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Bundesliga-Vorschau: Letzte Chance für Doll

Das Rennen um die Herbstmeisterschaft ist spannend wie nie, steht aber nur bedingt im Mittelpunkt des Interesses. Vor dem 16. Spieltag (ab 15.30 Uhr im stern.de-Live-Ticker) diskutiert Fußball-Deutschland weniger über Werder oder Bayern, als über die Trainer in Hamburg oder Mainz.

Hauptdarsteller des 16. Spieltags ist - wie so oft in den vergangenen Wochen - Thomas Doll. Nur ein Sieg im Heimspiel gegen Nürnberg kann den HSV-Coach vor einer unliebsamen Bescherung in der Vorweihnachtszeit bewahren.

Die beste Ausgangsposition, um auf dem Platz an der Sonne zu überwintern, hat Spitzenreiter Bremen. Anders als die drei Mitkonkurrenten müssen die Werder-Profis jedoch auswärts antreten. Nach Einschätzung von Thomas Schaaf haben seine Spieler das Champions-League-Aus in Barcelona ohne erkennbare Schäden verkraftet. "Ich glaube nicht, dass meine Mannschaft jetzt in ein Loch fällt", sagte der Coach vor der Partie in Frankfurt.

"Charaktertest" für den BVB

Ein neuerlicher Wechsel an der Tabellenspitze würde den Trend fortsetzen: Bereits sechs unterschiedliche Teams standen in dieser Saison auf Rang eins. Patzt Bremen, könnten Schalke und Stuttgart vorbei- und die Bayern mit Werder gleichziehen. Trotz einer Grippewelle geht der VfB zuversichtlich in die Partie gegen Bochum. Für den Rekordmeister aus München, der seine Stellung als Liga-Branchenführer mit dem Einzug in das Champions-League-Achtelfinale untermauerte, ist ein Sieg gegen Cottbus Pflicht. "Das wird schwieriger als gegen Inter Mailand", warnte der gesperrte Mark van Bommel, "wir gewinnen nicht so einfach in der Liga."

Unangenehmer erscheint die Aufgabe des punktgleichen Werder-Verfolgers Schalke: Das 128. Derby gegen Dortmund bietet Trainer Mirko Slomka die Chance, in der Gunst der lange Zeit misstrauischen Fans weiter zu steigen. Mehr noch als Slomka steht jedoch sein Gegenüber Bert van Marwijk im Fokus. Wie am vorigen Wochenende bekannt wurde, darf der Niederländer nur bis zum Saisonende beim BVB bleiben, soll den Club aber bis dahin in den Uefa-Cup führen. Die ungewöhnliche Übereinkunft birgt jede Menge Risiken. Das weiß auch Michael Zorc: "Wir schauen mit der Lupe hin, das ist ein Charaktertest", sagte der BVB-Sportdirektor voller Hoffnung, dass die Profis die Zügel nun nicht noch mehr schleifen lassen.

444 Minuten ohne Mainzer Tor

Das grellste Rampenlicht des Wochenendes ist Fußball-Lehrer Doll gewiss. Mindestens vier Punkte aus den ausstehenden Hinrunden-Spielen gegen Nürnberg und Aachen sind für ihn Pflicht, um dem drohenden Rauswurf zu entgehen. Das sportlich wertlose, aber aus moralischer Sicht wichtige 3:2 in der Champions League über ZSKA Moskau werteten alle Beteiligten vor dem Duell mit Nürnberg als Aufbruchsignal. "Wir haben eine unglaubliche Moral bewiesen. So muss es weitergehen", schwärmte Verteidiger Bastian Reinhardt.

Ähnlich groß wie bei Doll ist die Erklärungsnot für dessen Kollegen Jürgen Klopp und Jupp Heynckes. Der Mainzer Trainer wartet seit 14, der Mönchengladbacher Fußball-Lehrer seit acht Partien auf einen Sieg. Das Duell beider Trainer am Samstag wird nicht nur deshalb zu einer prickelnden Angelegenheit: Dem Verlierer wäre ein längerer Aufenthalt im tiefsten Tabellenkeller gewiss. Angesichts der nunmehr 444 Minuten anhaltenden Torflaute seiner Mannschaft klingen die Worte von Klopp mutig: "Wir sind nahe dran an einem Sieg."

DPA/kbe

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