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Follow Me: Warum ein Jumbojet mit fünf Triebwerken abhebt

Wie ein fünftes Rad am Wagen: Eine Boeing 747 von Qantas fliegt heute mit einem dritten Triebwerk unter dem linken Flügel von Australien nach Südafrika - aus einem ganz besonderen Grund. 

Wie ein fünftes Rad am Wagen: Eine Boeing 747 von Qantas fliegt heute mit einem dritten Triebwerk unter dem linken Flügel von Australien nach Südafrika - aus einem ganz besonderen Grund.

Das weiß eigentlich jedes Kind: Eine Boeing 747 bezieht ihren Schub aus vier Triebwerken. Doch wartende Passagiere am Flughafen Perth trauten ihren Augen nicht: In der westaustralischen Stadt landete ein Jumbojet von Qantas mit einer auffälligen Triebwerkskonfiguration und einer höchst asymmetrischen Gewichtsverteilung: zwei Turbinen unter dem rechten Flügel und drei unter dem linken.

Bei genauerem Hinsehen stellte sich heraus, dass das fünfte Aggregat zwischen Engine Nummer zwei und dem Flugzeugrumpf angebracht war. Dabei handelt es sich um ein zehn Tonnen schweres Ersatztriebwerk, dass für eine andere Maschine gedacht war.

"Sie wissen vermutlich nicht, dass die 747 die Fähigkeit besitzt, ein fünftes Triebwerk zu transportieren", erklärt die Fluggesellschaft auf ihrer Website. "Das zusätzliche Triebwerk ist während des Fluges nicht einsatzbereit". Denn bei der unübersehbaren Luftfracht handelt es sich ein überdimensionales Ersatzteil, das mit einem regulären Linienflug von Sydney nach Johannesburg geflogen wird, wo ein anderer Jumbojet der Qantas das Triebwerk dringend benötigt.

Damit entfällt der langwierige Transport per Seefracht oder die wesentlich teurere Beförderung mit einem Cargo-Flugzeug quer über den Indischen Ozean. Der Jumbojet von Qantas ist extra mit dem Zusatzfeature des Ersatzteiltransportes unter dem linken Flügel ausgestattet. Doch das "fünfte Podding", wie es in der Fachsprache heißt, kommt nur selten vor, denn Düsentriebwerke der neueren Generation erweisen sich als äußerst zuverlässig und werden im Wartungsbetrieb regelmäßig ausgetauscht. Zuletzt transportierte Qantas ein Ersatztriebwerk auf diesem Wege vor fünf Jahren.

Die Mitnahme eines fünften Triebwerks verringert allerdings die Nutzlast, erhöht den Luftwiderstand und damit den Kraftstoffverbrauch. Außerdem wird eine andere Austarierung der Maschine während des Fluges notwendig. Deshalb musste der Flug QF63 am Tag der Heiligen Drei Könige auf dem Weg von Sydney, wo sich das Wartungszentrum von Qantas befindet, nach Johannesburg den außerplanmäßigen Stopp in Perth einlegen: zum Auftanken von Kerosin vor der langen Etappe über den Ozean.

Nach der Landung in Johannesburg werden Ingenieure die Maschine mit der Kennung VH-OJS vom fünften Triebwerk befreien. Mit wieder vier Motoren unter den Flügeln wird der Jumbojet dann in knapp zwölf Stunden nonstop nach Sydney zurückfliegen. Die defekte 747-Engine wird übrigens gut verpackt die Reise zurück nach Australien auf dem Seeweg antreten.

Zwei Nachträge am 8. Januar 2016:

Flug QF63 ist in Johannesburg gelandet.

Und Qantas hat ein Video mit Hintergrundinfos veröffenlicht

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