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Follow Me: London City Airport: Europas verrücktester Flughafen

Nur bestimmte Flugzeuge mit speziell ausgebildeten Piloten dürfen auf Londons Stadtflughafen landen. Denn nicht nur die Wege in die City sind kurz, sondern auch die Piste. Einzigartig sind auch das Nachtlandeverbot und der Tower - er steht in 110 Kilometern Entfernung.

London City Airport

Eine steil in den Abendhimmel startende Maschine auf dem London City Airport. Im Hintergrund setzt eine weitere zum Landeanflug an.

Der Jet verliert rapide an Höhe. Fast wie ein Stein geht es nach unten. Die Dächer der Hochhäuser kommen bedenklich nahe. Der Landeanflug auf den London City Airport unterscheidet sich wesentlich von allen anderen Flughäfen, nicht nur in London. Kein Wunder, denn der Gleitpfad zur Piste des kleinsten Londoner Flughafens beträgt 5,5 Grad - im Gegensatz zu den sonst üblichen drei Grad.

Durch die Nähe zum Finanzzentrum ist der Airport besonders bei Bankern beliebt. In den Morgenmaschinen aus Frankfurt, Zürich und Mailand sitzen auffallend viele Geschäftsleute mit Anzug, Schlips und weißem Hemd. Sie wissen die Vorteile des vor 30 Jahren eröffneten Flughafens mit dem Kürzel LCY zu schätzen: keine endlosen Korridore und Schlangen vor den Einreiseschaltern wie in London-Heathrow, Gatwick, Luton oder Stansted.

Steiler Anflug von Westen über den Finanial District: eine vierstahlige Avro RJ100 von Cityjet und weitere vor dem Terminal.

Steiler Anflug von Westen über den Finanial District: eine vierstahlige Avro RJ100 von Cityjet und weitere vor dem Terminal.

In fünf Minuten geht es vom Flugzeug durch die Kontrolle bis zum Bahnsteig der Docklands Light Railway (DLR). Die Maschinen rollen direkt vor dem Terminal aus, meist sind es nur wenige Schritte ins Gebäude, in dem auch die fahrerlose Hochbahn über Canning Town mit Anschluss an das Tube-Netz bis zur Station Bank fährt - in nur 20 Minuten. In derselben Zeit hat man in Heathrow gerade erst das Gepäckband zu Fuß erreicht.

Flugzeuge statt Ozeanschiffe

Die Idee eines stadtnahen Airports entstand in den 1980er Jahren im Zusammenhang mit einem Masterplan für das 20 Quadratkilometer große Brachgelände im Osten Londons. Durch den Umstieg auf Containerhandel und andere Industrieproduktionen verkam das alte Hafengebiet, wo noch in den 50er Jahren große Ozeanschiffe festmachten und ihre Stückgutladung löschten. Jetzt starten und landen in den East London Docklands die Flugzeuge, die 2016 mehr als 4,5 Millionen Passagiere transportierten.

Die nur 1500 Meter lange Betonpiste im Hafenbecken. Im Hintergrund rechts die Ausstellungshallen der Messe ExCel und die weiße Kuppel des Millennium Dome an der Themse-Schleife. 

Die nur 1500 Meter lange Betonpiste im Hafenbecken. Im Hintergrund rechts die Ausstellungshallen der Messe ExCel und die weiße Kuppel des Millennium Dome an der Themse-Schleife. 

Für Piloten stellte der City Airport eine besondere Herausforderung dar. Denn die Piste ist mit 1508 Metern extrem kurz und schmal - in Heathrow hat die Startbahn eine Länge von 3902 Metern. Daher müssen nicht nur die Hersteller der Flugzeuge den Nachweis erbringen, dass ihre Maschinen den steilen Anflug, "steep approach" genannt, bewerkstelligen, sondern auch die Piloten über ein Minimum an Flugerfahrung verfügen, um mit dem Anflugtraining zu beginnen: "Piloten, die bereits zuvor mit dem Avro RJ100 nach London City geflogen sind, müssen 150 Flugstunden auf der CS100 absolvieren, bevor sie die Schulung für den Stadtflughafen erhalten", sagt Peter Koch, der Flottenchef der neuen Bombardier CS 100 der Swiss in der "Aero International". "Wer London City noch nie angeflogen hat, benötigt 300 Stunden Flugerfahrung im Cockpit der CS100."

