren, dass sie am H1N1-Virus starb. Ähnliche Vorwürfe kamen vom Personal des Krankenhauses: Obwohl die junge Frau auf mehreren Stationen des Hospitals behandelt wurde, seien Krankenschwestern und Ärzte nicht gewarnt worden, besondere Vorkehrungen zu treffen, um eine Ansteckung zu vermeiden.

"Der Versuch, in Sachen Schweinegrippe etwas zu verbergen oder herunterzuspielen, wäre ein grober Fehler", warnte die Zeitung "Ultima Hora". Dies würde nur Spekulationen, Gerüchte und Halbwahrheiten nähren. "Daraus könnte ein explosiver Cocktail entstehen, der Unruhe schürt und von unseren Konkurrenten im Tourismusgeschäft ausgenutzt werden würde."

swd/DPA / DPA

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