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Bundesliga-Kommentar: Die Schöne und die Biester

Das Niveau der Bundesliga bewegt sich kurz vor Ende der Hinrunde knapp über dem Nullpunkt. Von Hamburg bis München gilt: Rumpelfußball ist wieder in. Harte Zeiten für Liebhaber des runden Leders.

Von Klaus Bellstedt

Was für ein trübes Fußball-Wochenende liegt hinter uns. Passend zum Weltuntergangs-Wetter stolperten die meisten Teams der Eliteliga beinahe im Kollektiv zu müden Nullnumern (HSV gegen Nürnberg), langweiligen 1:1-Punkteteilungen (Gladbach gegen Mainz) oder rumpeligen 2:1-Siegen (Bayern gegen Cottbus). Fußball zum Abgewöhnen - und das zwei Wochen vor Weihnachten.

Der Unterhaltungswert der Bundesliga bewegt sich fünf Monate nach Ende der wonnevollen WM nur knapp oberhalb des Nullpunktes. Mit den Nachwirkungen und Spätfolgen der Weltmeisterschaft hat der schwächelnde Branchenprimus zu kämpfen. Den Eindruck wird man mit jedem weiteren Spieltag jedenfalls nicht los. Echte Münchener Sternstunden sind - wenn wir ehrlich sind - in dieser Saison an einer Hand abzuzählen, wenn überhaupt.

Dahinsiechende Bundesliga

Die von Spannungs-Liebhabern immer wieder gern angeführte Maxime "jeder kann jeden schlagen" gilt für die Bundesliga - und ist doch ein Armutszeugnis für die Qualität in der höchsten deutschen Spielklasse. Ausklammern muss man die Schöne unter den Biestern, Werder Bremen. Die Mannschaft von Thomas Schaaf spielt wirklich in einer anderen Liga: attraktiv, modern und dabei niemals auf reine Ergebnisbemühung ausgerichtet.

Das Erstaunliche daran: Die Lieblinge der Liga führen die Tabelle nicht etwa so souverän wie in England ein bärenstarkes Manchester United an, sondern müssen sich die Spitze mit Schalke 04 teilen. Auch der Abstand auf Platz drei ist nicht eben komfortabel. Das spricht so gesehen nicht für Werder, Stichwort "mangelnde Kontinuität". Für den Herbstmeister-Titel wird es wohl dennoch reichen. Immerhin: Für den neutralen Fußball-Fan ist das die einzig gute Nachricht zum Ende einer mehr und mehr dahinsiechenden Bundesliga-Hinrunde.

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