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Fernando Alonso: Weltmeister denkt ans Aufhören

Der Siegesrausch nach seinem jüngsten Titelgewinn war wohl nicht heftig genug. Fernando Alonso will möglicherweise nur noch ein Jahr Rennen fahren. Sein neuer Rennstall hört das gar nicht gerne.

Kaum hat sich Fernando Alonso zum jüngsten Doppel- Weltmeister der Formel-1-Geschichte gekürt, da denkt der 25 Jahre alte Spanier bereits ans Aufhören. "Mich mit drei WM-Titeln zurückzuziehen, das wäre das Ziel meiner Karriere", sagte der Renault-Pilot dem spanischen Fernsehsender Telecinco. Sein Gedanke wird vor allem seinem neuen Arbeitgeber McLaren-Mercedes gar nicht gefallen. Alonso soll die Silberpfeile ab 2007 wieder an die Spitze führen.

Beim Großen Preis von Brasilien hatte er mit seinem zweiten Platz zum zweiten Mal den WM-Titel hintereinander gewonnen und verhindert, dass sein Ferrari-Rivale Michael Schumacher seine Karriere mit dem achten WM-Titel krönte. Sogar der Fußball legte am Sonntagabend zu Ehren von Alonso eine Pause ein. Damit die Spanier den Triumph ihres Formel-1-Piloten gebührend feiern konnten, fanden während der Übertragung aus Sao Paulo keine Ligaspiele statt.

Feier fiel ins Wasser

Im Madrider Bernabéu-Stadion wurde vor dem Anpfiff des Derbys Real gegen FC Barcelona das Rennen live auf den Anzeigetafeln übertragen. Die Fans sollten Gelegenheit haben, Alonsos Titelgewinn zu bejubeln. Immerhin ist der Rennfahrer ein bekennender Real-Fan. Die Feier fiel jedoch buchstäblich ins Wasser. Wegen des strömenden Regens in Madrid blieben die Ränge leer, und die Zuschauer kamen erst zum Spielbeginn ins Stadion. Wirklich gejubelt über Alonsos WM-Titel wurde nur in Asturien, der Heimat des Rennfahrers in Nordspanien. Im Auditorium der Regional-Hauptstadt Oviedo, dem Tempel der "Alonsomanía", erlebten 2000 Fans die Live-Übertragung aus Brasilien mit. Nach dem Rennen zogen sie durch die Straßen und schwenkten blaugelbe Fahnen. Blau und Gelb sind nicht nur die Farben des Rennstalls Renault, sondern auch der Region Asturien.

König Juan Carlos und Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero riefen den Weltmeister an und gratulierten zum Titel. "Du bist ein Beispiel für die spanische Jugend", sagte der Regierungschef. Die Presse erklärte den Rennfahrer zur lebenden Legende. "Alonso tritt das Erbe des Michael Schumacher an, des besten Formel-1-Piloten aller Zeiten", schrieb "El Mundo" am Montag. Das Sportblatt "Marca" titelte: "Alonso schickte den größten Rennfahrer der Geschichte in den Ruhestand."

Unter dem Strich fiel der Jubel in Spanien jedoch eher verhalten aus. Dies lag zum einen daran, dass die Titelverteidigung im Grunde absehbar war. Für "Marca" war das Rennen von São Paulo nichts mehr als die "längste Ehrenrunde der Welt". Zum anderen hat Alonso in Spanien nicht nur Freunde. Nach einer Umfrage hatten 28 Prozent der Spanier gehofft, dass Schumacher Weltmeister werden würde.

Weder verehrt noch bewundert

Alonso hat zwar die Formel 1 - legt man die Einschaltquoten im Fernsehen zu Grunde - zur zweitbeliebtesten Sportart nach dem Fußball gemacht, und er ist mit Abstand der bekannteste Sportler des Landes, weit vor den Fußballstars Ronaldinho, Ronaldo oder Raúl. Aber er wird nicht sonderlich bewundert und auch nicht als Idol verehrt. Darauf hat es der 25-Jährige auch nie angelegt. Während Tennisstar Rafael Nadal viel für sein Image tut, geht Alonso den Medien lieber aus dem Weg. Er will Rennen gewinnen, ansonsten aber seine Ruhe haben.

"Wir haben jetzt einen Weltmeister, der nicht allzu viel für die Werbung für die Formel 1 tut", sagte Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Manche wollen allerdings festgestellt haben, dass Alonso sich zu ändern beginnt. Er sei ruhiger und umgänglicher geworden, schrieb die Zeitung "El Mundo". Und ergänzte: "Bei Schumacher war das ähnlich. Der Deutsche hat zu Beginn seiner Karriere auch viele Leute mit seinem Hochmut und seiner Ruppigkeit vor den Kopf gestoßen."

Hubert Kahl/DPA / DPA

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