Nach dem Steep Approach auf den City Airport: Die Bombardier CS100 der Swiss fliegt auf der Zürich-Route erst seit August 2017. Das derzeit größte zertifizierte Flugzeuge für diesen Flughafen.

Nach dem Steep Approach auf den City Airport: Die Bombardier CS100 der Swiss fliegt auf der Zürich-Route erst seit August 2017. Das derzeit größte zertifizierte Flugzeuge für diesen Flughafen.


Als Queen Elizabeth II den City Airport am 5. November 1987 eröffnete, war die Piste nur 1030 Meter lang und die Domäne des Avro-Regionaljets, ein Vierstrahler mit STOL-Eigenschaften für ein "Short Take-Off and Landing".

Inzwischen sind unter anderem Propellermaschinen vom Typ Fokker 50, Bombardiers der Q-Series, ATR 42 und 72 zugelassen sowie die Embraer-Jets, mit denen auch die Lufthansa ab Frankfurt fliegt.

Mehr als 30 Ziele stehen auf dem Flugplan. Die meisten Flüge werden von BA City Flyer angeboten, einer Tochterfirma von British Airways mit 20 Embraer-Jets. Doch neben den europäischen Metropolen von Rom, Prag und Paris gibt es auch einen ganz besonderen Flug mit dem prestigeträchtigen Kürzel BA1.

One-Stop-Flug nach Manhattan

Airbus A318 mit der Flugnummer BA1

Fliegt sechs Mal in der Woche vom City Airport nach New York: Der Airbus A318 mit der Flugnummer BA1 rollt zum Start.

Dieser British-Airways-Flug ist der einzige Langstreckenflug ab LCY, der mit einem Stopp im irischen Shannon nach New York führt. In Irland werden auch die Einreiseformalitäten für die USA erledigt. Zum Einsatz kommt der kleinste und kürzeste Airbus, ein A318 mit nur 32 Sitzplätzen. Der Jet mit reiner Business-Class-Bestuhlung ist der einzige Airbus, der für "steep approaches" im steilen Gleitwinkel zugelassen ist. Da die Maschine wegen der kurzen Piste nicht vollgetankt starten kann, muss ein Tankstopp eingelegt werden. Allerdings erfolgt der Rückflug vom JFK-Airport nonstop.

Vor dem Losrollen: Um die kurze Startbahn des für den Nebel berüchtigten London City Airport optimal zu nutzen, geben die Piloten Vollgas und lösen erst dann die Bremsen. 

Vor dem Losrollen: Um die kurze Startbahn des für den Nebel berüchtigten London City Airport optimal zu nutzen, geben die Piloten Vollgas und lösen erst dann die Bremsen. 

Samstags findet dieser Flug nicht statt, denn es herrscht ein striktes Nachtlandeverbot für die Anwohner: werktags ab 22:30 bis 6:30 Uhr, am Wochenende von Samstag 13 bis Sonntag 12:30 Uhr.

Airport mit Fernsteuerung

Eine weitere Besonderheit kennzeichnet den Airport. Noch sitzen die Fluglotsen im eigenen Tower. Dieses Jahr hat der City Airport jedoch angekündigt, dass in naher Zukunft der Flugbetrieb ferngesteuert wird, von der Zentrale des National Air Traffic Services (NATS) im 110 Kilometer entfernten Swanwick, einem Dorf in der englischen Grafschaft Hampshire.

Blick auf Live-Bilder per Fernübertragung: Der City Airport wird vom den Fluglotsen der National Air Traffic Services (NATS) Swanwick in Hampshire gesteuert.

Blick auf Live-Bilder per Fernübertragung: Der City Airport wird vom den Fluglotsen der National Air Traffic Services (NATS) Swanwick in Hampshire gesteuert.


Dort sehen die Fluglotsen auf 14 HD-Screens mit 360-Grad-Live-Bildern den Flugbetrieb und steuern die zum Teil komplizierten Rollmanöver am Boden, da die Piste gleichzeitig der Taxiway für Flugzeuge ist. Schon im Jahre 2019 soll Großbritanniens erster digitaler Tower seine vollständige Arbeit aufnehmen.

Längst ist der City Airport auch kein Geheimtipp nur für Banker und Geschäftsreisende mehr. Wer früh bucht, landet zum günstigen Tarif in Londons Innenstadt. Umgekehrt nutzen Londoner diesen Flughafen als Ausgangspunkt für Sommertrips nach Mallorca und Winterausflüge in die Alpen.

Mit der Bombardier C-Series von Swiss über den Alpen


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