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Spiel gegen Manchester City Gladbachs absurde Reise in die Corona-Hochburg Budapest

Ilkay Gündogan und Gladbachs Lars Stindl (r.) liefern sich während des Hinspiels in der Puskas Arena einen Zweikampf
Ilkay Gündogan und Gladbachs Lars Stindl (r.) liefern sich während des Hinspiels in der Puskas Arena einen Zweikampf
© Marton Monus / DPA
Borussia Mönchengladbach ist zum Champions-League-Spiel gegen Manchester City nach Budapest gereist. Dort sind die Inzidenzzahlen um ein Vielfaches höher als in England oder in Deutschland – eine absurde Situation.

Die Irrungen und Wirrungen in der Corona-Pandemie sind manchmal schwer zu verstehen. Besonders der Profi-Fußball führt mit seinen Reisen quer durch Europa die widersprüchlichen Regelungen auf internationaler Ebene, die manchmal absurd anmuten, vor Augen. Der jüngste Fall betrifft Borussia Mönchengladbach. Der Verein trifft am Dienstagabend im Achtelfinal-Rückspiel in Budapest auf Manchester City (ab 21 Uhr im stern-Liveticker). Sportlich interessiert die Partie weniger, weil ein Ausscheiden der kriselnden Gladbacher nach der 0:2-Niederlage im Hinspiel als wahrscheinlich gilt.

Ursprünglich sollte die Partie im Manchester stattfinden. Eine Ausnahmeregelung in der Corona-Verordnung von Nordrhein-Westfalen ließ das zu. Das Team hätte sich nur in eine Fünf-Tage-Quarantäne begeben müssen und diese sogar für das Spiel gegen Schalke am kommenden Wochenende unterbrechen dürfen.

Reise nach Budapest für Behörden kein Problem

Der Passus in der Corona-Verordnung wurde aber in der vergangenen Woche gestrichen. Also hätte sich die komplette Mannschaft inklusive Trainerteam nach der Rückkehr aus England zwei Wochen lang abschotten müssen, weil England wegen der dort dominierenden Virusvariante B.1.1.7 als Hochrisikogebiet eingestuft ist. Das wäre mit dem Bundesliga-Alltag nicht zu vereinbaren gewesen.

Das meldete die Borussia der Uefa, die wiederum Manchester City mit der Suche nach einem Ersatzspielort beauftragte. Die Wahl fiel wieder auf Budapest, wo schon das Hinspiel stattgefunden hatte (weil englische Teams aktuell nicht nach Deutschland einreisen dürfen). Auch die Duelle zwischen RB Leipzig und dem FC Liverpool fanden in der Puskas Arena in Budapest statt.

Ungarn und seine Hauptstadt Budapest sind zwar kein "Virusvariantengebiet" wie Großbritannien, aber dafür "Hochinzidenzgebiet", soll heißen: die Infektionszahlen sind viel höher als auf der Insel, und zwar um ein Vielfaches. In Manchester liegt die aktuelle Inzidenz bei 91,9, in Mönchengladbach bei 46,7 und in Budapest bei 670. Die Reise nach Ungarn ist für die Behörden trotzdem kein Problem. Selbst eine verkürzte Quarantäne entfällt, zur Rückreise der Mannschaft nach Deutschland reicht der Nachweis von Schnelltests.

Kritik aus der Politik ist selten

Aus der Politik kommt kaum Kritik. Eine Stimme wie die von André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linken in der Bundestagsfraktion, ist selten: "Ich halte das alles für absurd", sagte er dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". "Wir haben hier relativ überschaubare Inzidenzzahlen. In Leipzig (bezogen auf RB Leipzig, Anm.d.Red.) liegt diese Zahl innerhalb Sachsens deutlich am niedrigsten. Spiele dann in einer Region auszutragen, in der die Werte aktuell deutlich höher liegen, finde ich abenteuerlich. Ich begreife diese Herangehensweise nicht."

Für Borussia Mönchengladbach bedeutet die Verlegung eine zusätzliche finanzielle Belastung. Die Uefa verlangt, dass der Verein, der indirekt für die Verlegung verantwortlich ist, zehn Prozent des Antrittsgeldes an den gegnerischen Verein zahlt. Das wären 1,5 Millionen Euro. "Natürlich kann man darüber diskutieren, dass wir eine Sanktionszahlung im siebenstelligen Bereich zu leisten haben, zumal es ja etwas kurios ist, weil ja wir nicht wirklich etwas dafürkönnen. Aber die Uefa-Regel ist so. Gerade in Coronazeiten tut uns das natürlich weh", sagte Gladbachs Manager Max Eberl dazu.

Dennoch verdient Gladbach natürlich viel Geld durch die Champions League. Das ist auch der Grund, warum sich die Klubs dem Diktat der Uefa beugen, dass keine Verschiebung von Spielen vorsieht und die Vereine so zwingt, andere Spielorte zu finden.

Quellen: DPA, "RND", "Spox", "Augsburger Allgemeine", "corona-in-zahlen.de"


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