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Enthüllungen im Spitzensport Weltmeister Kolbe will nicht Synonym für Doping sein

Ihm verdankt eine berühmte Spritze ihren Namen - aber mit Doping will Ruderer Peter-Michael Kolbe nichts zu tun haben. Auch der DFB wehrt sich gegen neue Vorwürfe: Es geht um die WM 1966.

Der ehemalige Ruder-Weltmeister Peter-Michael Kolbe findet es nicht gut, Namensgeber für eine nach Doping klingende Spritze zu sein. "Ja, es stört mich. Ich fühle mich falsch platziert. Doping ist das, was auf der Dopingliste steht. Das Präparat war damals aber nicht verboten", sagte Kolbe der "Bild".

Kolbe war 1976 im olympischen Einer-Finale von Montréal kurz vor dem Ziel eingebrochen. Der fünfmalige Ruder-Weltmeister, dem keinerlei Dopingvergehen vorgeworfen werden, betonte: "Ich habe vorher und nachher nie wieder etwas genommen."

Kein Doping-Vorwurf gegen Kolbe

In der Studie "Doping in Deutschland" wird dem Ruderer nicht vorgeworfen, gedopt zu haben. In dem Dokument wird beschrieben, wie der Ruderer bei Olympia 1976 in Montréal vor dem Endlauf auf Anraten der Ärzte eine Spritze bekam, als Führender einbrach und noch vom Finnen Pertti Karppinen eingeholt wurde. Schuld sollen die Nebenwirkungen der Spritze gewesen sein, der sogenannten "Kolbe-Spritze".

"Der Einsatz der 'Kolbe-Spritze' bei den Olympischen Spielen in Montreal 1976 war zwar kein formaler Verstoß gegen geltende Antidoping-Bestimmungen. Nach der Definition des Europarats von 1963 erfüllte dieser Einsatz jedoch "die Kriterien eines inhaltlichen Dopingverständnisses. Zudem griff das Kombinationspräparat tiefer in den Energiestoffwechsel ein, als offiziell eingestanden wurde", heißt es in der Studie.

Sprinter Ommer packt aus

Nach der Veröffentlichung der Studie berichtete der frühere deutsche Sprint-Meister Manfred Ommer von ausgedehnten Dopingpraktiken in Freiburg. "Freiburg war das Paradies für die Athleten. Dort bekam man das, was man brauchte", sagte Ommer am Dienstag im ZDF-"heute journal". "Wenn Du im Wartezimmer gesessen hast, hast du alles, was Rang und Namen hatte, getroffen, aus allen verschiedenen Sportarten. Jeder wusste, warum man dorthin fährt."

Ommer, der 1977 Doping zugegeben hatte, sprach auch davon, dass er aufgeklärt worden sei, wie er zum richtigen Zeitpunkt die Mittel absetzen musste, um nicht erwischt zu werden. Der frühere deutsche Meister über 100 und 200 Meter, der von 1986 bis 1994 auch Präsident des Fußball-Bundesligisten FC Homburg war, sprach auch von Doping im Fußball. "Das habe ich schon 1977 gesagt. Natürlich wird auch im Fußball gedopt. Da habe ich überhaupt keine Zweifel. Der DFB hat das zumindest zu der Zeit, als ich Präsident war, recht lasch gehandhabt."

DFB weist Doping-Vorwürfe zurück

Der deutsche Fußball wies die in der Studie erneut erhobenen Vorwürfe eines Ephedrinmissbrauchs von Nationalspielern bei der WM 1966 zurück. DFB-Ehrenspielführer Uwe Seeler wehrt sich gegen die Beschuldigungen. "Ich halte von Doping gar nichts. Ich habe auch nicht gedopt, ich kenne auch keinen, der gedopt hat", sagte er am Dienstag bei der Feier zum 50. Geburtstag der Fußball-Bundesliga in Berlin.

Laut der veröffentlichten Studie belegt ein Schreiben des früheren FIFA-Funktionärs Mihailo Andrejevic, "dass drei deutschen Fußballern am Ende des Turniers 'feine Spuren' Ephedrin nachgewiesen wurden." Dabei habe es sich "sportrechtlich um Dopingvergehen" gehandelt, heißt es. Seeler, der 1966 in England Kapitän der deutschen WM-Mannschaft war, fordert Beweise: "Ich höre das auch. Wenn, dann muss man Namen nennen, die das gemacht haben."

Der DFB verwies auf eine Studie, die der DFB selbst in Auftrag gegeben hatte und die zu dem Ergebnis gekommen sie, "dass bei der WM 1966 kein Dopingvergehen vorlag", teilte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker mit. "Ich habe in meinem Kreis, in meiner Zeit keinen kennengelernt, der gedopt hat. Wir haben hart gearbeitet, wir sind viel gelaufen und haben nie Probleme gehabt ohne Doping", betonte Idol Seeler, der in 72 Länderspielen 43 Tore für Deutschland erzielt hat.

sas/DPA DPA

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