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Bundesliga im Check: 1. FC Köln: Podolski ist die Schlüsselfigur - mal wieder

Der 1. FC Köln ist eines der großen Rätsel im deutschen Fußball. Tradition, Umfeld, Fanszene – alles ist da. Trotzdem läuft es seit Jahren nicht rund. Viel spricht dafür, dass sich das auch in dieser Saison nicht ändert.

Von Dieter Hoß

Was ist neu?

Es ist Bescheidenheit eingezogen beim 1.FC Köln – allerdings unfreiwillig. Große Namen wurden zuletzt verpflichtet: die Portugiesen Petit und Maniche, vor allem Heimkehrer Lukas Podolski. Nun herrscht Ebbe in der Kasse – zumal der „Eff-Zeh“ mit Platz 13 in der Liga und einem in seiner Entstehung beschämenden Pokal-Aus gegen den Zweitligisten FC Augsburg weit entfernt blieb von zusätzlichen Einnahmen aus der Europa League.

Den Serben Zoran Tosic, ausgeliehen von Manchester United und zuletzt bester Mann im Offensiv-Verbund, konnten die Domstädter daher nicht halten. Ersetzen soll ihn ein ebenfalls Ausgeliehener: Das kroatische Talent Mato Jajalo kommt aus Italien vom AC Siena an den Rhein. Er soll in der künftigen Mittelfeldraute halblinks spielen. Sein Partner auf der rechten Seite ist – so der Plan – ebenfalls ein Neuer: Martin Lanig, der vom VfB Stuttgart gekommen ist und dort zuletzt lange verletzt war.

Ganz vorne in der Raute soll – auch das wäre neu - Lukas Podolski spielen. Trainer Zvonimir Soldo will Prinz Poldi als Mann hinter den Spitzen offenbar mehr Freiheiten einräumen als im vergangenen Jahr, als der Stürmer nach umjubelter Heimkehr meist wirkungslos blieb. Neuer Partner von Milivoje Novakovic im Sturm soll Alexandru Ionita werden. Der 1,5-Millionen-Euro-Mann von Rapid Bukarest ist die größte Investition in die Mannschaft. Der 21-Jährige gilt als ein viel versprechendes Talent.

Was ist gut?

Mit Lukas Podolski hat der FC einen echten Star und eine große Identifikationsfigur in seinen Reihen. Die Kölner Fans, ohnehin nibelungentreu, werden daher schon allein wegen Poldi auch in schlechten Phasen mit ihrer Mannschaft „durchs Feuer“ gehen, wie es in einem FC-Lied heißt. Der 25-Jährige dürfte durch die WM-Euphorie viel Schwung von der Nationalmannschaft mit in den Verein bringen. Läuft es bei Podolski, kann er durch seine eigene Begeisterungsfähigkeit die ganze Mannschaft mitziehen. Dass er noch einmal eine so schlechte Saison wie zuletzt spielt, mag in der Domstadt niemand glauben.

Mit Podolski, Novakovic und Ionita, dazu Adil Chihi, Sebastian Freis und Manasseh Ishiaku sowie zwei eigenen Talenten sind die Kölner im Sturm qualitativ und quantitativ sehr gut aufgestellt – vor allem für einen Verein, der sich eher in der zweiten Tabellenhälfte bewegt. Das wahre Prunkstück des FC aber ist die Defensive. Als die Kölner in der Hinrunde der vergangenen Saison buchstäblich kaum ein Tor zustande brachten, sorgten Torwartroutinier Faryd Mondragon, der slowenische WM-Verteidiger Miso Brecko sowie das bärenstarke Innenverteidiger-Paar Youssef Mohamad und Geromel dafür, dass die Domstädter nicht abrutschten. 42 Gegentore standen zum Schluss zu Buche – ein Wert, mit dem man fit wäre für die Tabellenpltäze 4 und 7. Gleichzeitig machte der Defensiv-Verbund die Kölner zur immerhin sechstbesten Auswärtsmannschaft der Liga.

Was ist schlecht?

So gut die Defensive ist, so schlecht war zuletzt der doch so prominent besetzte Sturm. Ganze 33 Tore schafften Poldi & Co. in der vergangenen Saison – so wenige wie Absteiger VfL Bochum. Ein Grund für die Abschluss-Schwäche: Podolski und Novakovic können angeblich nicht miteinander. Der Slowene soll voller Neid auf die Anerkennung und Bezahlung des deutschen Nationalspielers reagiert haben. Zwar beruhigte der Verein die Lage, indem er das Salär Novakovics ein wenig aufstockte, doch der langjährige Sturmführer fühlt sich angeblich nicht mehr so recht zuhause in der Mannschaft.

Daran kann auch Coach Soldo offensichtlich nicht viel ändern. Der wortkarge Kroate besitzt nach Ansicht von Beobachtern nicht die kommunikative Kraft, aus den Einzelkönnern ein Team zu formen. Novakovic ist nicht das einzige Beispiel. Der Portugiese Maniche hat Köln schon nach einem Jahr fluchtartig wieder Richtung Lissabon verlassen – den einen galt er als Söldner und Abkassierer, den anderen als Opfer des Trainers, der ihn angeblich nicht ins Team integrieren konnte. Die talentierten Stürmer Freis und Chihi fragten sich zuletzt nicht ohne Grund, wie schlecht es denn im Sturm noch laufen muss, ehe sie eine Chance bekommen. Und selbst mit einem Top-Mann wie Podolski schien der als Aktiver wie als Trainer defensiv orientierte Soldo nicht viel anfangen zu können – was auch den Stürmer selbst irritierte, wie Interview-Äußerungen durchblicken ließen.

Ein erfolgreiches Konzept für das Agieren der Mannschaft ist Soldo bisher jedenfalls schuldig geblieben. Ganze drei Heimspiele haben die Kölner in der vergangenen Saison gewonnen – vollkommen unverständlich für jeden, der die großartige Atmosphäre im Rhein-Energie-Stadion einmal erlebt hat. Diese Schwäche soll eine stärkere Offensive beheben, doch durch die geplante Raute verliert der Defensiv-Verbund an Kompaktheit und die Außenverteidiger gelten als nicht so offensivstark wie es für dieses System nötig wäre. Ein Detail, das zeigt, dass es an einem Masterplan für das Team mangelt. Weiteres Indiz: Es wird auffällig viel verliehen und ausgeliehen beim FC – womöglich der Preis, den man dafür zahlen muss, dass man sich als Mittelklasse-Club einen Podolski leistet.

Was ist möglich?

Kaum ein Team ist so schwer einzuschätzen wie der 1.FC Köln. Es scheint, als könnten die Geißböcke ebenso gut das Überraschungsteam wie die größte Enttäuschung der Saison werden. Viel wird von Lukas Podolski abhängen. Kommt er besser zur Geltung, sollte dies auch einen positiven Effekt auf die Mannschaftsleistung haben. Schiebt er weiter Frust, könnte es für das Team sogar weiter abwärts gehen. Da im Laufe eines Spieljahrs selten alles optimal läuft, dürften sich die Kölner am Ende wohl wieder irgendwo zwischen Platz 10 und 15 wiederfinden. Sicher scheint nur: Meister wird der 1.FC Köln nicht, und auch für den Europapokal wird es nicht reichen.

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