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Bayern München: Angst vor der Krise

Zweimal in Folge verließen die Bayern zuletzt als Verlierer den Platz, und die nächste Blamage könnte schon am Mittwoch folgen. Im Pokalhalbfinale geht es gegen Wolfsburg, das beste Rückrundenteam der Liga. Der Haussegen in München hängt aber schon vor dem Anpfiff schief - auch wegen "Schweini".

Für Ottmar Hitzfeld geht es neben Berlin um den Betriebsfrieden, sein Vorgänger Felix Magath hofft derweil auf die nächste Bayern-Blamage. Nach den peinlichen Pleiten gegen Anderlecht und Cottbus kann der deutsche Fußball-Rekordmeister Bayern München nur mit einem Sieg an diesem Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) im DFB-Pokal-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg die Krise abwenden. "Es gibt sicherlich kein drittes Spiel, in dem wir nicht siegreich sein werden", hob Kapitän Oliver Kahn die zuletzt vermisste Münchner Macht hervor und schenkte dem Ex-Coach auf dem Weg zu seinem DFB-Pokal-Abschiedssieg keine Beachtung. "Wir wollen ins Finale und da spielt es keine Rolle, wer Trainer auf der anderen Seite ist."

Zum zweiten Mal nach seinem Vereinswechsel kehrt der vor 14 Monaten entlassene Magath zum früheren Arbeitgeber zurück, mit dem er zweimal den DFB-Pokal gewinnen konnte. "Bayern München ist ein Spitzenclub in Europa. Alles andere als ein Finaleinzug wäre für die Bayern eine Blamage", sagte der 54-Jährige, dessen Familie noch in Bayern lebt. Auch ohne Sonderbewachung für Franck Ribéry will der zweimalige Bayern-Double-Gewinner das Endspiel am 19. April in Berlin erreichen. Sein Team, Pokalfinalist von 1995, steht erst zum vierten Mal in der Runde der letzten vier. Der 13-malige Cup-Sieger FC Bayern strebt dagegen nicht nur sein 16. Endspiel an. "Es geht auch darum, den Leuten, die jetzt den Mund offen haben, das Mundwerk zu schließen", will der zuletzt schwache Bastian Schweinsteiger die jüngsten Nörgeleien verstummen lassen.

Wolfsburg bestes Rückrundenteam

Drei Titel können die Münchner in dieser Saison noch gewinnen, doch der Haussegen hängt derzeit schief, als wäre schon alles verloren. "Wenn man zwei Spiele hier beim FC Bayern verliert, ist es so, als würde man vor dem Abstieg stehen", meinte Schweinsteiger. Der Mittelfeldakteur sorgte mit seiner Fernfehde mit Stefan Effenberg zuletzt für mehr Schlagzeilen als mit seinen Leistungen. Der Ex-Wolfsburger Effenberg hatte den Nationalspieler ("Er ist auf dem besten Weg, auf die lange Liste der ewigen Talente zu kommen.") harsch kritisiert. Schweinsteiger konterte: "Vor dem Spieler Effenberg habe ich Respekt, aber nicht vor dem Typen Effenberg."

Wenigstens von der argentinischen Streikfront Martin Demichelis gibt es gute Nachrichten: Der Arbeitsverweigerer kehrt an der Seite des wechselwilligen Lucio in den Kader zurück, in dem der angeschlagene Willy Sagnol und der gesperrte Luca Toni fehlen. Die Wolfsburger, die beim 1:0-Coup in Bremen viel Selbstbewusstsein tankten, reisen als bestes Rückrundenteam in Bestbesetzung an.

Bayern üben Elfmeterschießen

Nur ein einziges Remis konnten die Niedersachsen in elf Liga- Spielen in München erreichen, ansonsten waren sie sicherer Punktelieferant. Auch im DFB-Pokal vor zehn Jahren in Wolfsburg beim 4:3 im Elfmeterschießen behielt der FC Bayern ebenso die Oberhand wie beim 2:1 vor sechs Jahren im eigenen Stadion. Trotz der klaren Serie glaubt VfL-Profi Ashkan Dejagah, dass "die Bayern Respekt vor uns haben werden" und will sich den "Traum vom Finale in meiner Heimatstadt Berlin" erfüllen.

Zumindest gewarnt sind die Bayern - und auf eine Extra-Schicht drei Tage vor ihrem Liga-Gipfel gegen Bayer Leverkusen vorbereitet. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass es auch eine Verlängerung geben könnte", mahnte Kahn, dessen Mannschaft am Montag auch schon für ein mögliches Elfmeterschießen probte.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Bayern München: Kahn - Lell, Lucio, Demichelis, Jansen - Altintop, van Bommel, Zé Roberto, Ribéry - Klose, Podolski

VfL Wolfsburg: Benaglio - Riether, Ricardo Costa, Madlung, Schäfer - Santana (Hasebe), Josué, Gentner - Marcelinho - Grafite, Dejagah

DPA/kbe

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