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Formel 1: McLaren-Boss Ron Dennis gibt auf

Nach 28 Jahren ist endgültig schluss: Ron Dennis zieht sich komplett aus der Formel 1 zurück. Sein Amt als Teamchef von McLaren-Mercedes hatte der 61-jährige Brite bereits abgegeben, jetzt gibt er auch sein Amt als Präsident der McLaren-Gruppe auf. Angeblich habe der Rückzug nichts mit der Lügen-Affäre um Lewis Hamilton zu tun.

McLaren-Patriarch Ron Dennis zieht sich mit sofortiger Wirkung komplett aus der Formel 1 zurück und gibt auch sein Amt als Präsident der Firmengruppe ab. "Niemand hat mich gebeten, diesen Schritt zu tun. Es war meine Entscheidung", versicherte der 61-Jährige am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im südenglischen Woking. Der Brite wollte damit offensichtlich Spekulationen begegnen, er räume das Feld, um im Rahmen der "Lügen-Affäre" um Weltmeister Lewis Hamilton weiteren Schaden von dem Team abzuwenden. Dennis liegt seit Jahren im Streit mit dem Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes Fia, Max Mosley. Am 29. April verhandelt der Fia-Weltrat über die Lügen-Vorwürfe und könnte weitere Strafen gegen die Silbernen verhängen.

Martin Whitmarsh, der zusätzlich zu seiner bisherigen Aufgabe als Teamchef auch Geschäftsführer von McLaren Racing wird, versicherte eine halbe Stunde nach der offiziellen Bekanntgabe im rund 15 000 Kilometer entfernten Shanghai: "Das war Rons Entscheidung. Er widmet sich einem neuen Projekt." Er wolle Gerüchte, Dennis habe wegen der anstehenden Fia-Anhörung oder wegen des Drucks von Vater Anthony und dessen Sohn Lewis Hamilton das Handtuch geworfen, nicht kommentieren. Whitmarsh räumte aber ein: "Es wäre gut, wenn die Beziehung zwischen McLaren und der Fia besser würde."

Angeblich kein zusammenhang zur Lügen-Affäre

Dennis leitet künftig die von der McLaren Group ausgegliederte Sportwagen-Sparte "McLaren Automotive". Formel-1-Partner Mercedes hält als Hauptanteilseigner 40 Prozent am Gesamtunternehmen, dessen Vorstandsvorsitzender vom 1. Juni an Richard Lapthorne wird. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug bedankte sich bei Dennis für die in elf Jahren gemeinsam gewonnenen vier WM-Titel und 58 Grand-Prix- Siege: "Ron und sein Team schrieben mit McLaren eine beispielhafte Erfolgsgeschichte, und dass es dabei auch sportliche Rückschläge gab - und jetzt aktuell auch gerade gibt - ist in diesem so hartumkämpften Sport leider nicht zu vermeiden." Damit vermied es auch Haug sorgfältig, beim Rücktritt des Urgesteins einen Zusammenhang zur "Lügen-Affäre" herzustellen.

Immerhin deuteten Dennis und Whitmarsh an, dass dieser Rückzug dem Team zumindest politisch nicht schaden dürfte. "Ich gebe zu, dass man mit mir nicht immer leicht auskommt. Ebenfalls, dass ich immer hart für McLaren in der Formel 1 gekämpft habe", sagte Dennis. "Ich bezweifele, dass Max Mosley oder Bernie Ecclestone über meine Entscheidung besonders betrübt sind." Nachfolger Whitmarsh sprach von "einem substanziellen Wechsel" und deutete an, dass Dennis ein schwieriger Mensch sei.

McLaren droht das Aus

Britische Zeitungen hatten spekuliert, Dennis sei wegen seiner angeblichen Verwicklung in die "Lügen-Affäre" um Hamilton und das Team zum Rückzug gezwungen gewesen. Der Titelverteidiger und der inzwischen entlassene Sportdirektor Dave Ryan waren nach dem Saisonstart in Australien der Falsch-Aussage überführt worden. Dennis, der bis März Teamchef war, soll dort Einfluss auf Ryan und Hamilton genommen haben. Der 61-Jährige, der insgesamt 28 Jahre das britische Grand-Prix-Team geführt hatte, bezeichnete den Zeitpunkt seiner Entscheidung als "puren Zufall".

Bei der Sondersitzung des Fia-Weltrats wegen der Lügen-Vorwürfe am 29. April in Paris drohen Hamilton und seinem Rennstall Sanktionen bis hin zum Ausschluss aus der Weltmeisterschaft. Schon wegen seiner Rolle in der Spionage-Affäre um Datenklau bei Ferrari, die 2007 in eine Rekord-Geldstrafe von 100 Millionen Dollar und den Abzug aller Konstrukteurs-Punkte mündete, war Dennis erheblich in die Kritik geraten.

Elmar Dreher/DPA / DPA

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