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Weltmeister degradiert: Benedikt Höwedes - ein Schalker Held plant seine Flucht

Bis vor wenigen Tagen war Kapitän Benedikt Höwedes beim FC Schalke 04 nicht wegzudenken. Aber nach seiner Absetzung als Kapitän und der Verbannung auf die Ersatzbank scheint jetzt alles ganz schnell zu gehen.

Benedikt Höwedes

Auf der Ersatzbank: Benedikt Höwedes beim ersten Saisonspiel des FC Schalke 04 gegen RB Leipzig

Es liegt nicht unbedingt in der Natur des Ruhrgebietsmenschen, in die Ferne zu schweifen. Im Gegenteil: "Woanders is' auch scheiße" lautet eine verbreitete Weisheit zwischen Dortmund und Duisburg. Ausgerechnet Benedikt Höwedes, Urgestein des FC Schalke 04 und seltene Identifikationsfigur der Fans, sieht sich aus aktuellem Anlass gezwungen, diese Heimatverbundenheit in Frage zu stellen.

Der neue Schalke-Trainer Domenico Tedesco hat Höwedes in der Saisonvorbereitung als Kapitän abgesetzt und das Amt mit Torhüter Ralf Fährmann neu besetzt. Das erste Saisonspiel der Schalker am Sonntag gegen RB Leipzig musste der 29-Jährige über die gesamten 90 Minuten von der Bank aus verfolgen.

Benedikt Höwedes: Die Degradierung nimmt ihn mit

Die Degradierung nimmt Höwedes offenbar gehörig mit. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung soll er seine Berater beauftragt haben, einen neuen Verein für ihn zu finden. Ziel soll offenbar England sein. Die Personalie ist durchaus heikel: Höwedes hat 335 Spiele für den FC Schalke absolviert und bisher noch nie den Verein gewechselt.

Noch im Sommer hatte der Weltmeister von 2014 betont, dass ihm in der Vergangenheit immer mal wieder Angebote von anderen Vereinen vorlagen, er sich aber stets bewusst für Schalke entschieden habe, weil er ein Umfeld brauche, mit dem er sich identifizieren könne: "Ich habe in all den Jahren nicht ein einziges Mal bereut, dass ich hier geblieben bin." Im Februar 2016 hatte Höwedes einen Vertrag bis 2020 unterschrieben - nach eigenen Angaben "mit pochendem Herzen".

Im Spätsommer 2017 offenbart sich eine neue Situation - und in der Branche wird fleißig diskutiert über die Maßnahme von Tedesco, der mit dem 2:0-Erfolg über Vizemeister Leipzig einen gelungenen Einstand feierte und damit den nötigen Erfolg, der seiner Maßnahme Recht gibt.

Christoph Metzelder, früherer Schalker und Freund von Höwedes, hat die Degradierung in der "Fußball Bild" gerügt: "Das war eine Entscheidung gegen ihn, die ich in der Konsequenz und Härte nicht nachvollziehen kann." Ex-Schalke-Trainer Peter Neururer ließ via "Bild"-Kolumne ähnliches verlauten: "Ich hoffe, es wird im Saisonverlauf nicht einen zweiten Verlierer auf Schalke wegen dieser Personalie geben." Die Entscheidung, Höwedes zu degradieren, sei für ihn keine Chance, wie es der Klub darstelle, sondern eine Gefahr.

Eine andere Meinung vertritt der frühere Nationalspieler und Kapitän des FC Bayern München, Stefan Effenberg, in seiner Fußball-Kolumne für T-Online: Er hätte sich von Höwedes in kritischen Phasen mehr Ansagen gewünscht. Sportlich werde sich die Absetzung nicht bemerkbar machen, aber Effenberg hält Höwedes für einen Spieler, der sich jetzt sagt: "Mund abwischen und weiter alles für den Verein geben."


Kein Transfersommer für Fußballromantiker

Danach sieht es in diesem speziellen Fall allerdings nicht aus und das ist bei näherer Betrachtung auch nachvollziehbar: Tedesco sieht im Schalker Kader für seine Spielidee offenbar bessere Alternativen. Hier gleichen Höwedes' Fleiß und Kampfkraft die spielerischen Defizite im Aufbau nicht mehr aus. Sollte Schalke das gute erste Spiel in den nächsten Wochen bestätigen können, hat selbst der kampfstärkste aller Schalker wohl kaum noch eine Chance auf eine Rückkehr in die Stammelf.

Höwedes ist noch keine 30 Jahre alt, ein Neustart in der Premier League oder anderswo erscheint ihm zu Recht reizvoll. Auch wenn er Schalke unter anderen Umständen wohl kaum verlassen hätte, auch wenn die Fans ihrem weltmeisterlichen Vereinsbotschafter wohl mehr als eine Träne nachweinen werden.

Es wäre ein Wechsel, der perfekt in diesen Transfersommer, der beileibe nichts für Fußballromantiker ist, passt. "Woanders is' auch scheiße"? Das gilt nicht mehr für Benedikt Höwedes. Zumindest nicht unter Trainer Domenico Tedesco.

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