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Großer Preis von Kanada: Schumi-Aufholjagd reicht nicht

Fernando Alonso hat auch den Großen Preis von Kanda gewonnen und seinen Vorsprung vor Schumi weiter ausgebaut. Immerhin: Der Ex-Weltmeister fuhr noch auf den zweiten Platz vor.

Weltmeister Fernando Alonso hat seinem Herausforderer Michael Schumacher im Halbzeit-Rennen der Formel 1 erneut nicht den Hauch einer Chance gelassen und rast nach seinem ersten Sieg in Montréal unaufhaltsam der Titelverteidigung entgegen. Der Spanier gewann im Renault beim Großen Preis von Kanada am Sonntag das neunte von 18 Saisonrennen souverän vor dem Ferrari-Star und dem Finnen Kimi Räikkönen im Silberpfeil. Damit hat Alonso vor dem Grand Prix der USA in einer Woche in Indianapolis bereits einen Vorsprung von 25 Punkten auf den siebenmaligen Weltmeister Schumacher.

Problemlos machte Alonso auf dem Circuit Gilles Villeneuve das halbe Dutzend an Saisonsiegen voll. Schumacher, der in Montréal bereits sieben Mal gewonnen hat, verlor das Rennen schon am Vortag in der Qualifikation. Nur von Platz fünf aus gestartet, zog der Rekordweltmeister auf dem 4,361 Kilometer langen Kurs zwar alle Register, überholte nach der zweiten Safety-Car-Phase kurz vor Schluss noch den Finnen, war gegen Alonso aber chancenlos.

Alonso Jagd auf Schumis Rekorde

Sein spanischer Rivale, der in den beiden letzten Kanada-Rennen nicht ins Ziel gekommen war, feierte nach seinen Siegen in Spanien, Monaco und Silverstone den vierten Grand-Prix-Erfolg hintereinander und jagt nun Schumachers Rekord von sieben Siegen am Stück. Seine Solo-Fahrt zum zweiten WM-Titel wird nach der neuerlichen Demonstration der Stärke auf den 305,270 Kilometern wohl nicht mehr zu verhindern sein.

Auf den 70 Runden hatten Ralf Schumacher im Toyota und Nico Rosberg im Williams dagegen kein Glück. Für Rosberg war das Rennen nach einem Crash früh beendet. "Schade, wir hätten gut Punkte holen können", sagte er. Ralf Schumacher drehte sich erst, war dann zu schnell in der Boxgassen unterwegs und schied nach dem sechsten Boxenstopp aus. Nick Heidfeld im BMW fuhr auf Rang sieben, sein Teamgefährte Jacques Villeneuve krachte in der Schlussphase in die Mauer und verursachte damit die zweite Safety-Car-Phase des Rennens.

Während Alonso von 90 möglichen WM-Punkten gleich 84 gewonnen hat, hat der 37-jährige Schumacher (59) wenigsten etwas mehr Luft auf den drittplatzierten Räikkönen (39). Heidfeld (12) ist in der Fahrerwertung zweitbester Deutscher vor Ralf Schumacher (8) und Rosberg (4). Die klare Überlegenheit von Alonsos Renault-Team spiegelt sich auch in der Markenwertung wider. Die Franzosen führen mit großem Abstand vor Ferrari und McLaren-Mercedes.

Mit seinem spielerisch leicht herausgefahrenen 14. Karriere-Erfolg bescherte der 24 Jahre alte Spanier seinem Reifenhersteller Michelin einen wichtigen Prestigeerfolg. Vor der Rückkehr nach Indianapolis feierten die Franzosen ihren 100. Grand-Prix-Sieg. Im Vorjahr hatten die mit Michelin-Reifen fahrenden Formel-1-Autos beim Großen Preis der USA nach einer Unfallserie aus Sicherheitsgründen nicht starten können. Seinerzeit hatte Schumacher seinen einzigen Saisonsieg geschafft.

Alonso bleibt eine Klasse für sich

In diesem Jahr läuft es zwar besser, doch Alonso ist für den erfolgsverwöhnten Star auch weiterhin unantastbar. Beim Start stand Schumacher nur neben dem in der Qualifikation überraschend starken Jungstar Rosberg in Reihe drei. Alonso und Fisichella, Vorjahressieger Räikkönen und Toyota-Pilot Jarno Trulli fuhren vor ihm los.

Von seiner 14. Pole-Position kam Alonso souverän weg, während sein Teamkollege Fisichella trotz eines Frühstart von Räikkönen überholt wurde. Auch Schumacher kam nicht richtig in Fahrt, musste Rosberg und sogar noch Juan Pablo Montoya im zweiten McLaren-Mercedes vorbei lassen. Doch schon in Runde zwei war der Rekordweltmeister wieder Fünfter. Für Neuling Rosberg dagegen war das Montréal-Abenteuer nach einem Zusammenstoß mit dem ohne Rücksicht auf Verluste fahrenden Montoya beendet. In Runde 15 Runde war die Gefahr für den Rest des Feldes vorbei, denn der Kolumbianer krachte in die Mauer.

Zuvor hatte Fisichella in der höchst turbulenten Anfangsphase seine Strafe für den Frühstart in der achten Runde abgebrummt. Schumacher wurde deshalb auf Platz vier gespült. Doch an Trulli, der wohl auch in der nächsten Saison der Teamkollege von Ralf Schumacher sein wird, kam er erst in Runde 25 vorbei, als der Italiener fair Platz machte.

Als erster der drei Toppiloten kam Alonso in den Runden 24 und 51 in die Box, reihte sich jeweils hinter Räikkönen ein. Dessen beide Stopps (26./54.) wurden gründlich verpatzt, trotzdem behauptet der Finne bis kurz vor Schluss seine Position hinter dem Spitzenreiter. Schumacher blieb beim ersten Mal neun Runden länger auf der Strecke als Alonso, kam aber trotzdem nicht näher an seinen Rivalen heran.

Zwei Stunden vor dem WM-Viertelfinale zwischen Portugal und den Niederlanden gerieten die beiden Landsleute der Fußballer aneinander. Die Midland-Piloten Tiago Monteiro und Christijan Albers schossen sich gegenseitig von der Strecke, konnten deshalb in Ruhe das Spiel in Nürnberg im Fernsehen schauen.

Volker Gundrum/DPA / DPA

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