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Weiter warten: Luftraum wegen Aschewolke bis Dienstagmorgen gesperrt?

Der Luftraum über Deutschland bleibt wegen des Vulkanausbruchs in Island aller Voraussicht nach weiter bis Dienstagmorgen, 2 Uhr, gesperrt.

Der Luftraum über Deutschland bleibt aller Voraussicht nach weiter bis 2 Uhr am Dienstagmorgen gesperrt. Der Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS), Axel Raab, sagte am Montag der Nachrichtenagentur DAPD, diese vorläufige Entscheidung beruhe auf den momentanen Erkenntnissen über die Aschewolke. Allerdings könne sie sich noch ändern, falls das Testflugzeug des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, das am Nachmittag aufsteigen sollte, neue Erkenntnisse bringen sollte. Auch eine Änderung der Wetterlage könne die Entscheidung noch einmal revidieren.

Die Bundesregierung und die Wirtschaft wollen die ökonomischen Schäden durch die Sperrung des deutschen Luftraums möglichst gering halten. Dazu vereinbarten Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und BDI-Präsident Hans-Peter Keitel die sofortige Einsetzung einer Arbeitsgruppe.

Diese solle unverzüglich alle nötigen Maßnahmen in die Wege leiten, um die volkswirtschaftlichen Schäden zu minimieren, sagte ein Sprecher des Industrieverbandes BDI. Brüderle hat für Montagnachmittag Industrievertreter zu Gesprächen eingeladen. "Wir werden gemeinsam diskutieren, wie man schwerwiegende Auswirkungen vermeiden kann", erklärte Brüderle in Berlin.

"Die Aschewolke, die der Vulkan in Island verursacht, beeinträchtigt die Wirtschaftsabläufe in erheblichem Ausmaß", erklärte Brüderle weiter. "Wenn in der globalisierten Wirtschaft Wertschöpfungsketten über einen längeren Zeitraum unterbrochen werden, kommen wir in eine ernste Lage." Der BDI verwies darauf, dass rund 40 Prozent der deutschen Exporte per Flugzeug erfolgen.

Angesichts drohender Milliardenschäden für die deutsche Wirtschaft durch Flugausfälle fordert der DIHK eine befristete Aufhebung des Nachtflugverbots. "Wenn die Aschewolke weg ist, sollte das Nachtflugverbot vorübergehend fallen", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, am Montag Reuters. "So können angestaute Warenlieferungen zügig abgearbeitet und Touristen nach Hause geholt werden." Damit könne der volkswirtschaftliche Schaden rasch eingedämmt werden. Diesen Schaden schätzt der DIHK auf etwa eine Milliarde Euro pro Tag bei einem kompletten Flugverbot.

Die Exporte würden zwar überwiegend per Containerschiff, Bahn und Lkw bewegt. "Doch per Luftfracht werden besonders die teuren und höherwertigen Güter transportiert", sagte Treier. Im internationalen Geschäft würden deshalb zwischen 35 und 40 Prozent der Güterwerte mit Flugzeugen bewegt. "Die gesamte Ersatzteillogistik etwa ist vom Flugverkehr abhängig", sagte der Chefvolkswirt.

Der DIHK befürchtet deshalb einen wirtschaftlichen Rückschlag, sollte die Aschewolke den Flugverkehr noch länger lahm legen. "Das kann der Konjunkturerholung einen gehörigen Dämpfer verpassen", sagte Treier. Ein zwei Wochen langes Flugverbot könne bis zu einem halben Prozentpunkt Wachstum kosten.

DPA/APN/Reuters / DPA / Reuters

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