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Debatte um Fußball: Bundesliga-Neustart? Die Zahl der Kritiker wächst

Die Debatte um die Fortsetzung der Bundesliga-Saison wird intensiver. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke warnte erneut mit markigen Worten vor den wirtschaftlichen Folgen und erhält Unterstützung aus der Politik. Aber die Zahl der Kritiker an den DFL-Plänen wächst.

Das bisher  im bisher einzige Geisterspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln

Noch ist offen, ob es bald wieder Duelle geben wird wie das im bisher einzigen Geisterspiel zwischen Borussia Mönchengladbach undf dem 1. FC Köln

DPA

Die Debatte um die Fortsetzung der Fußball-Bundesliga nimmt mächtig an Fahrt auf. Erst präsentierte die Deutsche Fußball Liga ihr Hygienekonzept zur Durchführung von Geisterspielen, dann kam aus der Politik viel Zustimmung für die detaillierten Pläne der DFL. An vorderster Front dabei waren die Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) aus Nordrhein-Westfalen und Markus Söder (CSU) aus Bayern, die sich zuversichtlich äußerten, dass die Bundesliga möglicherweise bald wieder spielen kann – selbstverständlich unter strengster Einhaltung der Hygienevorschriften und nur wenn die Infektionszahlen es zuließen.

Für die Klubs gibt es handfeste, finanzielle Gründe, die Saison fortzusetzen. Unter den Vereinen grassiert die Angst vor Insolvenzen und finanziellen Folgeschäden. Von den Bundesliga-Klubs Schalke 04 und Werder Bremen ist bekannt, dass sie möglicherweise eine längere Spielpause kaum verkraften könnten. BVB-Chef Hans-Joachim Watzke warnte mit eindringlichen Worten jetzt erneut, dass "die ganze Bundesliga absäuft", wenn die Liga für mehrere Monate pausiere.

Annalena Baerbock kritisiert Pläne scharf

Doch mittlerweile formatiert sich öffentlich von allen Seiten immer mehr Kritik an den Plänen der DFL. In der ARD-Sendung "Anne Will" kritisierte Grünen-Chefin Annalena Baerbock die Pläne scharf. Sie sei "größter Fußball-Fan", sagte sie, betonte aber: "Wir verspielen damit in unserer Gesellschaft wirklich einen sozialen Zusammenhalt, weil das zutiefst ungerecht ist für diejenigen Bereiche, in denen ein Kind noch nicht einmal auf eine einsame Schaukel darf."

SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach gehörte von Beginn an zu den Kritikern der DFL-Pläne: Wir müssen den jungen Leuten die Botschaft vermitteln: Haltet Abstand, tragt einen Mundschutz, das Virus ist gefährlich", sagte er in der gleichen Sendung. "Alle drei Botschaften werden durch einen Bundesliga-Start konterkariert." In die gleiche Kerbe schlägt der Sportphilosoph Gunter Gebauer: Die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ist seiner Meinung nach "ein falsches Signal".

Der Leipziger Virologe Professor Uwe G. Liebert warnte vor unabsehbaren gesundheitlichen Folgen: "Wir wissen zum einen noch nichts über die Langzeitfolgen einer Erkrankung mit Covid-19", sagte der Leiter des Instituts für Virologie an der Universität Leipzig. Er verwies auf einen 31-jährigen Verstorbenen, der zu keiner Risikogruppe zählte und keine Vorerkrankungen hatte. "Es ist möglich, auch in jungen Jahren an dem Virus schwer zu erkranken oder zu sterben", betonte Liebert.

Ultras und Polizei-Gewerkschaft sind ebenfalls dagegen

Kritische Worte kommen auch von Fan-Organisationen und der Gewerkschaft der Polizei (GdP), die vor möglichen Fan-Ansammlungen vor den Stadien warnte, wenn dort Geisterspiele ausgetragen werden. Das Phänomen zeigte sich beim bislang einzigen Geisterspiel von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln am 11. März. Dort waren Hunderte Gladbacher Fans zum Stadion gepilgert und hatten den Sieg ihrer Mannschaft gefeiert.

Ein breiter Zusammenschluss von Fan-Szenen kritisiert die Pläne zur Wiederaufnahme ebenfalls scharf. Eine Fortsetzung mit Geisterspielen sei "nicht vertretbar", schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung", erklärten sie in einer Stellungnahme vergangene Woche: "Eine baldige Fortsetzung der Saison wäre blanker Hohn gegenüber dem Rest der Gesellschaft. Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne."

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Das Argument, zahlreiche Klubs müssten schon wegen drohender Pleiten wieder spielen, fegte die Sprecherin der Fan-Ggemeinschaft "Unsere Kurve", Helen Breit, beiseite. "Im Fußball werden jedes Jahr Umsatzrekorde verkündet. Jetzt bringen neun Spieltage, die auszufallen drohen, nicht wenige Vereine in eine existenzbedrohende Situation. Die Vereine sind gefragt, offen zuzugeben, dass nicht Corona sie in eine prekäre Situation gebracht hat - durch Corona wurde die Situation erst sichtbar", sagte sie der "Süddeutschen Zeitung".

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", "Bild", "Sportschau", DPA

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